Am 20. Mai 2026 zeigt eine aktuelle Überprüfung der Supermarktregale durch Greenpeace: Wer in Österreich umweltfreundliche Eiscreme sucht, findet nur wenig Auswahl. Der Greenpeace-Marktcheck, veröf...
Am 20. Mai 2026 zeigt eine aktuelle Überprüfung der Supermarktregale durch Greenpeace: Wer in Österreich umweltfreundliche Eiscreme sucht, findet nur wenig Auswahl. Der Greenpeace-Marktcheck, veröffentlicht am 20.05.2026, dokumentiert deutliche Lücken bei biologisch zertifizierten Produkten und bei gentechnikfrei hergestellten Sorten. Für Konsumentinnen und Konsumenten, die beim Sommergenuss auf Nachhaltigkeit achten möchten, hat das unmittelbare Folgen – vom Einkaufszettel bis zum Klima. Dieser Artikel analysiert die Ergebnisse, setzt sie in historischen und internationalen Kontext, erklärt zentrale Fachbegriffe verständlich und bewertet, was das für den Alltag in Österreich konkret bedeutet.
Die Greenpeace-Untersuchung ergab, dass lediglich rund drei Prozent der angebotenen Eiscreme-Produkte in österreichischen Supermärkten als Bio-Qualität geführt werden. Damit schwindet das Bio-Angebot trotz steigender Nachfrage nach Bio-Lebensmitteln, wie aktuelle Daten des AMA-Marketing nahelegen. Insgesamt umfasst das durchschnittliche Kühlregal etwa 160 Produkte, davon sind nur etwa 20 Prozent ohne den Einsatz gentechnisch veränderter Futtermittel nachvollziehbar – ein Wert, der Verbraucherinnen und Verbrauchern nur begrenzte Auswahl für nachhaltige Kaufentscheidungen lässt. Besonders ins Gewicht fällt, dass marktbeherrschende Hersteller wie Unilever keine Transparenz über Herkunft und Herstellung ihrer Zutaten bieten und kein Bio-Produkt im Portfolio haben.
Die Entwicklung des Bio-Angebots im Lebensmittelhandel ist kein neues Thema. In Österreich stieg die Nachfrage nach Bio-Produkten in den letzten Jahren kontinuierlich an: Verbraucherinnen und Verbraucher investieren mehr in ökologisch erzeugte Lebensmittel, die durch AMA-Daten belegt werden. Allerdings zeigt der Greenpeace-Marktcheck, dass diese Nachfrage nur langsam oder gar nicht ins Tiefkühlregal übersetzt wird. Bereits 2022 führte Greenpeace eine ähnliche Untersuchung durch. Damals lag der Anteil von Bio-Eis bei etwa 3,8 Prozent; inzwischen ist er auf 2,8 Prozent gefallen. Diese Abnahme steht im Widerspruch zur generellen Tendenz zu mehr Bio-Käufen und lässt vermuten, dass strukturelle Hemmnisse im Produktions- und Lieferkettenbereich wirksam sind.
Ein Teil der historischen Erklärung liegt in der Dominanz großer Hersteller, die das Sortiment prägen. Unternehmen mit großem Marktanteil entscheiden über Produktportfolio, Rohstoffbeschaffung und Preisstrategien. Wenn große Akteure, wie in diesem Marktfall Unilever, kein Bio-Sortiment anbieten oder keine Transparenz über Zutaten liefern, bleibt das Bio-Angebot an Handelsmarken und kleineren Produzenten hängen. Zudem spielen Kosten- und Logistikfaktoren eine Rolle: Bio-Rohstoffe sind oft teurer, Beschaffungsketten komplexer und die Lagerhaltung von spezialisierten Bio-Produkten im Tiefkühlbereich kann den wirtschaftlichen Druck erhöhen.
Auf regionaler Ebene variieren Angebot und Nachfrage nach Bio-Eis. In urbanen Zentren wie Wien, Graz oder Linz ist das Sortiment oft breiter, da dort die Kaufkraft und Nachfrage nach Spezialprodukten höher sind. Ländliche Regionen zeigen häufig ein geringeres Angebot, weil der Absatz weniger planbar ist. Im Vergleich zu deutschen Märkten zeigt sich, dass in einigen deutschen Bundesländern die Verfügbarkeit von Bio-Eis etwas besser ausgeprägt ist, was sich aus einer größeren Zahl an Produzenten und einem differenzierteren Handel erklärt. In der Schweiz ist das Bio-Angebot traditionell stärker institutionalisiert: Hohe Bio-Quoten in Milch und Molkereiprodukten sowie eine starke Konsumententradition führen dort zu einem höheren Anteil von Bio-Eis.
Innerhalb Österreichs variieren die Sortimentsbreiten zwischen Bundesländern. Regionen mit hoher touristischer Nachfrage (z. B. Tirol, Salzburg) führen oftmals mehr Spezialsorten und vegane Alternativen. Dennoch bleibt das überregionale Bild durch die Dominanz weniger Akteure und zentral gesteuerter Lieferketten geprägt, sodass Unterschiede zwar vorhanden sind, aber keine flächendeckende Lösung für die geringen Anteile an Bio-Eis darstellen.
Für Konsumentinnen und Konsumenten hat die geringe Verfügbarkeit von Bio-Eis direkte Folgen. Wer Wert auf ökologisch erzeugte Lebensmittel legt, steht vor einer beschränkten Auswahl und höheren Preisen. Das verengt die Möglichkeit, Nachhaltigkeitsprinzipien durch alltägliche Kaufentscheidungen zu unterstützen. Beispiel 1: Eine Familie, die regelmäßig Eis für Kinder kauft und auf Bio-Produkte achten möchte, muss oft mehr Zeit für die Suche investieren und auf teurere Handelsmarken zurückgreifen oder auf Markenprodukte verzichten. Beispiel 2: Menschen mit Laktoseintoleranz oder veganer Ernährung finden zwar zunehmend pflanzliche Alternativen – der Greenpeace-Check bemerkt jedoch, dass reine Pflanzenprodukte nur etwas mehr als zehn Prozent des Sortiments ausmachen und nicht immer biozertifiziert sind.
Ein weiterer Effekt betrifft Vertrauen und Transparenz: Die Zurückhaltung großer Hersteller, Auskunft über Herkunft und Verarbeitung der Zutaten zu geben, erschwert informierte Kaufentscheidungen. Wenn mehr als die Hälfte des Angebots von einem Konzerntreiber wie Unilever kommt und dieser weder Bio-Produkte anbietet noch Angaben zur Herkunft macht, können Konsumentinnen und Konsumenten letztlich nur eingeschränkt Einfluss auf nachhaltige Produktionsweisen nehmen. Das hat auch politische Relevanz: Weniger Marktdruck auf Bio-Produktion führt zu geringeren Anreizen für Umstellung in Landwirtschaft und Verarbeitung.
Diese Zahlen stammen aus dem Greenpeace-Marktcheck Eiscreme (Quelle: Greenpeace) und ergänzenden Marktbeobachtungen der AMA. Sie zeigen ein klares Missverhältnis zwischen Nachfrage nach Bio-Produkten und Angebot im Kühlregal. Die Entwicklung seit 2022 ist besonders relevant: Ein Rückgang des Bio-Anteils um fast ein Drittel (relativ gesehen) bei gleichzeitig wachsendem Gesamtsortiment legt nahe, dass Bio-Produkte in der Sortimentspolitik an Gewicht verlieren.
Gundi Schachl, Leiterin des Greenpeace-Marktchecks, wird in der Pressemitteilung zitiert: "Wer beim Eisgenuss auf die Umwelt achten möchte, muss im Supermarkt lange suchen: Biologisches und rein pflanzliches Eis ist besser für Mensch und Natur, bleibt aber die Ausnahme im Kühlregal." Greenpeace fordert Hersteller und Supermärkte auf, das umweltfreundliche Angebot zu erweitern. Konkrete Stellungnahmen von großen Herstellern wie Unilever lagen zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der Greenpeace-Studie nicht vor; Unilever gibt laut Greenpeace keine Auskunft über Herkunft und Herstellung der Zutaten.
In den kommenden Jahren sind mehrere Szenarien denkbar. Ein optimistisches Szenario sieht ein stärkeres Engagement der Supermärkte und Handelsmarken: Durch eigene Bio-Produktlinien, bessere Kennzeichnung und aktive Förderung kleinerer Bio-Anbieter könnte der Anteil von Bio-Eis deutlich steigen. Handelsmarken haben hierbei eine Schlüsselrolle, weil sie Sortimente steuern und Produktionspartnerschaften eingehen können. Ein weiteres mögliches Element sind verbindlichere Transparenzregeln oder staatliche Fördermaßnahmen, die den Einsatz gentechnikfreier Futtermittel und die Umstellung auf biologische Rohstoffe finanziell unterstützen.
Ein pessimistisches Szenario zeichnet sich ab, falls große Hersteller weiterhin keine Bio-Optionen anbieten und Logistik- sowie Preisdruck bestehen bleiben. Dann könnte das Bio-Angebot weiterhin marginalisiert werden und nur in Nischen bestehen. Für Verbraucherinnen und Verbraucher bedeutet das: Entweder höhere Preise und begrenzte Auswahl oder ein anhaltender Zielkonflikt zwischen Alltagstauglichkeit und ökologischen Präferenzen.
Strategisch könnten nachhaltige Veränderungen erfolgen, wenn Handelsketten und Produzenten gemeinsam Lieferketten umbauen, transparente Herkunftsangaben verpflichtend werden und Konsumentinnen und Konsumenten stärker nachfragen. Politische Impulse – etwa durch Subventionen für Bio-Futtermittel oder strengere Kennzeichnungsregeln – würden den Transformationsdruck erhöhen.
Weitere Informationen und der vollständige Marktcheck sind auf der Greenpeace-Webseite verfügbar: https://greenpeace.at/marktcheck/eiscreme-mai26/ sowie unter https://act.gp/Eiscreme (Bild- und Audio-Material mit Credits © Mitja Kobal / Greenpeace).
Die Greenpeace-Analyse vom 20. Mai 2026 legt offen: Bio-Eis bleibt in österreichischen Supermärkten ein Nischenprodukt, obwohl die Nachfrage nach Bio-Lebensmitteln insgesamt steigt. Nur etwa drei Prozent des Sortiments sind biozertifiziert, rund 20 Prozent gelten als gentechnikfrei und etwas mehr als zehn Prozent sind rein pflanzlich. Marktführer wie Unilever bieten keine Bio-Optionen und bleiben intransparenter über Rohstoffherkunft. Interspar, Spar und Hofer zeigen dagegen, dass Handelsketten Verantwortung übernehmen können – Penny bleibt deutlich zurück.
Die zentrale Frage ist, ob Handel und Hersteller auf die steigende Nachfrage reagieren und das Angebot ausbauen. Verbraucherinnen und Verbraucher können durch Nachfrage, bewusste Kaufentscheidungen und direkte Rückmeldungen an Anbieter Einfluss nehmen. Politik und Wirtschaft sind gefordert, Rahmenbedingungen für einen leichteren Umstieg auf Bio- und gentechnikfreie Lieferketten zu schaffen. Bleibt die Antwort aus, droht ein dauerhafter Zielkonflikt zwischen ökologischem Anspruch und realer Verfügbarkeit im Supermarkt.
Weiterführende Berichte auf pressefeuer.at: Bio-Lebensmittel: Nachfrage und Angebot in Österreich, Supermarkt-Analysen: Sortimentspolitik im Fokus, Unilever in Österreich: Marktanteile und Verantwortung. Für detaillierte Daten und Bildmaterial verweisen wir auf Greenpeace (siehe Links oben). Welche Rolle sollten Supermärkte Ihrer Meinung nach beim Ausbau von Bio-Eis übernehmen? Nutzen Sie die Kommentar- und Kontaktmöglichkeiten der Anbieter, um Ihre Stimme deutlich zu machen.