GrECo Health & Benefits Tag zeigt Wege für zukunftsfähige Unternehmen auf
Über 100 Experten diskutierten die Herausforderungen durch demografischen Wandel und KI für österreichische Unternehmen.
Die Arbeitswelt in Österreich steht vor einem fundamentalen Wandel. Demografische Veränderungen und der rasante Fortschritt der Künstlichen Intelligenz stellen Unternehmen vor neue Herausforderungen – aber auch vor große Chancen. Diese komplexe Thematik stand im Mittelpunkt des zweiten Health & Benefits Tags von GrECo, der am 26. Februar in Wien stattfand.
Unter dem Motto "Demografischer Wandel & KI – Impulse für die Arbeitswelt von morgen" versammelten sich führende Experten aus Wirtschaft und Wissenschaft, um konkrete Lösungsansätze für die drängendsten Fragen der modernen Arbeitswelt zu diskutieren. Die Veranstaltung des Risikospezialisten GrECo zog über 100 Teilnehmer an, die sich über aktuelle Trends im Bereich Health & Benefits informierten.
"KI und Demografie stellen uns vor große Aufgaben, aber auch vor Chancen. Vieles ist derzeit im Fluss, und es braucht Klarheit, Dialog und Mut, um die nächsten Schritte zu gehen", erklärt Joachim Schuller, Competence Center Manager Health & Benefits bei GrECo, der durch die Veranstaltung führte. Mit dem Health & Benefits Tag wolle man Impulse geben, wie Österreichs Unternehmen diesen Wandel verantwortungsvoll begleiten und ihr Umfeld aktiv mitgestalten können.
Andreas Treichl, Vorstand des Aufsichtsrats der ERSTE Stiftung, eröffnete die Veranstaltung mit einer kritischen Analyse der Zukunft der Altersvorsorge in Österreich. Seine zentrale These: Die kapitalgedeckte, betriebliche Pension (2. Säule) sei der effektivste Weg, um breiten Wohlstand langfristig abzusichern und die staatliche Pension zu entlasten.
Das Problem liegt auf der Hand: Die alternde Bevölkerung führt dazu, dass immer weniger Erwerbstätige für eine wachsende Zahl an Pensionisten aufkommen müssen. Ohne eine deutliche Stärkung der zweiten Säule werde Österreich in den kommenden Jahrzehnten vor erheblichen strukturellen Herausforderungen stehen, warnte Treichl.
Als Vorbild verwies er auf europäische Länder, die bereits starke kapitalgedeckte Systeme aufgebaut haben. Diese Länder sichern nicht nur ein stabiles Pensionsvermögen, sondern schaffen zugleich wichtigen Handlungsspielraum für Zukunftsinvestitionen. Treichls Appell war eindeutig: Die betriebliche Pension müsse endlich zukunftsfit gestaltet werden, um Österreichs wirtschaftliche Stärke auch für kommende Generationen zu sichern.
Sarah Spiekermann-Hoff, Leiterin des Instituts für Wirtschaftsinformatik und Digitalisierung an der WU Wien, widmete sich in ihrem Vortrag der ethischen Dimension der Künstlichen Intelligenz. Ihre "10 Regeln für die digitalen Welt" zeigen auf, wie Unternehmen KI verantwortungsvoll in Innovations- und Organisationsprozessen einsetzen können.
Die Expertin betonte, dass der Einsatz von KI heute untrennbar mit ethischen Entscheidungen verbunden sei und weit über die Nutzung einzelner Sprachmodelle hinausgehe. KI-Systeme müssten in bestehende IT-Prozesse eingebettet und auf langfristige Nachhaltigkeit ausgerichtet werden.
Mit ihrem Ansatz des Value-Based Engineering demonstrierte Spiekermann-Hoff, wie Unternehmen digitale Services entwickeln können, die nicht nur funktional, sondern auch werteorientiert gestaltet sind. Die Komplexität der Entscheidungsprozesse für Unternehmen sei inzwischen stark gestiegen – etwa bei der Wahl zwischen lokalen KI-Modellen und internationalen Plattformen. Zentrale Fragen nach Transparenz, Fairness und Verantwortbarkeit spielen dabei eine entscheidende Rolle.
Einen konkreten Einblick in die praktische Umsetzung von KI-Systemen gab Madeleine Bauer-Eder, Chief HR Officer von IBM Österreich. Sie zeigte auf, wie sich der Einsatz von Künstlicher Intelligenz im Personalmanagement mit einer klaren ethischen Haltung verbinden lässt.
IBM hat im Rahmen einer umfassenden Transformation ein agentisches KI-System namens "AskHR" eingeführt, das als digitaler Assistent große Teile der klassischen HR-Arbeit übernimmt. Das System beantwortet interne Anfragen, erstellt automatisierte Berichte und übernimmt administrative Prozesse wie Mitarbeiterversetzungen.
Die Erfolgsquote ist beeindruckend: Mittlerweile beantwortet das System rund 94 Prozent aller Standardanliegen der Mitarbeitenden. Dies verändert die Arbeit der HR-Teams fundamental – weg von Routinetätigkeiten hin zu stärker strategischen Aufgaben. Bauer-Eders Beispiel unterstrich, dass die Zukunft der HR in einem verantwortungsvollen Zusammenspiel von KI-gestützter Automatisierung und menschlicher Entscheidungsqualität liegt.
In der abschließenden Podiumsdiskussion diskutierten Josef Buttinger (Gründer & Präsident, HR Lounge), Maria Koller (Chief HR Officer, Palfinger AG) sowie Madeleine Bauer-Eder eine der zentralen Fragen: Kann KI einen echten Produktivitätsschub ermöglichen und damit langfristige Herausforderungen wie den demografischen Wandel abfedern?
Die Experten waren sich einig, dass Künstliche Intelligenz Arbeitsprozesse zwar deutlich verändert, viele Fachkräfte – insbesondere in produzierenden Bereichen – aber nicht ersetzen wird. Unternehmen müssten daher sorgfältig prüfen, welchen konkreten Wert KI-Systeme tatsächlich liefern.
Besonders interessant waren die Erkenntnisse zum Thema Recruiting: Im Zeitalter der KI zähle weniger ein fixes Set an "KI-Skills", sondern vielmehr Neugier, Lernbereitschaft und die Fähigkeit, Veränderungen aktiv mitzutragen. Diese soft Skills werden für Unternehmen zunehmend wichtiger als spezifische technische Kenntnisse.
Automatisierung bedeute zudem, die Weiterentwicklung der Mitarbeitenden mitzudenken und offen zu kommunizieren, wenn sich Rollen neu ausrichten. Transparenz und proaktive Kommunikation sind dabei entscheidende Erfolgsfaktoren.
Joachim Schuller fasste die Erkenntnisse des Tages treffend zusammen: "KI kann viel – aber sie wirkt nur dort, wo Menschen bereit sind, mit ihr zu wachsen." Diese Aussage bringt die zentrale Erkenntnis der Veranstaltung auf den Punkt: Technologie allein löst keine Probleme, sondern die Art, wie Menschen sie einsetzen und mit ihr umgehen.
Die Veranstaltung machte deutlich, dass österreichische Unternehmen vor komplexen Herausforderungen stehen. Der demografische Wandel erfordert innovative Lösungen in der Altersvorsorge, während die KI-Revolution neue Möglichkeiten, aber auch ethische Fragen aufwirft. Erfolgreiche Unternehmen werden diejenigen sein, die beide Entwicklungen proaktiv angehen und dabei den Menschen in den Mittelpunkt stellen.
Die GrECo Gruppe ist Österreichs führender Versicherungsspezialist für Industrie, Handel, Gewerbe und den öffentlichen Sektor. Als eigentümergeführtes Unternehmen bietet GrECo individuelle Lösungen im Risiko- und Versicherungsmanagement an. Vom Unternehmenssitz in Wien aus werden 69 Niederlassungen und etwa 1.400 Mitarbeiter in 21 Ländern gesteuert, davon rund 400 in Österreich. Mit zwölf Standorten in den Bundesländern garantiert GrECo Service aus einer Hand und ist über das globale Netzwerk GrECo nova international in 150 Ländern weltweit vertreten.