Philosophisches Forum beleuchtet ethische Fragen der Longevity-Bewegung
Am 26. Februar diskutiert das ORF-Philosophische Forum über den Traum vom ewigen Leben und moderne Langlebigkeitsforschung.
Der uralte Menschheitstraum vom ewigen Leben erfährt in der modernen Wissenschaft eine Renaissance. Was jahrhundertelang religiösen Vorstellungen vorbehalten war, wird heute durch Gentechnik, Bioinformatik und Biologie zu einem greifbaren Ziel. Das ORF-"Philosophische Forum" widmet sich am 26. Februar 2026 um 23.05 Uhr dieser brisanten Thematik und fragt: "Wollen wir ewig leben?"
Die sogenannte Longevity-Bewegung hat in den letzten Jahren enormen Aufschwung erhalten. Superreiche Investoren pumpen Millionen in die Langlebigkeitsforschung, getrieben von der Vision, den menschlichen Alterungsprozess nicht nur zu verlangsamen, sondern möglicherweise ganz zu stoppen. Silicon Valley-Milliardäre wie Jeff Bezos und Peter Thiel investieren bereits seit Jahren in entsprechende Forschungsprojekte.
Diese Entwicklung wirft fundamentale ethische und gesellschaftliche Fragen auf: Wird extreme Langlebigkeit nur einer privilegierten Elite zugutekommen? Welche Auswirkungen hätte eine drastisch verlängerte Lebensspanne auf unsere Gesellschaft, die Wirtschaft und zwischenmenschliche Beziehungen?
Moderatorin Barbara Stöckl und Philosoph Konrad Paul Liessmann führen durch eine Diskussion mit vier renommierten Experten aus verschiedenen Bereichen:
Die moderne Langlebigkeitsforschung macht tatsächlich beeindruckende Fortschritte. Wissenschaftler arbeiten an verschiedenen Ansätzen: von der Manipulation der Telomere, den "Schutzkappen" unserer Chromosomen, über die Erforschung von Seneszenz-Mechanismen bis hin zur Entwicklung von Anti-Aging-Medikamenten. Unternehmen wie Altos Labs oder Unity Biotechnology haben bereits Hunderte Millionen Dollar an Investitionen erhalten.
Dennoch bleiben viele Fragen offen. Ist der menschliche Körper überhaupt darauf ausgelegt, deutlich länger als die durchschnittlichen 80 Jahre zu funktionieren? Welche unvorhersehbaren Nebenwirkungen könnten extreme Lebensverlängerungen haben?
Eine drastische Verlängerung der menschlichen Lebensspanne würde unsere Gesellschaft vor völlig neue Herausforderungen stellen. Das Rentensystem müsste grundlegend überdacht werden, wenn Menschen 150 oder 200 Jahre alt würden. Auch Fragen der Überbevölkerung und Ressourcenverteilung würden eine neue Dringlichkeit erhalten.
Besonders brisant ist die Frage der Gerechtigkeit: Wenn Langlebigkeitsbehandlungen zunächst nur für Wohlhabende verfügbar sind, könnte sich eine neue Form der Klassengesellschaft entwickeln – eine Zwei-Klassen-Gesellschaft basierend auf der Lebensdauer.
Die Diskussion um ewiges Leben berührt auch fundamentale philosophische Fragen: Was macht ein erfülltes Leben aus? Verliert das Leben an Wert, wenn es unendlich verfügbar ist? Die Endlichkeit des Lebens galt jahrhundertelang als Quelle menschlicher Kreativität und Bedeutung.
Aus theologischer Sicht stellt sich die Frage, ob der Wunsch nach ewigem Leben auf Erden nicht eine Form der Hybris darstellt – ein Versuch, Gott gleichzukommen. Andererseits könnte argumentiert werden, dass der Mensch seine von Gott gegebenen Fähigkeiten nutzt, um Leid zu lindern und Leben zu verlängern.
Die Longevity-Forschung hat in den letzten Jahren durchaus messbare Erfolge erzielt. Studien mit Mäusen zeigen, dass bestimmte Interventionen die Lebensspanne deutlich verlängern können. Medikamente wie Metformin oder Rapamycin werden bereits als potenzielle Anti-Aging-Mittel erforscht.
Auch die Erforschung von "Blue Zones" – Regionen mit außergewöhnlich vielen Hundertjährigen – liefert wertvolle Erkenntnisse über die Faktoren für ein langes Leben. Dabei spielen sowohl genetische als auch Lifestyle-Faktoren eine Rolle.
Nicht alle Wissenschaftler teilen die Euphorie der Longevity-Bewegung. Kritiker warnen vor überzogenen Erwartungen und unseriösen Versprechungen. Sie betonen, dass der Alterungsprozess extrem komplex ist und eine einfache "Lösung" unrealistisch erscheint.
Zudem wird befürchtet, dass die Fokussierung auf Lebensverlängerung von wichtigeren gesundheitlichen Prioritäten ablenken könnte. Statt nach dem Jungbrunnen zu suchen, sollte man sich vielleicht darauf konzentrieren, die Lebensqualität im Alter zu verbessern.
Die Psychologie des Alterns und der Sterblichkeit spielt in der Diskussion eine wichtige Rolle. Studien zeigen, dass die Auseinandersetzung mit der eigenen Endlichkeit zu persönlichem Wachstum und größerer Lebenszufriedenheit führen kann. Was würde passieren, wenn diese natürliche Entwicklung wegfiele?
Andererseits leiden viele Menschen unter Todesangst, und die Aussicht auf ein deutlich längeres Leben könnte psychische Belastungen reduzieren. Die Frage ist, ob extreme Langlebigkeit eher zu Stagnation oder zu neuen Entwicklungsmöglichkeiten führen würde.
Das "Philosophische Forum" verspricht eine tiefgehende Diskussion dieser komplexen Thematik. Die Zusammensetzung der Expertenrunde garantiert eine ausgewogene Betrachtung aus verschiedenen Blickwinkeln – von der naturwissenschaftlichen Machbarkeit über ethische Bedenken bis hin zu spirituellen Überlegungen.
Die Sendung wird am 26. Februar 2026 um 23.05 Uhr in ORF 2 ausgestrahlt und ist auch auf ORF ON verfügbar. Angesichts der Brisanz des Themas dürfte sie auf großes Interesse stoßen und möglicherweise weitere gesellschaftliche Diskussionen anstoßen.
In einer Zeit, in der wissenschaftlicher Fortschritt und ethische Verantwortung oft in Spannung zueinander stehen, bietet das "Philosophische Forum" eine wichtige Plattform für eine differenzierte Auseinandersetzung mit einer der fundamentalsten Fragen der Menschheit.