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Ö3-Jugendstudie 2026: GenZ bleibt trotz Krisen optimistisch

13.500 junge Österreicher zeigen: Zuversicht ja, aber Handlungsbedarf in vielen Bereichen

15. April 2026 um 05:31
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Die neue Ö3-Jugendstudie offenbart eine Generation zwischen Optimismus und Sorgen - 86% blicken positiv in die Zukunft.

Die Generation Z in Österreich zeigt sich bemerkenswert widerstandsfähig: Trotz multipler Krisen und gesellschaftlicher Herausforderungen blicken 86 Prozent der 16- bis 25-Jährigen optimistisch in ihre persönliche Zukunft. Das zeigt die aktuelle Ö3-Jugendstudie 2026, für die über 20.000 junge Menschen befragt wurden.

Rekordteilnahme zeigt hohes Interesse

Vier Wochen lang konnten sich junge Menschen an der bereits sechsten Ausgabe der Ö3-Jugendstudie beteiligen. Die beeindruckende Resonanz von 19.508 Teilnehmern, davon 13.457 in der Kernzielgruppe der 16- bis 25-Jährigen, unterstreicht das große Interesse der Generation Z, ihre Stimme zu gesellschaftlichen Themen zu erheben.

"Die Ö3-Jugendstudie 2026 zeigt eine Generation, die trotz Krisen zuversichtlich bleibt – und gleichzeitig sehr klar sagt, wo es Veränderung braucht", erklärt Ingrid Thurnher, interimistische ORF-Generaldirektorin und Radiodirektorin. "Für den ORF ist das ein Auftrag, zuzuhören, Orientierung zu geben und Debattenräume auf Augenhöhe zu öffnen."

Lebenszufriedenheit trotz Herausforderungen

Ein zentrales Ergebnis der Studie: 87 Prozent der befragten jungen Menschen sind mit ihrem Leben zufrieden. Diese hohe Zufriedenheit basiert vor allem auf guten sozialen Beziehungen und finanzieller Sicherheit. Dennoch zeigen die Daten auch deutliche Sorgen auf.

Die größten Ängste der Generation Z kreisen um wirtschaftliche Sicherheit: 40 Prozent sorgen sich darum, "genug Geld zu haben", 31 Prozent um "leistbare Wohnungen" und 27 Prozent fürchten "soziale Unruhen". Nur 41 Prozent glauben daran, sich in zehn Jahren ein Einfamilienhaus leisten zu können.

Traditionelle Werte bleiben wichtig

Trotz gesellschaftlicher Umbrüche hält die Generation Z an traditionellen Lebensvorstellungen fest: 66 Prozent sehen sich in Zukunft verheiratet, 65 Prozent mit Kindern. Treue in Partnerschaften ist für 73 Prozent wichtig – ein Wert, der die oft unterstellte Bindungsscheu widerlegt.

Digitale Herausforderungen und Bildungswünsche

Die Studie deckt auch problematische Aspekte der Digitalisierung auf: Die Hälfte der Generation Z verbringt täglich fünf oder mehr Stunden vor einem Bildschirm. 73 Prozent haben sich bereits in endlosen Social-Media-Feeds verloren, 53 Prozent haben schlechte Nachrichten im Dauerscroll-Modus konsumiert.

Besonders bedenklich: Mehr als die Hälfte der jungen Frauen (56 Prozent) hat ungefragt sexualisierte Inhalte erhalten, rund jede Fünfte (22 Prozent) war mit Grooming konfrontiert.

Schule der Zukunft: Digital, aber nicht nur

Für die Bildung haben junge Menschen klare Vorstellungen: Die Schule der Zukunft soll zwar digital kompetent machen, aber Digitalisierung darf nicht zum Selbstzweck werden. 96 Prozent wünschen sich mehr Wissen fürs Alltagsleben, insbesondere Finanzwissen. Weitere Prioritäten:

  • 88% mehr Allgemeinwissen
  • 87% mehr Raum für Diskussion
  • 85% mehr interaktives Lernen
  • 62% wollen KI zielgerichtet in der Schule lernen

Arbeitswelt: Sicherheit vor Work-Life-Balance

Bei der Arbeit der Zukunft steht für die Generation Z zunächst die Existenzsicherung im Vordergrund: 70 Prozent wollen, dass der Job den Lebensunterhalt sichert. Darüber hinaus sind folgende Aspekte wichtig:

  • 78% möchten ernst genommen werden
  • 74% wünschen sich einen sicheren Arbeitsplatz
  • 72% wollen in einem guten Team arbeiten
  • 70% möchten etwas Sinnvolles tun

Überraschend: Work-Life-Balance ist mit 62 Prozent weniger wichtig als oft angenommen – ein Hinweis darauf, dass die Krisenjahre das Sicherheitsbedürfnis verstärkt haben.

Energie und Umwelt: Nachhaltig, aber pragmatisch

Beim Thema Energie zeigt sich die Generation Z als nachhaltigkeitsorientiert, aber realistisch. Die jungen Menschen erwarten, dass erneuerbare Energien deutlich an Bedeutung gewinnen:

  • 96% sehen Solarenergie als zukunftsträchtig
  • 92% setzen auf Wasserkraft
  • 91% auf Windenergie
  • 78% fänden ein Windrad in ihrer Umgebung gut

Gleichzeitig bleiben sie pragmatisch: 65 Prozent gehen davon aus, dass fossile Brennstoffe weiterhin genutzt werden. 78 Prozent bevorzugen österreichische Lebensmittel, wenn möglich.

Politik und gesellschaftliche Teilhabe

Das politische Interesse der Generation Z ist hoch: 74 Prozent interessieren sich für Politik, 89 Prozent verfolgen aktuelle Nachrichten. 55 Prozent tun dies, um an gesellschaftlichen Debatten teilzuhaben, 34 Prozent wollen trotz der emotionalen Belastung informiert bleiben.

Allerdings fühlt sich die Mehrzahl der jungen Menschen von der Politik nicht vertreten: 48 Prozent sehen sich wenig, 33 Prozent gar nicht von der Politik repräsentiert. 82 Prozent haben dennoch kein Problem damit, andere Meinungen zu akzeptieren.

Europa ja, aber nicht militärisch

Bei der Konfliktlösung setzt die Generation Z auf Kooperation statt Aufrüstung: 89 Prozent befürworten stärkere Zusammenarbeit der EU-Staaten, 66 Prozent lehnen eine Verlängerung des Wehrdienstes ab, 56 Prozent sprechen sich gegen Aufrüstung aus. Eine gemeinsame europäische Armee möchte die Mehrzahl (62 Prozent) jedoch nicht.

Dringender Handlungsbedarf in vielen Bereichen

Die Studie zeigt deutlichen Handlungsbedarf in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen auf:

  • 78% sehen Dringlichkeit bei der Wirtschaftskrise
  • 77% beim Abbau ökonomischer Ungleichheit
  • 73% in der Pflege
  • 73% bei der Zuwanderung
  • 71% bei der Wegwerfgesellschaft
  • 69% beim Klimawandel

Interessant dabei: 64 Prozent sagen, dass Österreich ohne Zuwanderung schlechter dran wäre – ein differenziertes Bild jenseits populistischer Vereinfachungen.

Die Botschaft an die Gesellschaft

Die zentrale Botschaft der Generation Z an die Gesellschaft ist klar: Es braucht mehr Diskussionsbereitschaft, ein Miteinander auf Augenhöhe und die Bereitschaft, Gestaltungsräume auszuschöpfen. Die junge Generation fühlt sich oft ausgeschlossen und nicht gehört, obwohl es häufig um ihre Zukunft geht.

"Die Ö3-Jugendstudie ist für uns als Radiosender von großer Bedeutung – heuer bereits zum sechsten Mal", betont Ö3-Senderchef Michael Pauser. "Sie gibt uns konkrete Einblicke, was 16- bis 25-Jährige bewegt. Dieses Feedback nehmen wir ernst und lassen es in unsere Inhalte einfließen."

Optimismus trotz globaler Sorgen

Das bemerkenswerteste Ergebnis der Studie ist vielleicht die Fähigkeit der Generation Z, zwischen globalen Sorgen und persönlichem Optimismus zu unterscheiden: Während 79 Prozent die weltweiten Entwicklungen pessimistisch einschätzen, bleiben 86 Prozent für ihr eigenes Leben optimistisch und sehen sich mit ausreichenden Handlungsspielräumen ausgestattet (66 Prozent).

Diese Haltung zeigt eine reife Generation, die trotz schwieriger Umstände nicht in Fatalismus verfällt, sondern aktiv an ihrer Zukunft arbeiten möchte. Die hohe Teilnahme an der Studie selbst ist bereits ein Beleg dafür, dass die Generation Z gehört werden und mitgestalten möchte.

Die Ö3-Jugendstudie wird als jährlicher Fixpunkt im Frühjahr durchgeführt und ermöglicht durch einen Pool an Basis-Fragen langfristige Vergleiche von Einstellungen und Werten. Die wissenschaftliche Begleitung erfolgt durch das Sozialforschungsinstitut FORESIGHT, unterstützt wird das Projekt von ORF Public Value.

Schlagworte

#Ö3#Jugendstudie#Generation Z#ORF#Jugend#Österreich#Zukunft#Politik

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