APG und Kärnten Netz ziehen positive Zwischenbilanz bei der Planung der 380-kV-Leitung
Das Stromnetz-Großprojekt erreicht Planungshalbzeit. Über 60% der Trasse verläuft im Wald, Gesundheitsaspekte stehen im Fokus.
Das Jahrhundertprojekt "Netzraum Kärnten" von Austrian Power Grid (APG) und Kärnten Netz hat die Halbzeit der Planung erreicht. Beim Mediengespräch im Netzraum Kärnten Infocenter in Klagenfurt gaben APG und KNG einen Überblick über den aktuellen Planungsstand und einen Ausblick auf die kommenden Monate.
Projektleiter Wolfgang Hafner zeigte sich zufrieden mit dem bisherigen Verlauf: "Es geht bei den Gesprächen darum, Lösungen zu finden und nicht darum, das Projekt zu verhindern. Das war bei einigen unserer vergangenen Projekte nicht so – deshalb möchte ich mich bei allen Beteiligten für die gute Zusammenarbeit bedanken."
APG und KNG haben in den letzten Monaten viele Gespräche mit Gemeinden und Grundeigentümer:innen geführt. "Mit ganz vielen Gemeinden haben wir die Trasse mit den gewünschten Änderungsanpassungen gemeinsam fixiert. Es wurde schon von einigen Gemeinden angekündigt, den nun endgültigen Trassenverlauf über Gemeinderatsbeschlüsse zu fixieren. Wir sind natürlich gerne bereit, gemeinsam die jeweiligen Gemeindebürger:innen bei Veranstaltungen darüber zu informieren", so Hafner.
Die Intensiv-Phase mit zahlreichen Untersuchungen vor Ort startet: Geologische und ökologische Kartierungen werden durchgeführt, ebenso die detaillierte Erhebung von Quellen und Wegen. In enger Zusammenarbeit mit den betroffenen Gemeinden und Grundeigentümer:innen wird die Planung weiter konkretisiert. Der OTS nennt, dass der Großteil der Trasse bereits festgelegt ist und es nur ganz wenige Bereiche mit zwei Varianten gibt; zu diesen erfolgen derzeit Untersuchungen und Entscheidungen sollen bis Sommer 2026 fallen. Hafner appelliert: "Wir brauchen die Unterstützung der Gemeinden und Grundeigentümer:innen, die Gespräche auf Augenhöhe sowie den Informationsaustausch auch in der zweiten Halbzeit. Nun geht es um die Festlegung der Maststandorte und Zufahrten bis Ende Herbst 2026."
Die Planung erfolgt interdisziplinär unter Einbindung von Fachleuten aus den Bereichen EMF (elektromagnetische Felder), Schalltechnik, Lufttechnik und Humanmedizin, um den Schutz der Bevölkerung zu berücksichtigen. Zur fundierten Einordnung werden aktuelle nationale und internationale Forschungsergebnisse systematisch ausgewertet und eigene Studien in Auftrag gegeben, heißt es in der OTS. Klemens Reich von der APG verweist darauf, dass bei vergangenen UVP-Genehmigungsverfahren unabhängige Humanmediziner:innen beigezogen wurden und die behördlichen Prüfungen ergaben, dass mit Einhaltung der vorgesehenen Grenzwerte keine negativen gesundheitlichen Auswirkungen zu erwarten sind. Auch beim Projekt Netzraum Kärnten werde die Humanmedizin Teil des UVP-Verfahrens sein.
Im Rahmen des Mediengesprächs wurde eine neue Gesamtbewertung der Studienlage zum Thema "EMF und Gesundheit" von Univ.-Prof. Dr. Gerald Haidinger (MedUni Wien) präsentiert. Dr. Heinz Fuchsig, Umwelt- und Arbeitsmediziner, Co-Referent bei der Österreichischen Ärztekammer, wird in der OTS mit den Aussagen zitiert: "Der aktuelle Forschungsstand zeigt, dass trotz jahrzehntelanger intensiver Untersuchungen keine gesundheitsschädlichen Effekte durch niederfrequente elektromagnetische Felder sicher nachgewiesen worden sind. Zudem bieten die geltenden Grenzwerte ein hohes Schutzniveau. Bei deren Einhaltung kann eine Gefährdung der menschlichen Gesundheit mit hoher Sicherheit ausgeschlossen werden, da keine Hinweise auf relevante biologische Effekte vorliegen."
Alle gesundheitsrelevanten Fragestellungen werden im Zuge der Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) untersucht. Aspekte wie Lärmemissionen im Betrieb, die Sicherung von Luft-, Boden- und Wasserqualität sowie Auswirkungen auf Landschafts- und Erholungsräume fließen in die Analysen ein. Die Trasse wird – soweit technisch und topografisch möglich – in möglichst großem Abstand zu Siedlungen geplant. In der OTS heißt es, dass über 60 % der Trasse im Wald verläuft. Christian Bellina, Verantwortlicher für die Erstellung der Umweltverträglichkeitserklärung bei der APG, fasst zusammen: "Ziel ist es, auf Basis fundierter wissenschaftlicher Erkenntnisse Lösungen zu entwickeln, die sowohl eine leistungsfähige Stromversorgung als auch eine umweltverträgliche Trasse bieten."
Netzraum Kärnten ist ein Kooperationsprojekt von Austrian Power Grid (APG) und Kärnten Netz (KNG-Kärnten Netz). Ziel ist es, das Netz für die kommenden Jahrzehnte zu stärken, bestehende Lücken im österreichischen Höchstspannungsnetz zu schließen und das regionale 110-kV-Netz zu stärken. Das Vorhaben besteht aus einer neuen 380-kV-Verbindung samt 110-kV-Mitführung zwischen Lienz in Osttirol und Obersielach in Kärnten. Die OTS nennt eine Gesamt-Trassenlänge von 192 km, davon ca. 170 km Mitführung. Rund 140 km bestehender 110-kV-Leitungen der Kärnten Netz werden im Rahmen des Projekts rückgebaut.
In der OTS werden Investitionszahlen von APG genannt: 680 Millionen Euro Investitionen 2026 (2025: 595 Mio., 2024: 440 Mio., 2023: 490 Mio. Euro) sowie ein Ausblick, dass APG bis 2034 rund 9 Milliarden Euro in den Netzaus- und Umbau investieren werde. APG betreibt das österreichische Übertragungsnetz mit einer Trassenlänge von etwa 3.500 Kilometern und 67 Umspannwerken; das Unternehmen gibt die Zahl von rund 1.000 Mitarbeiter:innen sowie eine angeführte Versorgungssicherheit von 99,99 Prozent an.
Die Projektverantwortlichen setzen auf Information der Bevölkerung. Ein Factsheet und weitere Informationen zum Thema Gesundheit & EMF sind laut OTS ab 15.4.2026 auf dem Bürger-Infoportal www.netzraumkaernten.at als Download verfügbar.