GPA lehnt Arbeitgeber-Angebot ab - Betriebsräte beraten über weitere Schritte
Nach sechs erfolglosen Verhandlungsrunden im IT-Kollektivvertrag drohen Kampfmaßnahmen. Die GPA fordert 3,5% mehr Gehalt.
Die Verhandlungen um den Kollektivvertrag für die IT-Branche sind nach der sechsten Verhandlungsrunde erneut gescheitert. Trotz eines erstmaligen Angebots der Arbeitgeber zur Erhöhung der IST-Gehaltssumme konnte keine Einigung erzielt werden. Die Gewerkschaft GPA kritisiert das Angebot als unzureichend und berät nun mit den Betriebsratsvorsitzenden über mögliche Kampfmaßnahmen.
Erstmals nach fünf erfolglosen Verhandlungsrunden legten die Arbeitgeber ein konkretes Angebot vor. Die Mindestgehälter sollen demnach um 2,5% erhöht werden, für die IST-Gehaltssumme wurde eine Steigerung von 2,0% geboten. Diese Offerte stellt zwar einen ersten Schritt dar, bleibt aber deutlich hinter den Erwartungen der Gewerkschaft zurück.
"Dass nach fünf Verhandlungsrunden erstmals ein Angebot zur Erhöhung der IST-Gehaltssumme vorgelegt wurde, ist ein erster Schritt in die richtige Richtung, aber wir sind immer noch weit von einem fairen Abschluss entfernt", kritisiert Sandra Steiner, Verhandlungsleiterin der Gewerkschaft GPA.
Die Gewerkschaft hat ihre ursprüngliche Forderung bereits nach unten korrigiert und verlangt nun für sowohl Mindest- als auch IST-Gehälter eine Erhöhung um 3,5%. Diese Anpassung zeige die Kompromissbereitschaft der Arbeitnehmervertreter, so Steiner. Gleichzeitig habe man "zahlreiche Lösungsvorschläge geliefert, um ernsthafte und rasche Verhandlungen zu ermöglichen".
Die Gewerkschafterin wirft den Arbeitgebern vor, diese Chance nicht zu nutzen: "Statt diese Chance zu nützen und sich endlich an den realen Rahmenbedingungen der Branche zu orientieren, setzen die Arbeitgeber weiterhin auf Minimalangebote und unbegründete Unsicherheit für Beschäftigte wie Unternehmen."
Aufgrund der festgefahrenen Verhandlungssituation will die GPA nun die Betriebsratsvorsitzenden der IT-Branche über den aktuellen Stand informieren und gemeinsam die weitere Vorgangsweise klären. "Wir werden die Kolleginnen und Kollegen über den aktuellen Verhandlungsstand informieren und gemeinsam die weitere Vorgangsweise klären", kündigte Steiner an.
Die Gewerkschafterin ließ dabei durchblicken, dass auch Kampfmaßnahmen nicht ausgeschlossen sind: "Wir werden alle Möglichkeiten ausloten", betonte sie in Bezug auf Lösungen, aber auch auf mögliche Arbeitskampfmaßnahmen. "Fest steht, dass wir bereit sind, für einen fairen Abschluss zu kämpfen!"
Die IT-Branche gehört zu den wichtigsten Wirtschaftszweigen in Österreich und verzeichnet seit Jahren kontinuierliches Wachstum. Gleichzeitig herrscht in vielen Bereichen Fachkräftemangel, was die Verhandlungsposition der Beschäftigten grundsätzlich stärkt. Die aktuellen Verhandlungen zeigen jedoch, dass sich dies nicht automatisch in entsprechenden Lohnabschlüssen niederschlägt.
Die Inflation und gestiegenen Lebenshaltungskosten setzen die Beschäftigten zusätzlich unter Druck. Eine Gehaltssteigerung von nur 2,0 bis 2,5% würde in der aktuellen wirtschaftlichen Situation einen realen Kaufkraftverlust bedeuten, argumentiert die Gewerkschaft.
Die stockenden Verhandlungen sorgen nicht nur bei den Beschäftigten für Unsicherheit, sondern belasten auch die Planungssicherheit der Unternehmen. Sollte es zu Arbeitskampfmaßnahmen kommen, könnte dies erhebliche Auswirkungen auf die gesamte IT-Landschaft in Österreich haben.
Viele IT-Unternehmen sind bereits jetzt mit dem Fachkräftemangel konfrontiert und müssen sich in einem umkämpften Arbeitsmarkt um qualifizierte Mitarbeiter bemühen. Ein attraktiver Kollektivvertrag könnte ein wichtiger Baustein sein, um Fachkräfte zu gewinnen und zu halten.
Wann die Verhandlungen fortgesetzt werden, ist derzeit noch unklar. Die GPA will zunächst das Gespräch mit den Betriebsratsvorsitzenden der Branche führen, bevor über das weitere Vorgehen entschieden wird. Sollten die Arbeitgeber nicht zu substanziellen Verbesserungen ihres Angebots bereit sein, sind Streiks oder andere Kampfmaßnahmen nicht ausgeschlossen.
Die IT-Branche wäre damit nach anderen Sektoren ein weiterer Bereich, in dem es zu Arbeitskämpfen kommen könnte. Dies würde die ohnehin angespannte Situation am österreichischen Arbeitsmarkt zusätzlich verschärfen und könnte Auswirkungen auf die Digitalisierungsstrategie des Landes haben.
Für die Beschäftigten der IT-Branche bleibt die Situation vorerst ungewiss. Sie hoffen auf eine baldige Lösung des Konflikts, die ihren berechtigten Forderungen nach einer angemessenen Lohnentwicklung Rechnung trägt.