Studierendenvertretung sieht bewährte Pädagogische Hochschulen in Gefahr
Die AktionsGemeinschaft kritisiert den uniko-Vorstoß scharf und befürchtet längere Ausbildungszeiten sowie weniger Praxisnähe in der Lehrerausbildung.
Ein heftiger Streit um die Zukunft der Lehrerausbildung in Österreich ist entbrannt. Die AktionsGemeinschaft (AG), zweitstärkste Kraft bei der ÖH-Wahl 2025, übt massive Kritik am Vorschlag der Universitätenkonferenz (uniko), "Schools of Education" an österreichischen Universitäten einzuführen. Während uniko-Präsidentin Brigitte Hütter das Modell als innovativen Schritt bewirbt, warnt die Studierendenvertretung vor gravierenden Folgen für die Qualität der Pädagogenausbildung.
"Hier droht man einen funktionierenden Hochschultyp zu schwächen, der schnell, praxisnah und zielgerichtet Lehrerinnen und Lehrer ausbildet und verlagert alles auf Universitäten, die am längsten ausbilden und am stärksten verwissenschaftlicht sind", kritisiert Laurin Weninger, Bundesobmann der AktionsGemeinschaft, den uniko-Vorstoß scharf.
Die Pädagogischen Hochschulen (PHs) haben sich in Österreich als spezialisierte Einrichtungen für die Lehrerausbildung etabliert. Sie zeichnen sich durch ihre starke Praxisorientierung und enge Vernetzung mit Schulen aus. Diese Struktur ermöglicht es angehenden Pädagoginnen und Pädagogen, bereits während des Studiums intensive Erfahrungen im Klassenzimmer zu sammeln.
Die AG sieht in dem uniko-Vorschlag einen problematischen Strukturkampf zwischen verschiedenen Hochschultypen. "Wer diese Struktur zerschlägt oder schrittweise in Universitäten integriert, riskiere längere Ausbildungszeiten, mehr Theorie und weniger unmittelbare Einsatzfähigkeit im Klassenzimmer", so Weninger weiter.
Besonders problematisch sieht die Studierendenvertretung, dass dieser institutionelle Konflikt auf dem Rücken der Studierenden ausgetragen werde. Anstatt sich auf organisatorische Umstrukturierungen zu konzentrieren, sollte der Fokus auf der tatsächlichen Verbesserung der Ausbildungsqualität liegen.
"Wir brauchen bessere Betreuung, mehr Praxis und keine Verwissenschaftlichung der Volksschule. Eine neue Organisationseinheit mit neuem Logo hilft dabei nicht. Wer helfen will, muss an der Qualität arbeiten - nicht an der Verpackung", betont Weninger die Position der AktionsGemeinschaft.
Diese Kritik zielt auf einen zentralen Punkt der österreichischen Bildungsdiskussion: das Verhältnis zwischen theoretischer Fundierung und praktischer Anwendung in der Lehrerausbildung. Die PHs haben sich gerade durch ihre praxisnahe Herangehensweise einen Namen gemacht und unterscheiden sich damit deutlich von der traditionell stärker theorieorientierten universitären Ausbildung.
"Schools of Education" sind in verschiedenen internationalen Bildungssystemen etabliert, besonders in den USA. Diese Einrichtungen sollen die Lehrerausbildung an Universitäten bündeln und professionalisieren. Befürworter argumentieren, dass dadurch eine stärkere wissenschaftliche Fundierung der Pädagogenausbildung erreicht werden könne.
Die AG sieht jedoch gerade in der österreichischen Besonderheit der Pädagogischen Hochschulen einen Vorteil, der nicht leichtfertig aufgegeben werden sollte. Das duale System aus PHs für die Grundausbildung und Universitäten für weiterführende Studien habe sich bewährt.
Ein zentraler Kritikpunkt der AG bezieht sich auf die Ausbildungsdauer. Universitäten sind traditionell für längere Studiengänge bekannt, während Pädagogische Hochschulen auf effiziente, zielgerichtete Ausbildungswege spezialisiert sind. In Zeiten des akuten Lehrermangels in Österreich könnte eine Verlängerung der Ausbildungszeit kontraproduktiv sein.
Die Studierendenvertretung befürchtet, dass eine Integration der Lehrerausbildung in universitäre Strukturen nicht nur zu längeren Studienzeiten führen könnte, sondern auch die unmittelbare Einsatzfähigkeit der Absolventinnen und Absolventen beeinträchtigen würde.
Die AktionsGemeinschaft plädiert dafür, die Diskussion um die Lehrerausbildung nicht auf strukturelle Fragen zu reduzieren. Entscheidend sei nicht, welche Institution organisatorisch zuständig ist, sondern wie schnell und qualitativ hochwertige Pädagoginnen und Pädagogen ausgebildet werden.
Diese Haltung spiegelt eine pragmatische Herangehensweise wider, die sich auf die tatsächlichen Bedürfnisse des Bildungssystems konzentriert. Angesichts des Lehrermangels und der Herausforderungen im österreichischen Schulwesen sollten Reformen primär darauf abzielen, die Ausbildungsqualität zu verbessern und mehr Menschen für den Lehrerberuf zu gewinnen.
Die Kritik der AG wiegt schwer, da die Studierendenvertretung bei der ÖH-Wahl 2025 österreichweit über 20 Prozent der Stimmen erreichte und damit den zweiten Platz belegte. An elf Fach- und Hochschulen stellt sie den Vorsitz der Studierendenvertretung und kann somit für eine breite Studierendenbasis sprechen.
Diese starke Position in der österreichischen Hochschullandschaft verleiht der Kritik am uniko-Vorschlag zusätzliches Gewicht. Die AG vertritt nicht nur eine bildungspolitische Position, sondern auch die direkten Interessen der Studierenden, die von strukturellen Veränderungen unmittelbar betroffen wären.
Die Diskussion um "Schools of Education" reiht sich in eine längere Debatte über die Zukunft der österreichischen Lehrerausbildung ein. Während Reformbefürworter eine stärkere Wissenschaftlichkeit und internationale Anschlussfähigkeit anstreben, warnen Kritiker vor einer Entfernung von der schulischen Praxis.
Die Position der AktionsGemeinschaft zeigt, dass strukturelle Reformen im Bildungsbereich nicht ohne Widerstand durchsetzbar sind. Besonders wenn etablierte und bewährte Systeme in Frage gestellt werden, formiert sich Widerstand von Studierendenvertretungen und anderen Stakeholdern.
Es bleibt abzuwarten, wie die weiteren Diskussionen zwischen uniko, den Pädagogischen Hochschulen, der Politik und den Studierendenvertretungen verlaufen werden. Klar ist jedoch, dass jede Reform der Lehrerausbildung die Bedürfnisse der Studierenden und die Qualität der Ausbildung in den Mittelpunkt stellen muss.