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Netzraum Kärnten: Halbzeit bei Österreichs Jahrhundertprojekt

APG und Kärnten Netz ziehen positive Zwischenbilanz bei der Planung der 380-kV-Leitung

14. April 2026 um 12:51
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Das Stromnetz-Großprojekt erreicht Planungshalbzeit. Über 60% der Trasse verläuft im Wald, Gesundheitsaspekte stehen im Fokus.

Das Jahrhundertprojekt "Netzraum Kärnten" von Austrian Power Grid (APG) und Kärnten Netz hat einen wichtigen Meilenstein erreicht: Die Planung der neuen 380-kV-Verbindung zwischen Lienz in Osttirol und Obersielach in Kärnten befindet sich in der Halbzeit. Bei einem Mediengespräch im Netzraum Kärnten Infocenter in Klagenfurt zogen die Projektverantwortlichen eine positive Zwischenbilanz.

Konstruktive Zusammenarbeit mit Gemeinden

Projektleiter Wolfgang Hafner zeigte sich zufrieden mit dem bisherigen Verlauf: "Es geht bei den Gesprächen darum, Lösungen zu finden und nicht darum, das Projekt zu verhindern. Das war bei einigen unserer vergangenen Projekte nicht so – deshalb möchte ich mich bei allen Beteiligten für die gute Zusammenarbeit bedanken."

Die intensive Dialogphase mit Gemeinden und Grundeigentümern hat bereits konkrete Ergebnisse gebracht. "Mit ganz vielen Gemeinden haben wir die Trasse mit den gewünschten Änderungsanpassungen gemeinsam fixiert", erklärt Hafner. Mehrere Gemeinden haben bereits angekündigt, den endgültigen Trassenverlauf über Gemeinderatsbeschlüsse zu fixieren.

Intensive Untersuchungen vor Ort beginnen

Nach der erfolgreichen ersten Planungsphase startet nun die Intensiv-Phase mit umfangreichen Vor-Ort-Untersuchungen. Geologische und ökologische Kartierungen werden durchgeführt, ebenso die detaillierte Erhebung von Quellen und Wegen. Der Großteil der 192 Kilometer langen Gesamttrasse ist bereits festgelegt – nur in wenigen Bereichen gibt es noch zwei Varianten, über die bis Sommer 2026 entschieden wird.

"Wir brauchen die Unterstützung der Gemeinden und Grundeigentümer, die Gespräche auf Augenhöhe sowie den Informationsaustausch auch in der zweiten Halbzeit", appelliert Hafner. Bis Ende Herbst 2026 sollen die Maststandorte und Zufahrten festgelegt werden.

Gesundheitsaspekte im Fokus der Planung

Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der gesundheitlichen Unbedenklichkeit des Projekts. Die Planung erfolgt interdisziplinär unter Einbindung von Fachleuten aus den Bereichen EMF (elektromagnetische Felder), Schalltechnik, Lufttechnik und Humanmedizin.

"Austrian Power Grid und Kärnten Netz betreiben seit Jahrzehnten tausende Kilometer Hochspannungsleitungen", betont Klemens Reich von der APG. "Bei allen sieben UVP-Genehmigungsverfahren für neue Höchst- und Hochspannungsleitungen der vergangenen Jahre wurden unabhängige Humanmediziner zur Beurteilung beigezogen. Das Ergebnis war stets: Mit Einhaltung der Grenzwerte sind keine negativen gesundheitlichen Auswirkungen zu erwarten."

Aktuelle Studienlage zu EMF und Gesundheit

Eine neue Gesamtbewertung der medizinischen Forschung zum Thema "EMF und Gesundheit" von Univ.-Prof. Dr. Gerald Haidinger vom Zentrum für Public Health der MedUni Wien untermauert diese Einschätzung. Dr. Heinz Fuchsig, Umwelt- und Arbeitsmediziner der Österreichischen Ärztekammer, fasst zusammen: "Der aktuelle Forschungsstand zeigt, dass trotz jahrzehntelanger intensiver Untersuchungen keine gesundheitsschädlichen Effekte durch niederfrequente elektromagnetische Felder sicher nachgewiesen worden sind."

Die geltenden Grenzwerte böten ein hohes Schutzniveau. "Bei deren Einhaltung kann eine Gefährdung der menschlichen Gesundheit mit hoher Sicherheit ausgeschlossen werden, da keine Hinweise auf relevante biologische Effekte vorliegen", so Fuchsig weiter.

Umweltverträglichkeit durch Waldtrasse

Das Prinzip "Mensch vor Natur" wird konsequent umgesetzt: Über 60 Prozent der Trasse verläuft im Wald, wodurch die Belastung für Wohngebiete minimiert wird. Die Leitung wird in möglichst großem Abstand zu Siedlungen geplant, soweit dies technisch und topografisch möglich ist.

Christian Bellina, verantwortlich für die Umweltverträglichkeitserklärung bei der APG, erklärt: "Ziel ist es, auf Basis fundierter wissenschaftlicher Erkenntnisse Lösungen zu entwickeln, die sowohl eine leistungsfähige Stromversorgung als auch eine umweltverträgliche Trasse bieten."

Jahrhundertchance für Kärnten und Osttirol

Das Kooperationsprojekt von APG und Kärnten Netz soll das Netz fit für die Anforderungen der nächsten 100 Jahre machen. Die neue 380-kV-Verbindung mit 110-kV-Mitführung schließt bestehende Lücken im österreichischen Höchstspannungsnetz und stärkt gleichzeitig das regionale Netz deutlich.

Von den 192 Kilometern Gesamt-Trassenlänge entfallen etwa 170 Kilometer auf die Mitführung. Rund 140 Kilometer bestehender 110-kV-Leitungen der Kärnten Netz werden im Rahmen des Projekts rückgebaut – ein wichtiger Beitrag zur Entlastung der Landschaft.

Wirtschaftliche Bedeutung für die Region

Das Projekt eröffnet eine Jahrhundertchance: Es stärkt Kärnten und Osttirol als Wirtschafts- und Lebensraum, sichert die Stromversorgung kommender Generationen und ermöglicht die zusätzliche Einspeisung von Strom aus erneuerbarer Energie. Zudem unterstützt es den schrittweisen Ausstieg aus fossilen Brennstoffen.

Als unabhängiger Übertragungsnetzbetreiber investiert APG massiv in die Zukunft: 680 Millionen Euro fließen 2026 in Infrastrukturprojekte, bis 2034 sind insgesamt rund 9 Milliarden Euro für Netzaus- und Umbau vorgesehen. Diese Investitionen fungieren als wichtiger Wirtschaftsmotor und sind wesentlicher Baustein für die Erreichung der österreichischen Energieziele.

Transparenz und Information

Die Projektverantwortlichen setzen auf umfassende Information der Bevölkerung. Ein Factsheet und weitere Informationen zum Thema Gesundheit und EMF sind auf dem Bürger-Infoportal www.netzraumkaernten.at verfügbar.

APG betreibt das österreichische Übertragungsnetz mit einer Trassenlänge von etwa 3.500 Kilometern und 67 Umspannwerken. Mit einem Team von rund 1.000 Spezialisten erreicht das Unternehmen eine Versorgungssicherheit von 99,99 Prozent – ein Wert im weltweiten Spitzenfeld.

Das Projekt Netzraum Kärnten steht exemplarisch für die Herausforderungen der Energiewende: Es gilt, die Stromversorgung zu sichern, erneuerbare Energien zu integrieren und gleichzeitig höchste Umwelt- und Gesundheitsstandards einzuhalten. Die bisherige Projektentwicklung zeigt, dass dies durch konstruktive Zusammenarbeit aller Beteiligten gelingen kann.

Schlagworte

#Stromnetz#Kärnten#Infrastruktur#Energiewende#APG

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