Industriellenvereinigung sieht Planungssicherheit, fordert aber mehr Investitionen in angewandte Forschung
Der neue FTI-Pakt bringt Österreich 5,5 Milliarden Euro für Forschung und Innovation. Die IV begrüßt die Planungssicherheit, warnt aber vor zu geringen Mitteln für angewandte Forschung.
Die österreichische Bundesregierung hat heute einen wichtigen Schritt für die Zukunft des Forschungsstandorts Österreich gesetzt: Der Ministerrat beschloss den neuen FTI-Pakt für die Jahre 2027 bis 2029. Mit einem Gesamtvolumen von 5,5 Milliarden Euro sollen die Forschungs- und Innovationsaktivitäten der drei zuständigen Ministerien BMFWF, BMWET und BMIMI finanziert werden.
Die Industriellenvereinigung (IV) zeigt sich grundsätzlich zufrieden mit dem beschlossenen Paket. "Angesichts der herausfordernden Budgetsituation ist es zwar verständlich, keine großen Sprünge machen zu können, es geht aber um Investitionen in die Zukunft unseres Landes", betont IV-Generalsekretär Christoph Neumayer.
Besonders positiv bewertet die IV die Erhöhung der Mittel für die wettbewerbliche Grundlagenforschung. Diese Steigerung macht den Großteil der Budgeterhöhung gegenüber dem vorherigen FTI-Pakt 2024-26 aus und zeigt das Bekenntnis der Regierung zur wissenschaftlichen Exzellenz.
Kritischer sieht die Industriellenvereinigung jedoch die Entwicklung bei der angewandten und wirtschaftsnahen Forschung. Diese wird im neuen Pakt lediglich auf gleichbleibendem Niveau fortgeschrieben. "Gerade die angewandte Forschung ist ganz wesentlich, um gute Ideen in funktionierende Produkte und Dienstleistungen weiterzuentwickeln und damit in echte Wirtschaftskraft und Arbeitsplätze zu übersetzen", erklärt Neumayer.
Immerhin konnte noch eine begleitende Finanzierung für das Jahr 2026 erreicht werden: Zusätzliche 76,6 Millionen Euro stehen für den angewandten Forschungsbereich zur Verfügung. Dies zeigt, dass die Bedeutung dieser Forschungsrichtung durchaus erkannt wird.
Besondere Sorge bereitet der IV die aktuelle Inflationsentwicklung sowie der drohende Wegfall und die Reduktion weiterer FTI-Budgets. "Das dürfte Investitionen in Zukunftstechnologien weiter dämpfen und in der Folge auch deren Markteinführung erschweren", warnt Neumayer vor den negativen Auswirkungen.
Die Kaufkraft der bereitgestellten Mittel wird durch die anhaltende Inflation real geschmälert, was faktisch zu einer Kürzung der verfügbaren Forschungskapazitäten führen könnte. Dies steht im Widerspruch zu den ambitionierten Zielen der österreichischen FTI-Strategie.
Trotz der Kritikpunkte anerkennt die IV die Wichtigkeit der geschaffenen Planungssicherheit. "Investitionen in exzellente Forschung und Innovationskraft brauchen nachhaltige Planungs- und Finanzierungspfade und sind die Basis für die Wettbewerbsfähigkeit von Wissenschaft und Wirtschaft", so der IV-Generalsekretär.
Für Unternehmen und Forschungseinrichtungen ist die dreijährige Budgetplanung ein wichtiger Faktor für strategische Entscheidungen und langfristige Projekte. Die Vorhersehbarkeit der Finanzierung ermöglicht es, komplexe Forschungsvorhaben zu planen und umzusetzen.
Ein zentraler Baustein des FTI-Pakts ist die Schlüsseltechnologieoffensive mit klar definierten Schlüsseltechnologie- und Stärkefeldern. Diese bilden auch ein Kernstück der österreichischen Industriestrategie und sollen die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts stärken.
"Wichtig ist, gleichzeitig auch themenoffene Formate für die Umsetzung von Forschung & Entwicklung zu Schlüsseltechnologien zu sichern", betont Neumayer. Die Flexibilität bei der Förderung sei entscheidend, um auf neue technologische Entwicklungen reagieren zu können.
Die Effizienz der öffentlichen FTI-Förderung zeigt sich in beeindruckenden Zahlen: Ein Fördereuro löst im Bereich der Schlüsseltechnologien im Schnitt 2,6 Euro an zusätzlichen F&E-Investitionen der Unternehmen aus. Noch bemerkenswerter ist die Umsatzwirkung: Im Mittel führt jeder Fördereuro zu 8,6 Euro an Umsatz.
Diese Multiplikatoreffekte unterstreichen die volkswirtschaftliche Bedeutung der FTI-Investitionen und rechtfertigen die öffentlichen Ausgaben in diesem Bereich aus ökonomischer Sicht.
Das ambitionierte Ziel der Bundesregierung, bis 2030 eine Forschungsquote von über vier Prozent zu erreichen, bleibt weiterhin bestehen. Dieses Ziel ist sowohl im Regierungsprogramm als auch in der Industriestrategie verankert und erfordert kontinuierliche Anstrengungen.
"Die Erreichung der Forschungsquote von über vier Prozent bis 2030 braucht daher weiter entschlossenes Handeln, auch damit die wichtigen Ziele der FTI-Strategie 2030 konsequent verfolgt werden", mahnt die IV.
Ein entscheidender Faktor für das Erreichen der Forschungsquote sind die privaten Investitionen in FTI, die immerhin zwei Drittel der gesamten Forschungsausgaben ausmachen. Diese privaten Mittel benötigen jedoch Anreize durch einen konsequenten Wachstumskurs der öffentlichen Finanzierung.
Die öffentliche Hand fungiert dabei als Katalysator für private Investitionen. Wenn die öffentlichen Mittel stagnieren oder real zurückgehen, kann dies auch negative Auswirkungen auf die Investitionsbereitschaft der Unternehmen haben.
Besondere Aufmerksamkeit verdient der "Fonds Zukunft Österreich", der ebenfalls im Regierungsprogramm verankert ist. Die IV fordert dessen Sicherung und Ausbau, da dieser Fonds systemische Initiativen ermöglicht, die durch herkömmliche Förderstrukturen schwer abbildbar sind.
"Wichtig ist dabei, noch für 2026 rasch eine Übergangslösung zu ermöglichen, um durch den Fonds finanzierte systemische Initiativen, insbesondere auch durch europäische FTI-Initiativen, die Agilität erfordern, realisieren zu können", so Neumayer.
Die österreichische FTI-Politik muss sich auch im europäischen Kontext behaupten. Viele Forschungsprojekte haben heute eine europäische Dimension und erfordern schnelle Reaktionsmöglichkeiten auf Ausschreibungen und Initiativen der Europäischen Union.
Der "Fonds Zukunft Österreich" könnte hier eine wichtige Rolle spielen, um die nötige Flexibilität und Agilität zu gewährleisten, die für die erfolgreiche Teilnahme an europäischen Programmen erforderlich ist.
Der beschlossene FTI-Pakt 2027-29 schafft wichtige Planungssicherheit für den österreichischen Forschungsstandort. Gleichzeitig zeigt er aber auch die Grenzen auf, die durch die angespannte Budgetsituation entstehen.
Die Herausforderung wird darin bestehen, mit den vorhandenen Mitteln die ambitionierten Ziele der FTI-Strategie 2030 zu erreichen und gleichzeitig die Wettbewerbsfähigkeit Österreichs im internationalen Vergleich zu sichern. Dazu wird es entscheidend sein, die verfügbaren Ressourcen möglichst effizient einzusetzen und die Hebelwirkung der öffentlichen Förderung zu maximieren.
Die Industriellenvereinigung wird die Umsetzung des FTI-Pakts kritisch begleiten und sich weiterhin für eine angemessene Finanzierung der österreichischen Forschungs- und Innovationslandschaft einsetzen. Nur so kann Österreich seine Position als innovativer Wirtschaftsstandort langfristig behaupten und ausbauen.