Wien rüstet sich für ein besonderes Spektakel: Am 13. Mai 2026 verwandelt sich der berühmte Naschmarkt in eine kulinarische Eurovisionsbühne. Der "Eurovision Markt Contest" verspricht eine einzigar...
Wien rüstet sich für ein besonderes Spektakel: Am 13. Mai 2026 verwandelt sich der berühmte Naschmarkt in eine kulinarische Eurovisionsbühne. Der "Eurovision Markt Contest" verspricht eine einzigartige Verbindung aus internationaler Küche, Live-Musik und dem unverwechselbaren Flair des Eurovision Song Contest, der 2026 in Wien stattfindet.
Der Wiener Naschmarkt, seit 1916 einer der bekanntesten Märkte Österreichs, hat sich über die Jahrzehnte zu einem Symbol für kulturelle Vielfalt entwickelt. Ursprünglich als Aschemarkt bekannt, erhielt er seinen heutigen Namen durch die Verkäufer von Milch und anderen "Nasch"-Produkten. Heute erstreckt er sich über 1,5 Kilometer zwischen Karlsplatz und Kettenbrückengasse und beherbergt rund 120 Marktstandl sowie zahlreiche Restaurants.
Die Geschichte des Naschmarkts spiegelt die Entwicklung Wiens als Schmelztiegel der Kulturen wider. Bereits in der k.u.k.-Monarchie war er Anlaufstelle für Händler aus dem gesamten Vielvölkerstaat. Diese Tradition setzt sich bis heute fort: Türkische Delikatessen reihen sich an italienische Feinkost, orientalische Gewürze treffen auf heimische Produkte. Diese Internationalität macht ihn zum perfekten Austragungsort für ein Eurovision-Event.
Der Eurovision Song Contest, oft als ESC abgekürzt, ist der weltweit größte Musikwettbewerb und findet seit 1956 jährlich statt. Rund 200 Millionen Menschen verfolgen die Sendung in über 40 Ländern. Das Besondere: Jedes teilnehmende Land entsendet einen Künstler oder eine Band, die ein eigens komponiertes Lied in maximal drei Minuten präsentiert. Die Abstimmung erfolgt durch Jurys und Televoting aus allen Teilnehmerländern. Das Gewinner-Land darf im Folgejahr den Contest ausrichten.
Österreich nahm erstmals 1957 teil und gewann bislang zweimal: 1966 mit Udo Jürgens ("Merci, Chérie") und 2014 mit Conchita Wurst ("Rise Like a Phoenix"). Der Sieg von Conchita Wurst führte dazu, dass Wien 2015 Gastgeber war – und nun 2026 erneut diese Ehre zuteil wird.
Von 14:00 bis 19:00 Uhr verwandelt sich der Naschmarkt in eine gastronomische Eurovisions-Arena. Die teilnehmenden Marktstände bieten Spezialitäten aus allen am diesjährigen Song Contest teilnehmenden Ländern an. Das bedeutet eine kulinarische Reise von schwedischen Köttbullar über spanische Paella bis hin zu ukrainischem Borschtsch.
"Den Eurovision Song Contest nicht nur zu hören, sondern auch kulinarisch zu erleben – genau das macht den 'Eurovision Markt Contest' am Naschmarkt zu etwas ganz Besonderem", erklärt Vizebürgermeisterin Bettina Emmerling, die als Märkte-Stadträtin für die Wiener Märkte zuständig ist. Emmerling, seit 2020 im Amt, hat sich besonders der Modernisierung und internationalen Ausrichtung der Wiener Märkte verschrieben.
Das kulinarische Angebot wird durch Live-Auftritte ergänzt, bei denen sowohl aktuelle als auch vergangene Eurovision-Beiträge präsentiert werden. Diese musikalische Untermalung soll die internationale Stimmung verstärken und Besucher auf den kommenden Contest einstimmen. Die Musikauswahl reicht von Klassikern wie ABBAs "Waterloo" (Schweden 1974) bis zu neueren Hits wie Måneskins "Zitti e buoni" (Italien 2021).
Österreich gehört zu den Gründungsmitgliedern der Eurovision und hat eine lange Tradition in diesem Wettbewerb. Nach Deutschland und der Schweiz ist Österreich das deutschsprachige Land mit der längsten Eurovision-Historie. Während Deutschland als größtes Land automatisch für das Finale qualifiziert ist, muss sich Österreich regelmäßig über die Halbfinals qualifizieren.
Die Schweiz, unser Nachbarland, kann auf vier Eurovision-Siege zurückblicken (1956, 1988, 2021, 2024), während Deutschland zweimal gewann (1982, 2010). Österreichs zwei Siege reihen sich respektabel in diese Bilanz ein, wobei besonders der Sieg von Conchita Wurst internationale Beachtung fand und Wien als tolerante, weltoffene Stadt positionierte.
Ein Eurovision Song Contest bringt erhebliche wirtschaftliche Impulse für die Gastgeberstadt. Experten schätzen, dass der ESC 2015 in Wien einen wirtschaftlichen Gesamteffekt von rund 30 Millionen Euro generierte. Rund 15.000 internationale Besucher kamen damals in die österreichische Hauptstadt, Hotels verzeichneten Auslastungsrekorde von über 95 Prozent.
Der "Eurovision Markt Contest" am Naschmarkt dient als Vorgeschmack und zusätzliche Attraktion, die Touristen bereits Wochen vor dem eigentlichen Contest nach Wien locken könnte. Marktamtsdirektor Andreas Kutheil betont: "Der Naschmarkt steht wie kaum ein anderer Ort für Internationalität und Lebensfreude. Es freut uns, gemeinsam mit unseren Standlerinnen und Standlern ein so vielfältiges Event auf die Beine zu stellen."
Ein Event dieser Größenordnung erfordert penible Vorbereitungen, besonders im Bereich der Lebensmittelsicherheit. Das Marktamt Wien, als für alle Wiener Märkte zuständige Behörde, hat gemeinsam mit dem ORF als Eurovision-Veranstalter ein umfassendes Sicherheitskonzept entwickelt.
Lebensmittelsicherheit ist in Österreich streng geregelt: Die Lebensmittelsicherheits- und Verbraucherschutz-Behörde (LMSVG) überwacht alle Aspekte der Lebensmittelproduktion und -vermarktung. Bei Großveranstaltungen wie dem Eurovision Song Contest kommen zusätzliche Kontrollen zum Einsatz. Diese umfassen mikrobiologische Untersuchungen, Temperaturkontrollen bei der Lagerung und Ausgabe sowie die Überprüfung der Herkunft aller Lebensmittel.
Die Expertinnen des Marktamtes führen nicht nur am Naschmarkt, sondern auch an der Stadthalle als Hauptveranstaltungsort sowie in den Eurovision-Fanzonen engmaschige Kontrollen durch. Dabei wird besonderes Augenmerk auf die Kühlkette, Hygienemaßnahmen und die ordnungsgemäße Kennzeichnung von Allergenen gelegt.
"Qualität, Hygiene und Transparenz stehen dabei im Mittelpunkt aller Maßnahmen", heißt es aus dem Marktamt. Diese Standards entsprechen den EU-Richtlinien und gehen teilweise sogar darüber hinaus. Österreich gilt europaweit als Vorreiter bei Lebensmittelkontrollen und hat eines der dichtesten Kontrollnetze der EU.
Neben der Lebensmittelsicherheit führt das Marktamt verstärkte Gewerbekontrollen durch. Ein besonderer Fokus liegt auf den Security-Mitarbeitern, die bei Eurovision-Events eingesetzt werden. Nach österreichischem Recht müssen alle Sicherheitskräfte vorab bei der Polizei gemeldet und überprüft werden.
Diese Regelung geht auf das Gewerberechts-Novelle 2018 zurück, die nach mehreren Zwischenfällen bei Großveranstaltungen verschärft wurde. Sicherheitspersonal muss eine entsprechende Ausbildung nachweisen und darf keine Vorstrafen haben, die der Tätigkeit entgegenstehen würden.
Ein weiterer Kontrollschwerpunkt liegt beim Verkauf von Fanartikeln. Gerade bei populären Events wie dem Eurovision Song Contest versuchen unseriöse Händler, mit gefälschten oder minderwertigen Produkten schnelle Gewinne zu erzielen. Das Marktamt kontrolliert daher alle Verkaufsstände auf ordnungsgemäße Gewerbeberechtigung, Produktqualität und korrekte Preisauszeichnung.
Diese Maßnahmen sollen Besucher vor Betrug schützen und sicherstellen, dass alle gesetzlichen Bestimmungen eingehalten werden. In Österreich gilt das Produkthaftungsgesetz besonders streng, Händler können für mangelhafte Waren persönlich haftbar gemacht werden.
Der "Eurovision Markt Contest" am Naschmarkt ist nur ein Baustein in Wiens Eurovision-Strategie 2026. Die Stadt plant mehrere Begleitveranstaltungen, die das internationale Flair der Eurovision in verschiedene Stadtteile tragen sollen. Nach dem großen Erfolg 2015 will Wien erneut beweisen, dass es einer der besten Eurovision-Gastgeber ist.
Die Wiener Stadthalle, Austragungsort des Hauptevents, wird derzeit für die Eurovision-Anforderungen adaptiert. Mit einer Kapazität von rund 16.000 Zuschauern bietet sie ideale Bedingungen für die drei Live-Shows (zwei Halbfinals und das Finale). Zusätzlich entstehen in der ganzen Stadt Eurovision-Fanzones, Public Viewing-Areas und kulturelle Begleitprogramme.
Eurovision bringt Wien wieder ins Rampenlicht der internationalen Medien. 2015 berichteten über 2.000 akkreditierte Journalisten aus aller Welt über den Contest und die Gastgeberstadt. Diese Medienaufmerksamkeit ist unbezahlbar für das Stadtmarketing und positioniert Wien als moderne, weltoffene Metropole.
Studien zeigen, dass Eurovision-Gastgeberstädte langfristig von gesteigerter touristischer Attraktivität profitieren. Barcelona, Stockholm und Tel Aviv verzeichneten alle nach ihrer Eurovision-Ausrichtung deutliche Zuwächse bei internationalen Touristen.
Der "Eurovision Markt Contest" findet am Mittwoch, 13. Mai 2026, von 14:00 bis 19:00 Uhr statt. Der Eintritt ist frei, Besucher können sich auf internationale Spezialitäten, Live-Musik und Eurovision-Atmosphäre freuen. Der Naschmarkt ist über die U-Bahnlinien U1, U2 und U4 (Station Karlsplatz) sowie mit den Straßenbahnlinien 1, 2, D und 62 gut erreichbar.
Für weitere Informationen steht das Marktamts-Telefon unter der Nummer 4000-8090 zur Verfügung. Die Hotline ist montags bis freitags von 7:30 bis 21:00 Uhr, samstags von 8:00 bis 18:00 Uhr und sonntags von 9:00 bis 15:00 Uhr besetzt.
Mit dem "Eurovision Markt Contest" könnte Wien eine neue Tradition etablieren, die über das eigentliche Eurovision-Jahr hinausgeht. Der Naschmarkt als Symbol für internationale Vielfalt und kulinarische Exzellenz bietet ideale Voraussetzungen für regelmäßige internationale Food-Events.
Vizebürgermeisterin Emmerling deutete bereits an, dass ähnliche Veranstaltungen auch in Zukunft denkbar seien: "Der Naschmarkt zeigt einmal mehr, wofür er das ganze Jahr über steht: für internationale Vielfalt, Begegnung und ein offenes Miteinander mitten in Wien." Diese Philosophie könnte Wien zu einem dauerhaften Zentrum für kulturelle und kulinarische Begegnungen machen, das weit über den Eurovision Song Contest hinausstrahlt.