Am gestrigen Abend, dem 15. Dezember 2025, erlebte Wien eine besondere Ehrung im Presseclub Concordia. Die Verleihung des Journalismuspreises „von unten“ feierte ihre 16. Ausgabe und setzte erneut ein Zeichen für respektvolle und tiefgründige Armutsberichterstattung. Diese Auszeichnung, die von der
Am gestrigen Abend, dem 15. Dezember 2025, erlebte Wien eine besondere Ehrung im Presseclub Concordia. Die Verleihung des Journalismuspreises „von unten“ feierte ihre 16. Ausgabe und setzte erneut ein Zeichen für respektvolle und tiefgründige Armutsberichterstattung. Diese Auszeichnung, die von der Armutskonferenz seit 2010 ausgeschrieben wird, würdigt journalistische Arbeiten, die von Menschen mit Armutserfahrungen bewertet werden. Der Preis ist nicht nur in Österreich, sondern auch in vielen anderen europäischen Ländern wie Polen und Portugal etabliert.
Der Journalismuspreis „von unten“ zeichnet sich durch seine einzigartige Jury aus, die ausschließlich aus Personen mit direkter Armutserfahrung besteht. Diese Perspektive verleiht dem Preis eine besondere Authentizität und Relevanz. Die Preisträger empfinden die Auszeichnung als besondere Ehre, da sie von Menschen kommt, die die Thematik aus erster Hand kennen. Diese Anerkennung ist ein starkes Signal für die journalistische Arbeit, die über oberflächliche Berichterstattung hinausgeht und sich intensiv mit den Ursachen und Auswirkungen von Armut auseinandersetzt.
Seit seiner Einführung im Jahr 2010 hat sich der Journalismuspreis „von unten“ kontinuierlich weiterentwickelt. Ursprünglich in Österreich initiiert, hat er schnell internationale Aufmerksamkeit erlangt. Länder wie Polen, Portugal und andere europäische Nationen haben das Konzept übernommen und eigene Varianten des Preises ins Leben gerufen. Diese Entwicklung zeigt nicht nur die Relevanz des Themas, sondern auch das wachsende Bewusstsein für die Notwendigkeit einer differenzierten Berichterstattung über Armut und soziale Ungerechtigkeiten.
Im Vergleich zu Deutschland und der Schweiz, wo ähnliche Initiativen existieren, nimmt Österreich eine Vorreiterrolle ein. Während Deutschland mit dem „Grimme-Preis“ und die Schweiz mit dem „Swiss Press Award“ ebenfalls bedeutende journalistische Auszeichnungen haben, fokussiert sich der Journalismuspreis „von unten“ explizit auf die Perspektive der von Armut Betroffenen. Diese einzigartige Ausrichtung hebt den österreichischen Preis von anderen ab und betont die Wichtigkeit von Inklusion und direkter Betroffenenbeteiligung in der Medienlandschaft.
Die prämierten Beiträge des Jahres 2025 verdeutlichen die Bandbreite der Themen, die in der Berichterstattung über Armut behandelt werden. Veronika Maulers Beitrag „Alt, arm, weiblich – wenn die Pension nicht reicht“ zeigt eindrucksvoll, wie ältere Frauen in Österreich mit finanziellen Schwierigkeiten kämpfen. Diese Thematik ist besonders relevant, da die demografische Entwicklung in Österreich zu einer zunehmenden Alterung der Gesellschaft führt. Der Beitrag von Marina Wetzlmaier über Alleinerziehende beleuchtet die Herausforderungen, denen Ein-Eltern-Familien gegenüberstehen, und regt zur Diskussion über notwendige politische Maßnahmen an.
Statistiken zeigen, dass in Österreich etwa 14% der Bevölkerung von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht sind. Besonders betroffen sind Alleinerziehende, ältere Frauen und Menschen mit Migrationshintergrund. Diese Zahlen unterstreichen die Notwendigkeit einer fundierten Berichterstattung, die nicht nur auf die Symptome, sondern auch auf die Ursachen von Armut eingeht. Der Journalismuspreis „von unten“ trägt dazu bei, diese Themen in den Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit zu rücken.
Experten betonen, dass die Berichterstattung über Armut nicht nur auf die Darstellung von Einzelschicksalen beschränkt bleiben darf. Vielmehr ist es wichtig, die strukturellen Ursachen zu beleuchten und Lösungsansätze zu diskutieren. Die Zukunft der Armutsberichterstattung in Österreich könnte verstärkt auf interaktive Formate und multimediale Ansätze setzen, um ein breiteres Publikum zu erreichen und eine tiefere Auseinandersetzung mit dem Thema zu fördern. Die Ausweitung des Preises auf weitere europäische Länder zeigt das Potenzial, das in dieser Form der Berichterstattung steckt.
Der Journalismuspreis „von unten“ ist mehr als nur eine Auszeichnung. Er ist ein Appell an die Medienwelt, sich intensiver mit den Themen Armut und soziale Gerechtigkeit auseinanderzusetzen. Die ausgezeichneten Beiträge des Jahres 2025 sind Beispiele für die Kraft des Journalismus, gesellschaftliche Veränderungen anzustoßen. In einer Zeit, in der soziale Ungleichheiten zunehmen, ist es wichtiger denn je, dass Journalisten ihre Plattform nutzen, um auf Missstände hinzuweisen und Lösungsansätze zu fördern. Weitere Informationen zu den ausgezeichneten Beiträgen und zur Armutskonferenz finden Sie auf der offiziellen Website.