Seit 2022 schwelt der Konflikt um den Wiener Christkindlmarkt – nun fordert die Initiative Dialog statt Konfrontation
Die Initiative „Rettet den Christkindlmarkt
Der Konflikt um den Wiener Christkindlmarkt am Rathausplatz geht in sein drittes Jahr. Am Heiligen Abend 2024 meldet sich die Initiative „Rettet den Christkindlmarkt" mit einer ungewöhnlichen Botschaft zu Wort: Statt weiterer Konfrontation fordert sie Versöhnung und Dialog mit den politisch Verantwortlichen der Stadt Wien.
Der Wiener Christkindlmarkt am Rathausplatz zählt zu den bekanntesten Adventmärkten Europas. Doch seit der Neugestaltung im Jahr 2022 ist er auch Gegenstand heftiger Auseinandersetzungen. Die Initiative, die sich für die Erhaltung traditioneller Strukturen einsetzt, kritisiert die Veränderungen scharf und sieht den ursprünglichen Charakter des Marktes gefährdet.
Im Zentrum der Kritik steht die Frage, ob der Markt noch den Bedürfnissen der Wiener Bevölkerung entspricht oder primär auf Tourismus ausgerichtet ist. Die Initiative bemängelt unter anderem eine Reduzierung der Standanzahl um rund 50 Hütten sowie eine veränderte Atmosphäre, die weniger auf lokale Tradition als auf eventorientierte Unterhaltung setze.
Was als kulturelle Debatte begann, mündete rasch in juristische Auseinandersetzungen. Die Initiative befindet sich nach eigenen Angaben seit 2022 in gerichtlichen Konflikten mit der Stadt Wien Marketing GmbH, die für die Organisation des Christkindlmarktes verantwortlich zeichnet. Statt eines offenen Dialogs hätten Anzeigen und Klagen dominiert, so der Vorwurf der Initiative.
Die Stadt Wien Marketing GmbH ist eine hundertprozentige Tochtergesellschaft der Stadt Wien und zuständig für die Vermarktung der Bundeshauptstadt als Tourismusdestination. In dieser Funktion organisiert sie auch den Christkindlmarkt am Rathausplatz, der jährlich Millionen von Besuchern anzieht.
Die Initiative richtet ihre Kritik insbesondere an den ehemaligen Wiener Finanzstadtrat Peter Hanke, der seit März 2024 als Verkehrsminister in der Bundesregierung tätig ist. Hanke gilt als einer der politischen Architekten der Neugestaltung des Christkindlmarktes. Eine öffentliche Stellungnahme zu den Vorwürfen und zur anhaltenden Kritik blieb bislang aus.
Die SPÖ Wien, die seit Jahrzehnten die Stadtregierung anführt, wird von der Initiative ebenfalls in die Verantwortung genommen. Der Vorwurf: Ein konstruktiver Dialog über die Zukunft des traditionsreichen Marktes sei nie ernsthaft gesucht worden.
Besonders emotional ist die Perspektive jener Familien, die den Christkindlmarkt über Jahrzehnte hinweg mitgeprägt haben. Eine ehemalige Standlerin, die anonym bleiben möchte, schildert ihre Erfahrungen: Fast 50 Jahre lang habe ihre Familie am Aufbau und der Gestaltung des Marktes mitgewirkt. Der Christkindlmarkt sei Teil ihrer Identität und ihrer wirtschaftlichen Existenz gewesen.
Seit der Umgestaltung 2022 sehen sich nach Angaben der Initiative viele der ehemals prägenden Familien vom Markt ausgeschlossen. Was über Generationen gewachsen sei, werde behandelt, als hätte es nie existiert, so die Kritik. Die betroffenen Familien berichten von einer belastenden Situation, die weit über wirtschaftliche Aspekte hinausgehe und auch emotionale Dimensionen habe.
Die Debatte um den Wiener Christkindlmarkt berührt grundsätzliche Fragen der Stadtentwicklung und des Kulturverständnisses. Auf der einen Seite steht das Bestreben, einen der wichtigsten touristischen Anziehungspunkte Wiens modern und attraktiv zu gestalten. Auf der anderen Seite steht die Forderung nach Bewahrung gewachsener Strukturen und der Berücksichtigung jener Menschen, die den Markt über Jahrzehnte getragen haben.
Die Initiative dokumentiert ihre Aktivitäten und Positionen seit 2022 in einer umfangreichen Pressemappe, die öffentlich zugänglich ist. Darin finden sich nach eigenen Angaben zahlreiche Fakten, Warnungen und Appelle, die den Verlauf des Konflikts nachzeichnen.
Mit ihrer Weihnachtsbotschaft schlägt die Initiative nun einen anderen Ton an. Statt auf Konfrontation setzt sie auf Versöhnung – allerdings unter der Bedingung eines echten Dialogs. Die Bereitschaft zum Gespräch müsse von beiden Seiten kommen, so die Forderung.
Die Initiative betont, dass es ihr nicht um persönliche Angriffe gehe, sondern um das kollektive Gedächtnis der Stadt. Der Christkindlmarkt sei mehr als ein kommerzielles Event – er sei ein Teil der Wiener Kulturgeschichte, der entsprechend behandelt werden müsse.
Eine offizielle Reaktion der Stadt Wien oder der Stadt Wien Marketing GmbH auf die jüngste Botschaft der Initiative liegt zum Zeitpunkt dieser Veröffentlichung nicht vor. Die juristische Auseinandersetzung zwischen den Parteien dauert an.
Die Initiative kündigt an, auch in Zukunft präsent zu bleiben und für ihre Anliegen einzutreten. Man verstehe dies als Pflichtgefühl gegenüber der Geschichte des Marktes und der Familien, die ihn über Generationen hinweg gestaltet haben.
Der Christkindlmarkt am Wiener Rathausplatz hat eine lange Tradition und zählt zu den meistbesuchten Adventmärkten Europas. Mit seinen charakteristischen Holzhütten, dem Weihnachtsbaum und der stimmungsvollen Beleuchtung zieht er jährlich mehrere Millionen Besucher an – sowohl Einheimische als auch Touristen aus aller Welt.
Die Neugestaltung 2022 brachte verschiedene Veränderungen mit sich, darunter neue gestalterische Elemente und eine veränderte Standstruktur. Diese Änderungen wurden von der Stadt als Modernisierung und Qualitätssteigerung kommuniziert, stoßen jedoch bei Teilen der traditionellen Standler und der Initiative auf Widerstand.
Der Konflikt um den Wiener Christkindlmarkt dürfte auch in den kommenden Jahren die Gemüter beschäftigen. Die juristische Auseinandersetzung ist nicht abgeschlossen, und eine politische Lösung scheint derzeit nicht in Sicht. Die Initiative hat angekündigt, ihre Aktivitäten fortzusetzen und weiterhin für einen Dialog mit den Verantwortlichen zu werben.
Ob es zu dem geforderten Gespräch zwischen der Initiative und der Stadt Wien kommen wird, bleibt abzuwarten. Die Weihnachtsbotschaft der Initiative kann als ausgestreckte Hand verstanden werden – allerdings auch als Mahnung, dass die Debatte um die Zukunft des traditionsreichen Marktes noch lange nicht beendet ist.