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E-Autos verlieren bei Kälte bis zu 46% Reichweite

ÖAMTC testete 24 Elektrofahrzeuge bei bis zu -31°C in Norwegen

18. Februar 2026 um 07:18
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Trotz erheblicher Reichweitenverluste bei extremer Kälte zeigen E-Autos beim Laden überraschend gute Leistungen. Manche schaffen 80% in unter 30 Minuten.

Bei eisigen Temperaturen von bis zu minus 31 Grad Celsius hat der ÖAMTC gemeinsam mit dem norwegischen Partnerclub NAF 24 Elektrofahrzeuge auf ihre Winterfestigkeit getestet. Die Ergebnisse des weltweit größten E-Auto-Reichweitentests "El Prix" zeigen deutlich: Extreme Kälte setzt den Batterien erheblich zu.

Reichweitenverluste von bis zu 46 Prozent

Die Messungen offenbaren drastische Abweichungen von den Herstellerangaben. "Kein Fahrzeug kam in die Nähe der angegebenen WLTP-Werte", fasst ÖAMTC-Techniker Florian Merker die Testergebnisse zusammen. Die höchsten Verluste verzeichneten der Opel Grandland und der Lucid Air Grand Touring mit fast 46 Prozent weniger Reichweite als angegeben.

Am besten schnitten der MG S6 und der Hyundai Inster ab – aber auch diese verloren knapp 30 Prozent ihrer beworbenen Reichweite. Im Durchschnitt lagen alle getesteten Fahrzeuge 38 Prozent unter den WLTP-Werten.

Praxistaugliche Distanzen trotz Verlusten

Trotz der erheblichen Einbußen zeigt sich: Die tatsächlich gefahrenen Strecken bleiben durchaus praxistauglich. Die Bandbreite reichte von 224 Kilometern beim Suzuki eVitara bis hin zu beeindruckenden 520 Kilometern beim Lucid Air Grand Touring – und das bei Rekordkälte von minus 31 Grad.

"Die Angst vor zu geringer Reichweite ist unbegründet", beruhigt Merker. "Die Daten zeigen aber, wie wichtig eine gute Streckenplanung und die Verfügbarkeit von Ladestationen für E-Autofahrer im Winter sind – besonders bei sehr niedrigen Temperaturen."

Überraschend gute Ladeleistungen bei Kälte

Während die Reichweiten unter der Kälte litten, überzeugten die E-Autos beim Ladevorgang. 13 der 24 getesteten Fahrzeuge erreichten den gewünschten Ladestand von 80 Prozent in weniger als 30 Minuten. Sechs Modelle waren sogar schneller als vom Hersteller versprochen.

"Bei diesem Ladetest zeigte sich, wie wichtig eine gut temperierte Batterie für das Laden eines Elektrofahrzeuges ist", erklärt der ÖAMTC-Experte. Selbst bei minus zehn Grad an den Ladestationen schnitten die Fahrzeuge gut ab – ein wichtiger Aspekt für die Alltagstauglichkeit.

Paradigmenwechsel bei E-Auto-Bewertung

Die Testergebnisse deuten auf einen Wandel in der Bewertung von Elektrofahrzeugen hin. "In Zukunft werden Ladegeschwindigkeit, Verbrauchseffizienz und Verfügbarkeit von Ladestationen wichtiger sein als die maximale Reichweite eines Elektrofahrzeuges", prognostiziert Merker basierend auf den ÖAMTC-Erfahrungen.

Vorschau auf kommende Modelle

Der norwegische Markt fungiert oft als Testlabor für neue E-Auto-Modelle. Beim aktuellen Test waren mehrere Fahrzeuge dabei, die noch nicht in Österreich verfügbar sind, darunter chinesische Modelle wie der Changan Deepal S05, KGM Musso, Xpeng X9 und Zeekr 7X.

"Für den ÖAMTC ist es eine gute Vorschau, welche Hersteller in der nächsten Zeit den Schritt nach Europa planen", sagt Merker. Diese Modelle könnten schon bald auch auf österreichischen Straßen zu sehen sein.

Der weltweit größte E-Auto-Test

El Prix gilt als der umfangreichste Praxis-Test für Reichweite und Ladeperformance von Elektrofahrzeugen weltweit. Der norwegische Automobilverband NAF führt ihn seit 2020 zweimal jährlich durch – einmal im Sommer, einmal im Winter. Der ÖAMTC war bereits zum siebten Mal dabei.

Realistische Testbedingungen

Für den aktuellen Wintertest wählten die Organisatoren eine 450 Kilometer lange Strecke mit einem realistischen Mix aus Stadtverkehr, Landstraße und Autobahn sowie verschiedenen Steigungen. Die Fahrzeuge wurden so lange bewegt, bis bei allen ein Leistungsverlust eintrat und die erforderliche Geschwindigkeit nicht mehr gehalten werden konnte.

Die extremen Testbedingungen mit Temperaturen zwischen minus acht und minus 31 Grad Celsius simulieren realistische Winterverhältnisse, wie sie in weiten Teilen Europas auftreten können.

Praktische Tipps für E-Auto-Fahrer

Die Testergebnisse liefern wichtige Erkenntnisse für Elektroauto-Besitzer. Bei Winterfahrten sollten folgende Punkte beachtet werden:

  • Sorgfältige Routenplanung mit ausreichend Ladestopps
  • Berücksichtigung von bis zu 40 Prozent Reichweitenverlust bei extremer Kälte
  • Bevorzugung gut temperierter Batterien vor Ladezyklen
  • Information über Verfügbarkeit und Funktionsfähigkeit von Ladestationen

Die Entwicklung der E-Mobilität schreitet kontinuierlich voran. Während aktuelle Modelle bei extremer Kälte noch deutliche Schwächen zeigen, verbessert sich die Technologie stetig. Neue Batterietechnologien und intelligentere Thermomanagement-Systeme versprechen für die Zukunft bessere Winterleistungen.

Der ÖAMTC wird auch weiterhin an internationalen Tests teilnehmen, um österreichischen Konsumenten fundierte Entscheidungshilfen beim E-Auto-Kauf zu bieten. Die Erkenntnisse aus Norwegen fließen direkt in die Beratung und Empfehlungen des Mobilitätsclubs ein.

Schlagworte

#Elektromobilität#ÖAMTC#Wintertest#Reichweite#Elektroauto

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