WKÖ-Energiehandel warnt vor Nachfrageschub im Sommer und kritisiert Spritpreisbremse
Während die Treibstoffversorgung derzeit gesichert ist, bereitet sich die Branche auf die Hochsaison vor. Geopolitische Risiken verschärfen die Lage.
Die Versorgung mit Kraftstoffen in Österreich ist aktuell gewährleistet, doch die kritische Phase steht erst bevor. Der Fachverband Energiehandel der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) warnt vor den kommenden Herausforderungen durch steigende Nachfrage und geopolitische Spannungen.
"Die Versorgung ist im Moment stabil, aber der große Nachfrageschub steht uns erst bevor. Pfingsten und die Sommerurlaubszeit sind jedes Jahr die Zeit mit dem höchsten Verbrauch. Genau dann wird es entscheidend, wie robust die internationalen Lieferketten tatsächlich sind", betont Jürgen Roth, Fachverbandsobmann Energiehandel.
Mit Beginn der Pfingstreisetätigkeit und der anschließenden Sommerurlaubszeit beginnt traditionell die Hochsaison für den Treibstoffverbrauch – bei gleichzeitig angespannten internationalen Rahmenbedingungen.
Besonders belastend wirken sich die aktuellen geopolitischen Entwicklungen im Nahen Osten aus. Kraftstoffmengen, die aufgrund des Iran-Konflikts fehlen, stehen dem europäischen Markt nicht zur Verfügung und können auch nicht kurzfristig ersetzt oder nachverarbeitet werden.
"Was jetzt verkauft wird, ist jene Ware, die zuvor in den Raffinerien verarbeitet wurde. Die Lager – auch in Österreich – sind derzeit so gefüllt, dass wir das Hier und Jetzt bewältigen können. Für zusätzliche Störungen, Nachfragespitzen oder eine weitere Eskalation im Nahen Osten gibt es aber kaum Spielraum", warnt Roth.
Besonders kritisch ist die Situation am Dieselmarkt. "Diesel ist derzeit ein extrem knappes Gut und international heiß begehrt. Die Ware fließt dorthin, wo mehr bezahlt wird. Das treibt die Preise und verschärft den Wettbewerb um verfügbare Mengen spürbar", so Roth weiter. "Falls wir unsere PNR-Pflichtnotstandsreserve aufmachen, dann brennt der Hut."
Kritisch äußert sich der Fachverband Energiehandel erneut zur österreichischen Spritpreisbremse. Diese sei im internationalen Kontext wirkungslos und benachteilige vor allem kleinere Marktteilnehmer.
"Multinationale Unternehmen sind nicht bereit, in ihren internationalen Headquartern, Rücksicht auf eine nationale Margenreduktion von fünf Cent zu nehmen. Nicht auszudenken, wenn diese Kraftstoffströme nicht mehr nach Österreich kommen würden", stellt Roth klar. "Wenn selbst große Player wie die OMV diese Reduktion nicht einfach abfedern können, dann können kleinere, unabhängige Tankstellen das erst recht nicht."
Der Fachverband Energiehandel appelliert daher an die Politik, die Margenreduktionsverordnung auslaufen zu lassen und Steuersenkungen zur Preisregulierung einzuführen, um die Versorgungssicherheit nicht zusätzlich zu gefährden.