Wirtschaftsminister betont Bedeutung freien Handels – USA-Exporte bereits um über 20 Prozent eingebrochen
Wirtschaftsminister Hattmannsdorfer traf US-Botschafter Fisher zum Antrittsbesuch. Im Fokus: die angespannte Zolldebatte und ihre Folgen für österreichische Unternehmen.
Die transatlantischen Wirtschaftsbeziehungen zwischen Österreich und den Vereinigten Staaten stehen unter Druck. Bei einem Antrittsbesuch des neuen US-Botschafters Arthur Graham Fisher im Wirtschaftsministerium machte Ressortchef Wolfgang Hattmannsdorfer unmissverständlich klar, wo Österreich in der aktuellen Zolldebatte steht: "Ein Zollkrieg bringt niemandem etwas."
Das Treffen zwischen dem österreichischen Wirtschaftsminister und dem amerikanischen Diplomaten fand vor dem Hintergrund erheblicher handelspolitischer Spannungen statt. Die Vereinigten Staaten haben in den vergangenen Monaten neue Zollmaßnahmen eingeführt, die auch österreichische Exporteure massiv treffen. Hattmannsdorfer nutzte die Gelegenheit, um die Position Österreichs deutlich zu machen.
"Die Vereinigten Staaten sind für Österreich ein bedeutender strategischer Wirtschaftspartner und nach Deutschland unser zweitwichtigster Exportmarkt", betonte der Minister gegenüber seinem Gast. "Gerade in herausfordernden Zeiten gilt: Wir brauchen mehr wirtschaftliche Zusammenarbeit, nicht weniger."
Diese Worte sind mehr als diplomatische Höflichkeitsfloskeln. Sie spiegeln die wirtschaftliche Realität wider, mit der österreichische Unternehmen konfrontiert sind. Die enge Verflechtung der beiden Volkswirtschaften macht jeden Handelskonflikt zu einem zweischneidigen Schwert, das auf beiden Seiten des Atlantiks Schäden anrichtet.
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache und zeigen, dass die Auswirkungen der amerikanischen Zollpolitik bereits spürbar sind. Von Jänner bis November 2025 beliefen sich die österreichischen Warenexporte in die Vereinigten Staaten auf 11,85 Milliarden Euro. Das entspricht einem Rückgang von 21,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum – ein massiver Einbruch, der direkt auf die neuen Zollmaßnahmen zurückzuführen ist.
Dieser Rückgang hat weitreichende Konsequenzen für die heimische Wirtschaft. Mit einem Anteil von 6,8 Prozent an den Gesamtexporten sind die USA nach wie vor die zweitwichtigste Exportdestination für österreichische Unternehmen. Jede Verschlechterung der Handelsbedingungen trifft daher einen bedeutenden Teil der exportorientierten Wirtschaft des Landes.
Besonders betroffen sind Branchen wie die Stahl- und Aluminiumindustrie, für die die amerikanischen Zölle eine erhebliche Belastung darstellen. Aber auch andere Sektoren, von der Maschinenbauindustrie bis zur Fahrzeugtechnik, spüren die Auswirkungen der restriktiveren Handelspolitik.
Die wirtschaftlichen Verbindungen zwischen Österreich und den USA beschränken sich jedoch keineswegs auf den reinen Warenhandel. Österreichische Unternehmen haben Direktinvestitionen in Höhe von 23,9 Milliarden Euro in den Vereinigten Staaten getätigt und beschäftigen dort mittlerweile mehr als 70.000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer.
Diese Zahlen verdeutlichen, wie eng verflochten die beiden Wirtschaftsräume sind. Österreichische Firmen sind nicht nur als Exporteure, sondern auch als Arbeitgeber und Investoren in den USA präsent. Sie tragen zur amerikanischen Wirtschaft bei und schaffen Arbeitsplätze – ein Aspekt, der in der Zolldebatte oft zu wenig Beachtung findet.
Umgekehrt sind auch amerikanische Unternehmen stark in Österreich engagiert. US-Firmen beschäftigen hierzulande rund 18.870 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und machen die Vereinigten Staaten damit zum viertgrößten Investor in Österreich. Diese gegenseitige Abhängigkeit macht deutlich, warum ein eskalierender Handelskonflikt für beide Seiten schädlich wäre.
Vor dem Hintergrund der jüngsten Berichte über eine mögliche Überprüfung der amerikanischen Zollpolitik verwies Minister Hattmannsdorfer auf die Bedeutung stabiler Rahmenbedingungen für Unternehmen. In den USA selbst wird zunehmend diskutiert, ob einzelne Zölle auf Stahl- und Aluminiumprodukte gezielt zurückgenommen werden sollten.
Die Debatte in Amerika dreht sich dabei nicht nur um außenpolitische Überlegungen, sondern auch um handfeste wirtschaftliche Konsequenzen im eigenen Land. Die Zölle haben Auswirkungen auf Verbraucherpreise und Lieferketten, was zunehmend auch innenpolitisch zum Thema wird.
"Die Diskussion in den USA – auch mit Blick auf mögliche Auswirkungen auf Verbraucherpreise und Lieferketten – zeigt, wie sensibel und folgenreich handelspolitische Maßnahmen sind", kommentierte Hattmannsdorfer diese Entwicklung. Er sieht darin ein Signal, dass auch auf amerikanischer Seite ein Umdenken stattfinden könnte.
Der österreichische Wirtschaftsminister bezog in dem Gespräch klar Position gegen protektionistische Tendenzen. "Zölle und Handelsbarrieren sind kein Instrument für Aufschwung", stellte Hattmannsdorfer fest. "Sie verteuern Investitionen, schwächen Lieferketten und können letztlich auch Konsumenten belasten."
Diese Argumentation zielt darauf ab, dass Handelsbarrieren nicht nur die betroffenen Exporteure schädigen, sondern auch negative Rückwirkungen auf die Volkswirtschaft haben, die sie einführt. Höhere Preise für importierte Vorprodukte verteuern die Produktion, Lieferengpässe führen zu Produktionsausfällen, und am Ende zahlen oft die Verbraucher die Zeche in Form höherer Preise.
"Unser gemeinsames Ziel muss fairer Marktzugang, Planbarkeit und ein regelbasierter internationaler Handel sein", forderte der Minister. Diese Formulierung ist bewusst gewählt: Sie betont die Notwendigkeit gemeinsamer Regeln und macht deutlich, dass auch Österreich von unfairen Handelspraktiken nichts hält – egal von welcher Seite sie kommen.
Gleichzeitig mit seiner Kritik an der Zollpolitik verwies Hattmannsdorfer auf die eigenen Anstrengungen zur Stärkung des Wirtschaftsstandorts. Im Rahmen der Industriestrategie 2035 setzt Österreich auf drei zentrale Säulen: Wettbewerbsfähigkeit, wirtschaftliche Resilienz und Innovationskraft.
Diese Strategie ist auch eine Reaktion auf die veränderten geopolitischen Rahmenbedingungen. In einer Welt, in der Handelsbeziehungen zunehmend als politisches Druckmittel eingesetzt werden, muss sich Österreich breiter aufstellen und weniger abhängig von einzelnen Märkten werden.
Dabei geht es nicht um Abschottung, sondern um eine kluge Diversifizierung. Die Exportwirtschaft soll neue Märkte erschließen, während gleichzeitig die Produktionsbasis im Inland gestärkt wird. Investitionen in Forschung und Entwicklung sollen dafür sorgen, dass österreichische Produkte auch in Zukunft international wettbewerbsfähig bleiben.
Trotz der aktuellen Differenzen in der Handelspolitik bekannte sich Hattmannsdorfer zu einer engen transatlantischen Zusammenarbeit in wichtigen Zukunftsfragen. Insbesondere bei Energiethemen, Zukunftstechnologien und Exportkontrollen sei eine enge Abstimmung zwischen Europa und Amerika unerlässlich.
Diese Bereiche gewinnen vor dem Hintergrund der geopolitischen Verschiebungen an Bedeutung. Die Energieversorgung Europas wird nach dem Bruch mit russischen Gaslieferungen neu aufgestellt, wobei amerikanisches Flüssiggas eine zunehmend wichtige Rolle spielt. Bei Zukunftstechnologien wie Künstlicher Intelligenz oder Quantencomputing konkurrieren westliche Demokratien mit China um die technologische Führung. Und bei Exportkontrollen für sensible Güter ist eine gemeinsame Linie notwendig, um Sicherheitsrisiken zu minimieren.
Zum Abschluss des Gesprächs betonte Hattmannsdorfer die traditionellen Stärken Österreichs als Wirtschaftspartner. "Österreich steht für Verlässlichkeit, Qualität und langfristige Partnerschaften", so der Minister. Diese Eigenschaften seien gerade in unsicheren Zeiten ein wichtiges Kapital.
Der Appell des Ministers richtet sich dabei nicht nur an die amerikanische Seite, sondern ist auch ein Signal an die heimische Wirtschaft. Trotz der aktuellen Herausforderungen bleibt der US-Markt für österreichische Unternehmen von zentraler Bedeutung. Es gelte, die bestehenden Beziehungen zu pflegen und auf eine Verbesserung der Rahmenbedingungen hinzuarbeiten.
"Wenn wir auf Offenheit, faire Wettbewerbsbedingungen und gegenseitiges Vertrauen setzen, stärken wir unsere Wirtschaftsbeziehungen und schaffen die Grundlage für nachhaltigen Aufschwung für alle Beteiligten", schloss Hattmannsdorfer das Gespräch mit einem optimistischen Ausblick.
Das Treffen zwischen Hattmannsdorfer und Botschafter Fisher ist Teil einer Serie von Gesprächen auf verschiedenen Ebenen, die darauf abzielen, die transatlantischen Wirtschaftsbeziehungen zu stabilisieren. Auf europäischer Ebene laufen parallel Verhandlungen zwischen der EU-Kommission und der amerikanischen Handelsvertretung über eine mögliche Lösung des Zollkonflikts.
Österreich wird diese Verhandlungen aktiv begleiten und sich für die Interessen der heimischen Exportwirtschaft einsetzen. Dabei ist man sich in Wien bewusst, dass kleine Länder in bilateralen Verhandlungen mit den USA wenig Gewicht haben. Die Stärke Österreichs liegt in der gemeinsamen europäischen Position, weshalb eine enge Abstimmung mit Brüssel und den anderen EU-Mitgliedstaaten essenziell ist.
Die kommenden Monate werden zeigen, ob die Signale aus Washington auf eine Entspannung der Situation hindeuten oder ob sich der Handelskonflikt weiter verschärft. Für österreichische Unternehmen bleibt die Lage vorerst angespannt – der massive Rückgang der Exporte um mehr als ein Fünftel zeigt, wie sehr die Zollpolitik bereits jetzt die Geschäfte belastet.