Die Art, wie Österreicherinnen und Österreicher nach ihrer Traumimmobilie suchen, hat sich in den vergangenen Jahren grundlegend gewandelt. Eine aktuelle repräsentative Studie des Marktforschungsin...
Die Art, wie Österreicherinnen und Österreicher nach ihrer Traumimmobilie suchen, hat sich in den vergangenen Jahren grundlegend gewandelt. Eine aktuelle repräsentative Studie des Marktforschungsinstituts TQS im Auftrag von s REAL Immobilien zeigt deutlich: Zwei Drittel der Suchenden setzen mittlerweile auf digitale Immobilienportale und Makler-Websites, während das persönliche Umfeld weiterhin eine wichtige Rolle spielt. Die Ergebnisse offenbaren jedoch auch überraschende Schwächen bei modernen Suchkanälen wie Social Media.
Mit 66 Prozent führen Immobilienportale und Websites von Maklerunternehmen klar das Ranking der beliebtesten Suchkanäle an. Diese Plattformen haben sich zu den digitalen Schaufenstern der Branche entwickelt und bieten Suchenden umfassende Filtermöglichkeiten nach Preis, Größe, Lage und Ausstattung. Überraschend ist jedoch, dass nur 24 Prozent der Nutzer dort auch ein Suchprofil oder einen Suchagenten einrichten – ein deutliches Zeichen dafür, dass viele Österreicher ihre Immobiliensuche aktiv selbst steuern möchten.
Diese Entwicklung spiegelt den generellen Trend zur Digitalisierung wider, der durch die Corona-Pandemie zusätzlich beschleunigt wurde. Immobilienportale wie willhaben.at, immobilienscout24.at oder immowelt.at haben ihre Marktposition in den vergangenen Jahren kontinuierlich ausgebaut und bieten heute nicht nur reine Inseratesuche, sondern auch virtuelle Besichtigungen, Finanzierungsrechner und umfassende Marktanalysen.
Suchmaschinen folgen mit 29 Prozent auf Platz zwei der digitalen Suchkanäle. Google, Bing und andere Suchmaschinen fungieren oft als erste Anlaufstelle, bevor Interessenten auf spezialisierte Immobilienportale wechseln. Hierbei spielt die Suchmaschinenoptimierung von Immobilienanbietern eine entscheidende Rolle – wer bei relevanten Suchbegriffen wie "Wohnung Wien" oder "Haus Salzburg" nicht auf der ersten Seite erscheint, verliert potenzielle Kunden.
Trotz der Digitalisierung verlässt sich mehr als jeder dritte Österreicher (37 Prozent) auf sein persönliches Umfeld. Familie, Freunde und Bekannte fungieren weiterhin als wichtige Informationsquelle und Vermittler bei der Immobiliensuche. Diese Zahlen unterstreichen die Bedeutung von Vertrauen und persönlichen Empfehlungen in einem Markt, in dem es oft um die größte Investition des Lebens geht.
Der Immobilienmarkt funktioniert in Österreich traditionell stark über persönliche Netzwerke. Besonders in kleineren Gemeinden und ländlichen Gebieten werden viele Immobilien noch immer "unter der Hand" verkauft, bevor sie überhaupt öffentlich inseriert werden. Diese Praxis führt dazu, dass gut vernetzte Personen oft bessere Chancen auf attraktive Objekte haben.
Überraschend stabil zeigen sich traditionelle Suchkanäle: 22 Prozent der Befragten schauen noch immer in Schaufenster von Maklerbüros, 21 Prozent wenden sich direkt an Bauträger und Projektentwickler, und immerhin 17 Prozent nutzen Printmedien wie Zeitungen und Immobilienbeilagen. Diese Zahlen belegen, dass der österreichische Immobilienmarkt nach wie vor stark regional geprägt ist und lokale Anbieter eine wichtige Rolle spielen.
Während 15 Prozent der Österreicher Social Media für ihre Immobiliensuche nutzen – davon zwölf Prozent Facebook, vier Prozent Instagram und zwei Prozent TikTok – warnt Martina Hirsch, Geschäftsführerin von s REAL, vor den Risiken dieser Kanäle. "Wir sehen jedoch leider, dass Inserate von Privatpersonen auf Social Media häufig unvollständig sind und die verpflichtenden Angaben fehlen", erklärt die Expertin.
Das Problem liegt in der rechtlichen Grauzone: Während professionelle Immobilienanbieter zur Angabe bestimmter Informationen wie Energieausweis, Gesamtkosten und rechtliche Details verpflichtet sind, fallen diese Anforderungen bei privaten Social-Media-Posts oft unter den Tisch. Käufer riskieren dadurch böse Überraschungen bei Besichtigungen oder sogar rechtliche Probleme nach dem Kauf.
ChatGPT und andere KI-Tools werden aktuell nur von fünf Prozent der Immobiliensuchenden genutzt. Diese geringe Verbreitung liegt unter anderem daran, dass aktuelle KI-Systeme keinen direkten Zugang zu aktuellen Immobilieninseraten haben und oft veraltete oder ungenaue Informationen liefern. Dennoch sehen Experten hier großes Potenzial für die Zukunft, insbesondere bei der Vorfilterung von Suchergebnissen und der Beratung zu Finanzierungsmöglichkeiten.
Die Studie offenbart deutliche Unterschiede zwischen den Altersgruppen: Während die Nutzung von Immobilienportalen, persönlichen Kontakten und Printmedien altersübergreifend ähnlich ist, zeigen sich bei Social Media und KI-Tools klare Generationentrends. Menschen zwischen 18 und 29 Jahren greifen deutlich häufiger auf diese modernen Kanäle zurück als ältere Semester.
Diese Entwicklung hat weitreichende Konsequenzen für die Immobilienbranche: "Wenn in rund zehn Jahren die nächste Generation an Käufern und Verkäufern in den Markt eintritt, wird sich auch die Rolle der Makler verändern", prognostiziert Anton Holzapfel, Geschäftsführer des Österreichischen Verbands der Immobilienwirtschaft (ÖVI). "Sicherheit in Beratung und bei der Entscheidungsfindung zu geben, wird dann noch relevanter."
Um diesen Herausforderungen zu begegnen, setzt die Immobilienbranche verstärkt auf Weiterbildung und Professionalisierung. Der ÖVI bietet umfangreiche Schulungsprogramme zu aktuellen Themen wie Digitalisierung, agentische KI, Geldwäscheprävention und ESG-Anforderungen an. Diese Entwicklung ist notwendig, da sich die Anforderungen an Immobilienprofis kontinuierlich erweitern.
"Nicht nur, dass Makler über die rechtlichen Vorgaben Bescheid wissen müssen – sie müssen auch auf das Nutzungsverhalten der Kunden vorbereitet sein", erklärt Holzapfel. Die Branche steht vor der Herausforderung, traditionelle Beratungskompetenz mit digitaler Expertise zu verbinden und dabei höchste Qualitätsstandards zu gewährleisten.
Besonders wichtig ist die Ausbildung des Branchennachwuchses. "Neu-Makler sollen Fachwissen und praktische Erfahrung sammeln, aber auch Teil unseres Netzwerks werden", betont Martina Hirsch von s REAL. "Durch laufenden Austausch und Zusammenarbeit stellen wir die stetige Weiterentwicklung unserer Branche sicher."
Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern zeigt Österreich ein ausgewogenes Suchverhalten. Während in Großbritannien oder den Niederlanden Online-Portale noch dominanter sind (über 80 Prozent), spielt in Deutschland das persönliche Umfeld eine ähnlich wichtige Rolle wie in Österreich. In der Schweiz hingegen haben traditionelle Kanäle wie Zeitungsinserate noch einen höheren Stellenwert.
Diese Unterschiede spiegeln kulturelle Besonderheiten und die unterschiedliche Marktstruktur wider. Der österreichische Immobilienmarkt ist traditionell stark regional geprägt, was die Bedeutung lokaler Netzwerke und persönlicher Kontakte erklärt.
Die Entwicklung der Immobiliensuche wird in den kommenden Jahren von mehreren Trends geprägt sein: Virtual Reality und Augmented Reality werden Besichtigungen revolutionieren, KI-gestützte Empfehlungssysteme werden präziser, und die Integration verschiedener Datenquellen wird umfassendere Marktanalysen ermöglichen.
Gleichzeitig werden regulatorische Anforderungen steigen. Die EU-Taxonomie für nachhaltige Investitionen, verschärfte Energieeffizienz-Standards und neue Transparenzpflichten werden die Branche weiter professionalisieren. Immobilienprofis müssen sich auf eine Zukunft einstellen, in der technische Kompetenz und persönliche Beratungsqualität gleichermaßen gefragt sind.
Die aktuelle Studie zeigt deutlich: Der österreichische Immobilienmarkt befindet sich in einem Wandel, der sowohl Chancen als auch Herausforderungen birgt. Während digitale Kanäle an Bedeutung gewinnen, bleiben persönliche Kontakte und professionelle Beratung unverzichtbar. Für Immobiliensuchende bedeutet dies eine größere Auswahl an Informationsquellen – aber auch die Notwendigkeit, diese kritisch zu bewerten und auf seriöse Anbieter zu setzen.