Krems, Landeck, Ober-Grafendorf und Altenmarkt gewinnen für innovative Mobilitätskonzepte
Der Österreichische Mobilitätswochenpreis 2025 geht an vier Gemeinden, die das Motto "Mobilität für alle" kreativ umsetzten.
Die Europäische Mobilitätswoche 2025 hat ihre Gewinner gekürt: Vier österreichische Gemeinden und Organisationen haben den begehrten Österreichischen Mobilitätswochenpreis erhalten. Krems, Landeck, Ober-Grafendorf und die Sportmittelschule Altenmarkt überzeugten die Jury mit ihren innovativen Ansätzen zur nachhaltigen Mobilität.
Das diesjährige Motto der Europäischen Mobilitätswoche lautete "Mobilität für alle" – ein Auftrag, den die vier Preisträger mit beeindruckender Kreativität und regionalem Engagement in die Praxis umsetzten. "Diese vier Preisträger zeigen eindrucksvoll, was es bedeutet, Mobilitätsbedürfnisse ernst zu nehmen und nachhaltige Mobilität für alle aktiv voranzutreiben", erklärt das Organisationsteam der EMW Österreich.
Die Auszeichnung unterstreicht die wachsende Bedeutung nachhaltiger Verkehrskonzepte in österreichischen Gemeinden. Dabei ging es nicht nur um einzelne Maßnahmen, sondern um ganzheitliche Ansätze, die verschiedene Bevölkerungsgruppen einbeziehen und langfristige Wirkung entfalten.
In der Kategorie "Gemeinden über 10.000 Einwohner" ging der Sieg an Krems an der Donau. Die Stadt überzeugte mit einem gemeinschaftlich geplanten Programm, das in Kooperation mit den Nachbargemeinden Mautern, Furth und Rohrendorf entwickelt wurde. Diese interkommunale Zusammenarbeit stellte einen neuen Maßstab für die Mobilitätswoche dar.
"Was diese Mobilitätswoche besonders gemacht hat, war die Dynamik der Zusammenarbeit. Viele engagierte Menschen haben – großteils ehrenamlich – gemeinsam geplant und umgesetzt, über Gemeinde- und Institutionsgrenzen hinweg", erklärt Ronny Weßling, Fuß- und Radverkehrsbeauftragter der Stadt Krems.
Das vielfältige Programm reichte vom gemeinsamen Auftakt der Bürgermeister zur Präsentation einer neuen Radkarte über Street-Art-Projekte und "GEHspräche" bis hin zu Kinderaktionen wie der Kidical Mass. Mit über 500 Teilnehmern bewies die Region eindrucksvoll, dass klimafreundliche Mobilität Menschen verbindet und regionale Grenzen überwinden kann.
Die Kremser Initiative zeigt beispielhaft, wie durch interkommunale Zusammenarbeit Ressourcen gebündelt und Synergien geschaffen werden können. Der Ansatz, Mobilitätsmaßnahmen gemeinsam zu planen und durchzuführen, könnte als Modell für andere österreichische Regionen dienen.
Bei den Gemeinden unter 10.000 Einwohnern setzte sich Landeck durch. Die Tiroler Gemeinde überzeugte mit einem umfassenden Programm, das Menschen aller Generationen und Lebensbereiche ansprach. Besonders hervorzuheben ist der Fokus auf dauerhafte Verbesserungen, die über die Mobilitätswoche hinauswirken.
"Der sichere Schulweg für Kinder hat für mich höchste Priorität. Straßen sind nicht nur Verkehrswege, sondern Teil unseres öffentlichen Lebensraums", betont Bürgermeister Herbert Mayer. Das Spektrum der Maßnahmen reichte vom autofreien Tag mit Kinderfahrradparcours bis hin zu gezielten Schulwegmaßnahmen, die dauerhaft implementiert wurden.
"Diese Auszeichnung ist ein Erfolg für die Landecker – für bessere Mobilität, mehr Lebensqualität und eine nachhaltige Stadtentwicklung", ergänzt Johannes Schönherr, Obmann des Klima-, Umwelt- und Agrarausschusses. Die Gemeinde zeigt damit, wie Mobilitätswochen als Katalysator für langfristige Veränderungen wirken können.
Ein besonderer Fokus lag auf der Verbesserung der Schulwegsicherheit. Durch gezielte Maßnahmen wie temporäre Schulstraßen und Aufklärkungsaktionen konnte das Bewusstsein für die Bedürfnisse von Kindern im Straßenverkehr geschärft werden. Diese Ansätze haben in Landeck bereits zu dauerhaften Veränderungen geführt.
Den Preis für die innovativste Aktion erhielt die Klima- und Energiemodellregion "KEM Fit für 2050" mit ihrer kreativen Videokampagne aus Ober-Grafendorf. Die "Radlhödn und Radlhödinnen" – vier Alltagsradler aus Ober-Grafendorf und Weinburg – zeigten in authentischen Videos, wie viel Freude nachhaltige Mobilität bereiten kann.
"Unsere Radlhödn zeigen eindrucksvoll, wie einfach und wirkungsvoll Alltagsradeln sein kann: gut für die eigene Gesundheit, gut fürs Klima und mit jeder Menge Fahrspaß", erklärt KEM-Managerin Sonja Kadanka. Der Ansatz, lokale Vorbilder zu schaffen und deren Geschichten zu erzählen, erwies sich als besonders wirkungsvoll.
"Mir ist es wichtig zu zeigen, dass nachhaltige Mobilität nicht nur sinnvoll ist, sondern auch richtig Spaß machen kann", betont Gemeinderat David Lilek. Die Kampagne machte aus gewöhnlichen Radfahrern lokale Helden und schuf damit eine emotionale Verbindung zur nachhaltigen Mobilität.
Der Erfolg der Kampagne liegt in ihrer Authentizität begründet. Anstatt auf professionelle Schauspieler zu setzen, präsentierten echte Alltagsradler ihre persönlichen Geschichten und Motivationen. Diese Herangehensweise schaffte Vertrauen und Identifikation bei der Zielgruppe.
In der Kategorie "Bildungseinrichtungen" siegte die Sportmittelschule Altenmarkt mit ihrem Projekt "GEHmeinsam mobil". Das besondere an diesem Projekt war die Einbindung der gesamten Gemeinde – 645 Personen beteiligten sich aktiv an der Mobilitätswoche.
"Ein respektvolles Miteinander im Straßenverkehr trägt zu maximaler Sicherheit ALLER Verkehrsteilnehmenden bei. Durch gemeinsame Aktionen und der Begeisterung unserer Schüler ist es uns gelungen ins Bewusstsein zu rufen, wie wichtig das WIR-GEFÜHL auch im Verkehr ist", so Direktorin Patricia Stadler.
Das Programm umfasste Projekttage, ein Fahrradkino und bewusstseinsbildende Aktionen. Schüler der Volksschule und Mittelschule lernten gemeinsam, wie Nachhaltigkeit und Mobilität zusammengedacht werden können. Dieser ganzheitliche Bildungsansatz zeigt, wie früh das Bewusstsein für nachhaltige Mobilität geschaffen werden kann.
Besonders bemerkenswert war die Einbindung verschiedener Altersgruppen. Volksschüler und Mittelschüler arbeiteten gemeinsam an Projekten, wodurch ein generationenübergreifender Wissenstransfer ermöglicht wurde. Dieser Ansatz stärkt nicht nur das Gemeinschaftsgefühl, sondern multipliziert auch die Wirkung der Bildungsarbeit.
Die vier Preisträger repräsentieren unterschiedliche Ansätze zur Förderung nachhaltiger Mobilität: regionale Kooperation, dauerhafte Infrastrukturverbesserungen, innovative Kommunikation und umfassende Bildungsarbeit. Diese Vielfalt zeigt, dass es nicht den einen richtigen Weg gibt, sondern dass verschiedene Strategien je nach lokalen Gegebenheiten erfolgreich sein können.
Die Europäische Mobilitätswoche hat sich in Österreich als wichtiges Instrument zur Bewusstseinsbildung etabliert. Sie bietet Gemeinden und Organisationen eine Plattform, um neue Ideen zu testen und die Bevölkerung für nachhaltige Mobilität zu sensibilisieren.
Die prämierten Projekte können als Inspiration für andere österreichische Gemeinden dienen. Sie zeigen konkrete Wege auf, wie nachhaltige Mobilität inklusiv, kreativ und praxisnah gestaltet werden kann. Besonders die interkommunale Zusammenarbeit und die Einbindung verschiedener Zielgruppen haben sich als erfolgversprechende Ansätze erwiesen.
Die Auszeichnung der vier Projekte unterstreicht den wachsenden Stellenwert nachhaltiger Mobilität in österreichischen Gemeinden. Das Organisationsteam der EMW Österreich betont: "Auch wenn es nur vier Sieger gibt, haben alle im Rahmen der EMW umgesetzten Initiativen dazu beigetragen, nachhaltige Mobilität sichtbarer und erlebbarer zu machen."
Diese Entwicklung zeigt, dass die Mobilitätswende in Österreich nicht nur auf politischer Ebene, sondern auch an der Basis vorangetrieben wird. Gemeinden, Schulen und regionale Organisationen übernehmen dabei eine wichtige Rolle als Vorreiter und Multiplikatoren.
Der Erfolg der diesjährigen Preisträger macht deutlich, dass nachhaltige Mobilität dann am besten funktioniert, wenn sie als gemeinschaftliche Aufgabe verstanden wird, die alle Bevölkerungsgruppen einbezieht und dabei sowohl auf kurzfristige Aktionen als auch auf langfristige Strukturveränderungen setzt.