YouGov-Studie zeigt: Unerwartete Ausgaben bringen viele Österreicher in finanzielle Bedrängnis
Eine aktuelle Umfrage enthüllt, wie verwundbar Österreichs Haushalte bei ungeplanten Kosten sind – und welche Strategien sie zur Bewältigung nutzen.
Eine kaputte Waschmaschine, eine unerwartete Autoreparatur oder plötzlich anfallende Gesundheitskosten: Ungeplante Ausgaben gehören für viele Menschen zum Alltag. Doch wie gut sind österreichische Haushalte tatsächlich auf solche finanziellen Überraschungen vorbereitet? Eine neue repräsentative Studie zeichnet ein ernüchterndes Bild der finanziellen Widerstandsfähigkeit im Land.
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Laut einer aktuellen YouGov-Umfrage im Auftrag der TeamBank sind 24 Prozent der österreichischen Verbraucherinnen und Verbraucher regelmäßig mit unerwarteten Ausgaben konfrontiert. Mehr als die Hälfte aller Befragten gibt an, zumindest gelegentlich mit solchen ungeplanten Kosten umgehen zu müssen. Was auf den ersten Blick nach einer bewältigbaren Situation klingt, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als ernstes Problem für einen beträchtlichen Teil der Bevölkerung.
Besonders alarmierend: Knapp ein Drittel der befragten Personen wäre nicht in der Lage, eine spontane Rechnung über 1.000 Euro vom eigenen Girokonto zu begleichen. Das bedeutet, dass rund 33 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher bei einer vergleichsweise überschaubaren Summe bereits an ihre finanziellen Grenzen stoßen würden. Ein defekter Kühlschrank, eine dringende Zahnbehandlung oder eine unvorhergesehene Nachzahlung können für diese Menschen schnell zu einer existenziellen Herausforderung werden.
Die Studie offenbart auch deutliche Unterschiede zwischen den Altersgruppen, wenn es um Bewältigungsstrategien geht. Während die Mehrheit der Befragten zunächst pragmatisch reagiert und Ausgaben in anderen Bereichen kürzt, zeigen sich bei den konkreten Lösungsansätzen klare generationenspezifische Muster.
Jüngere Menschen unter 30 Jahren greifen häufiger zu kurzfristigen Maßnahmen wie dem Leihen von Geld bei Familie oder Freunden. Auch die Aufnahme von Nebenjobs, um schnell zusätzliches Einkommen zu generieren, ist in dieser Altersgruppe verbreiteter. Diese Flexibilität erklärt sich teilweise durch die Lebenssituation: Viele junge Erwachsene haben noch keine größeren finanziellen Rücklagen aufbauen können, verfügen aber über die Zeit und Energie für zusätzliche Arbeit.
Anders sieht es bei den über 50-Jährigen aus: Mehr als die Hälfte dieser Altersgruppe kann bei unerwarteten Ausgaben auf Erspartes zurückgreifen. Jahrzehntelange Berufstätigkeit und ein meist etablierterer Lebensstil haben vielen in dieser Generation ermöglicht, ein finanzielles Polster aufzubauen. Dennoch bedeutet auch hier ein Griff in die Ersparnisse oft einen Einschnitt in die Altersvorsorge oder andere langfristige Finanzpläne.
Die Umfrage untersuchte auch, welche Faktoren für Österreicherinnen und Österreicher bei der Wahl einer Finanzierungslösung besonders wichtig sind. Das Ergebnis ist eindeutig: Flexibilität steht an oberster Stelle. Knapp die Hälfte der befragten Personen gibt an, dass die Möglichkeit, Raten oder Laufzeiten jederzeit ändern zu können, das entscheidende Kriterium darstellt.
Diese Präferenz spiegelt die Lebensrealität vieler Menschen wider. In einer Zeit, in der sich berufliche und private Umstände schnell ändern können – sei es durch Jobwechsel, Familienzuwachs oder unvorhergesehene Lebensereignisse – wollen Verbraucher auch bei Finanzierungen nicht in starre Strukturen gezwungen werden. Die klassische Kreditvereinbarung mit festen monatlichen Raten über Jahre hinweg entspricht immer weniger den Bedürfnissen moderner Haushalte.
Neben der Flexibilität nennen die Befragten zwei weitere zentrale Faktoren: eine einfache und unkomplizierte Beantragung sowie die Möglichkeit zum persönlichen Kontakt mit Beraterinnen und Beratern. Interessanterweise zeigt sich hier erneut ein Generationenunterschied. Jüngere Verbraucher bevorzugen verstärkt digitale Abwicklungswege – sei es über Online-Plattformen oder Apps. Die ältere Generation schätzt hingegen nach wie vor das persönliche Gespräch und die individuelle Beratung.
Die Studienergebnisse werfen ein Schlaglicht auf ein breiteres gesellschaftliches Thema: die finanzielle Widerstandsfähigkeit der Bevölkerung. Wenn ein Drittel der Menschen bereits bei einer vergleichsweise moderaten unerwarteten Ausgabe in Schwierigkeiten gerät, stellt sich die Frage nach den Ursachen und möglichen Gegenmaßnahmen.
Mehrere Faktoren spielen dabei zusammen: Steigende Lebenshaltungskosten, insbesondere bei Mieten und Energie, haben den finanziellen Spielraum vieler Haushalte in den vergangenen Jahren deutlich eingeschränkt. Gleichzeitig haben wirtschaftliche Unsicherheiten und Inflation dazu geführt, dass das Aufbauen von Rücklagen für viele Menschen zur Herausforderung geworden ist. Hinzu kommt, dass finanzielle Bildung in Österreich wie in vielen anderen Ländern nicht systematisch vermittelt wird.
Experten betonen seit langem die Bedeutung eines finanziellen Notpolsters. Die Faustregel, mindestens drei bis sechs Monatsgehälter für unvorhergesehene Ausgaben zurückzulegen, ist den meisten Menschen bekannt. Doch zwischen Wissen und Umsetzung klafft oft eine große Lücke – nicht aus mangelnder Einsicht, sondern schlicht aus mangelnden finanziellen Möglichkeiten.
"Unerwartete Ausgaben treffen Verbraucherinnen und Verbraucher meistens im ungünstigsten Augenblick", kommentiert Nicole Schulte, Leiterin Kundenreise bei der TeamBank. Die Expertin betont, dass Finanzierungsangebote dann eine echte Unterstützung sein können, wenn sie verantwortungsvoll gestaltet und auf die individuelle Kundensituation abgestimmt sind.
Ein zentrales Element moderner Finanzierungskonzepte ist der sogenannte Verfügungsrahmen. Anders als bei klassischen Krediten, bei denen eine feste Summe aufgenommen wird, bietet ein solcher Rahmen Flexibilität: Das Geld steht bei Bedarf zur Verfügung, Zinsen fallen jedoch nur an, wenn tatsächlich eine Auszahlung erfolgt. Für viele Verbraucher kann dies eine sinnvolle Alternative zum ständigen Wiederbeantragen einzelner Kredite darstellen.
Auch die Möglichkeit zur Sofortüberweisung gewinnt an Bedeutung. Wenn die Waschmaschine defekt ist oder das Auto dringend repariert werden muss, ist Zeit oft ein kritischer Faktor. Wer tagelang auf eine Kreditzusage warten muss, steht vor einem zusätzlichen Problem. Moderne Finanzdienstleister haben diese Notwendigkeit erkannt und bieten entsprechend schnelle Prozesse an.
Bei aller Flexibilität und Schnelligkeit bleibt die Frage nach dem verantwortungsvollen Umgang mit Finanzierungen zentral. Experten warnen davor, Kredite als Dauerlösung für strukturelle finanzielle Probleme zu betrachten. Ein Kredit zur Überbrückung eines echten Engpasses ist eine Sache – das Aufnehmen von Schulden, um einen nicht nachhaltigen Lebensstil zu finanzieren, eine ganz andere.
Die Möglichkeit zu kostenlosen Sondertilgungen, wie sie mittlerweile viele Anbieter ermöglichen, kann dabei helfen, Schulden schneller abzubauen, wenn sich die finanzielle Situation verbessert. Auch die regelmäßige Überprüfung und Anpassung von Raten an die aktuelle Lebenssituation ist ein wichtiger Aspekt verantwortungsvollen Schuldenmanagements.
Die Studienergebnisse unterstreichen einmal mehr die Bedeutung finanzieller Bildung. Nur wer die Grundprinzipien von Budgetierung, Rücklagenbildung und vernünftigem Schuldenmanagement versteht, kann informierte Entscheidungen treffen. Hier sind nicht nur Schulen und Bildungseinrichtungen gefragt, sondern auch Arbeitgeber, Finanzinstitute und die Politik.
Für die unmittelbare Zukunft zeigen die Daten jedoch vor allem eines: Ein erheblicher Teil der österreichischen Bevölkerung lebt finanziell auf Kante. Jede unerwartete Ausgabe kann zum Problem werden. Diese Erkenntnis sollte Anlass sein, sowohl auf individueller als auch auf gesellschaftlicher Ebene über mehr finanzielle Resilienz nachzudenken.
Die repräsentative Online-Umfrage wurde im September 2025 vom Marktforschungsinstitut YouGov durchgeführt. Befragt wurden 1.412 Personen im Alter zwischen 18 und 79 Jahren in Österreich.