5,49 Milliarden Euro für Forschung - Studierendenvertreter sehen Chancen und Herausforderungen
Die AktionsGemeinschaft begrüßt den FTI-Pakt der Bundesregierung, mahnt aber ein, dass die Mittel tatsächlich bei Universitäten ankommen müssen.
Mit dem neuen Forschungs-, Technologie- und Innovations-Pakt (FTI-Pakt) für die Jahre 2027 bis 2029 stellt die österreichische Bundesregierung insgesamt 5,49 Milliarden Euro zur Verfügung. Diese bedeutende Investition in den Forschungsstandort Österreich wird von der AktionsGemeinschaft grundsätzlich positiv aufgenommen, doch die größte Studierendenvertretung des Landes mahnt gleichzeitig konkrete Verbesserungen für Universitäten und Studierende ein.
Der FTI-Pakt 2027-2029 setzt wichtige Akzente für die Zukunft der österreichischen Forschungslandschaft. Mit einem Fokus auf Schlüsseltechnologien und Exzellenz soll Österreichs Position als Innovationsstandort gestärkt werden. Laurin Weninger, Bundesobmann der AktionsGemeinschaft, sieht darin einen wichtigen Schritt in die richtige Richtung.
"Österreich kann nur dann Innovationsstandort bleiben, wenn unsere Hochschulen stark sind. Forschungspolitik beginnt nicht im Strategiepapier, sondern im Hörsaal, im Labor und bei den Menschen, die dort arbeiten und studieren", betont Weninger die Bedeutung der praktischen Umsetzung.
Besonders positiv bewertet die AktionsGemeinschaft die geplante Umschichtung zugunsten der Grundlagenforschung. Diese bildet das Fundament für spätere anwendungsorientierte Entwicklungen und ist für die langfristige Wettbewerbsfähigkeit des Standorts von entscheidender Bedeutung. Grundlagenforschung ermöglicht es, neue wissenschaftliche Erkenntnisse zu gewinnen, die später in innovative Produkte und Dienstleistungen umgesetzt werden können.
Die Studierendenvertreter mahnen jedoch ein, dass diese zusätzlichen Mittel auch tatsächlich bei den Universitäten und dem wissenschaftlichen Nachwuchs ankommen müssen. Oft versickern Fördermittel in bürokratischen Strukturen oder werden nicht zielgerichtet eingesetzt.
Für junge Forscherinnen und Forscher ist eine ausreichende Finanzierung der Grundlagenforschung von besonderer Bedeutung. Doktoratsprogramme, Postdoc-Stellen und Nachwuchsforschungsgruppen sind darauf angewiesen, dass langfristige Perspektiven geschaffen werden. Der FTI-Pakt könnte hier wichtige Impulse setzen, wenn die Mittel entsprechend verteilt werden.
Neben der Stärkung der Grundlagenforschung begrüßt die AktionsGemeinschaft auch die geplante Förderung von Drittmitteln. Diese Finanzierungsform ermöglicht es Universitäten, zusätzliche Forschungsprojekte zu realisieren und enge Kooperationen mit der Wirtschaft einzugehen.
"Starke Partnerschaften zwischen Hochschulen und Unternehmen bringen Forschung schneller in die Anwendung und eröffnen Studierenden zusätzliche Chancen", erklärt Weninger die Vorteile dieser Zusammenarbeit. Studierende können durch solche Kooperationen bereits während des Studiums praktische Erfahrungen sammeln und Kontakte zur Wirtschaft knüpfen.
Drittmittelprojekte bieten Studierenden die Möglichkeit, an aktuellen Forschungsfragen zu arbeiten, die direkten Bezug zur industriellen Praxis haben. Dies verbessert nicht nur die Qualität der Ausbildung, sondern erhöht auch die Beschäftigungschancen nach dem Studium. Unternehmen können auf diese Weise frühzeitig talentierte Nachwuchskräfte identifizieren und fördern.
Trotz der grundsätzlich positiven Bewertung des FTI-Pakts sieht die AktionsGemeinschaft auch Herausforderungen bei der konkreten Umsetzung. Ein zentraler Punkt ist die Frage, wie die zusätzlichen Mittel verteilt werden und ob sie tatsächlich dort ankommen, wo sie am dringendsten benötigt werden.
Universitäten kämpfen seit Jahren mit chronischer Unterfinanzierung. Überfüllte Hörsäle, veraltete Laborausstattung und zu wenig Betreuungsplätze für Studierende sind nur einige der Probleme, die dringend gelöst werden müssen. Der FTI-Pakt könnte hier Abhilfe schaffen, wenn die Mittel entsprechend eingesetzt werden.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist der Abbau bürokratischer Hürden. Oft sind Förderverfahren so komplex und zeitaufwendig, dass kleinere Forschungsgruppen oder junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler benachteiligt werden. Eine Vereinfachung der Antragstellung und Abwicklung könnte die Effizienz der Mittelvergabe erheblich steigern.
Österreichs Universitäten stehen im internationalen Wettbewerb um die besten Köpfe und die innovativsten Forschungsprojekte. Der FTI-Pakt könnte dazu beitragen, die Attraktivität des Standorts zu erhöhen und internationale Spitzenkräfte nach Österreich zu holen.
Gleichzeitig ist es wichtig, dass österreichische Talente im Land gehalten werden. Viele junge Forscherinnen und Forscher wandern ins Ausland ab, weil sie dort bessere Bedingungen vorfinden. Eine Stärkung des heimischen Forschungsstandorts könnte diesem Brain Drain entgegenwirken.
Der FTI-Pakt sollte auch die Teilnahme an europäischen Forschungsprogrammen wie Horizon Europe stärken. Durch internationale Kooperationen können österreichische Universitäten von zusätzlichen Fördermitteln profitieren und gleichzeitig ihr wissenschaftliches Netzwerk erweitern.
Die AktionsGemeinschaft hat sich als wichtige Stimme in der österreichischen Hochschullandschaft etabliert. Bei der ÖH-Wahl 2025 erreichte sie bundesweit über 20 Prozent der Stimmen und den zweiten Platz. An elf Fachhochschulen und Universitäten stellt sie mittlerweile den Vorsitz der Studierendenvertretung.
Diese starke Vertretung ermöglicht es der AktionsGemeinschaft, die Interessen der Studierenden effektiv in politische Entscheidungsprozesse einzubringen. Der FTI-Pakt ist dabei ein wichtiges Beispiel dafür, wie Bildungs- und Forschungspolitik direkte Auswirkungen auf den Studienalltag haben kann.
Die AktionsGemeinschaft wird die Umsetzung des FTI-Pakts genau verfolgen und darauf achten, dass die Interessen der Studierenden berücksichtigt werden. Dabei stehen nicht nur finanzielle Aspekte im Vordergrund, sondern auch die Verbesserung der Studienbedingungen und die Schaffung von Perspektiven für den wissenschaftlichen Nachwuchs.
Wichtige Forderungen sind unter anderem die transparente Mittelvergabe, die Reduzierung bürokratischer Hürden und die Stärkung der Grundfinanzierung der Universitäten. Nur so kann sichergestellt werden, dass der FTI-Pakt sein volles Potenzial entfaltet und Österreich als Forschungsstandort nachhaltig stärkt.
Der Erfolg des FTI-Pakts wird letztendlich daran gemessen werden, ob es gelingt, die Wettbewerbsfähigkeit österreichischer Universitäten zu steigern und gleichzeitig die Qualität der Ausbildung für Studierende zu verbessern. Die AktionsGemeinschaft wird diesen Prozess kritisch begleiten und als Anwältin der Studierenden auftreten.