Mehr als 35.000 Übernahmen zwischen 2020 und 2024 - Experten raten zu frühzeitiger Planung
In den nächsten Jahren stehen rund 25.000 österreichische Unternehmen vor einer Übernahme. 60% finden Nachfolger außerhalb der Familie.
Der österreichische M&A-Markt zeigt sich äußerst dynamisch: Zwischen 2020 und 2024 kam es zu mehr als 35.000 Unternehmensübernahmen, was einer bemerkenswerten Steigerung von knapp 23 Prozent entspricht. Diese Entwicklung spiegelt nicht nur die wirtschaftliche Erholung nach der Pandemie wider, sondern auch den strukturellen Wandel in der österreichischen Unternehmenslandschaft.
Die Zahlen verdeutlichen einen wichtigen Trend: In den kommenden Jahren werden etwa 25.000 Unternehmen in Österreich vor einer Übernahme oder Nachfolgeregelung stehen. Dabei zeigt sich eine signifikante Verschiebung bei der Nachfolgegestaltung - rund 60 Prozent der Unternehmen finden ihre Nachfolger mittlerweile außerhalb der eigenen Familie.
"Diese Entwicklung ist primär dem demografischen Wandel geschuldet", erklärt Helmut Artacker, Geschäftsführer der Czako Partner GmbH, einem auf Unternehmensnachfolge spezialisierten Beratungsunternehmen. "Viele Unternehmerinnen und Unternehmer der Nachkriegsgeneration gehen in den Ruhestand, während ihre Kinder oft andere berufliche Wege eingeschlagen haben oder das familiäre Unternehmen nicht übernehmen möchten."
Die Komplexität von Unternehmensverkäufen hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Regulatorische Anforderungen, veränderte Bewertungsmaßstäbe und ein anspruchsvoller Käufermarkt machen eine professionelle Begleitung nahezu unverzichtbar. "Bei der Nachfolgeregelung lohnt es sich, einen Experten hinzuzuziehen, der die Herausforderungen des Marktes kennt und mit Wissen und Erfahrung zur Seite steht", betont Artacker.
Die Erfahrung zeigt, dass erfolgreiche Unternehmensverkäufe eine sorgfältige Vorbereitung erfordern. Der komplexe Verkaufsprozess umfasst mehrere kritische Phasen: von der ersten Bewertung über die Erstellung professioneller Verkaufsunterlagen bis hin zu Verhandlungen mit potenziellen Käufern und dem finalen Verkaufsabschluss.
Ein professioneller Unternehmensverkauf gliedert sich typischerweise in mehrere Phasen. Am Beginn steht eine umfassende Unternehmensbewertung, die nicht nur die finanziellen Kennzahlen berücksichtigt, sondern auch strategische Faktoren wie Marktposition, Kundenstamm und Zukunftspotenzial einbezieht.
Im nächsten Schritt wird ein detailliertes Exposé erstellt, das potenziellen Käufern alle relevanten Informationen über das Unternehmen vermittelt. Parallel dazu entwickeln Experten eine maßgeschneiderte Verkaufsstrategie, die auf die spezifischen Eigenschaften des Unternehmens und die aktuellen Marktbedingungen abgestimmt ist.
"Die Erfahrung zeigt uns, dass mit der Planung eines möglichen Firmenverkaufes frühzeitig begonnen werden soll", warnt Artacker. "Es kann ein Jahr und länger dauern, ein Unternehmen erfolgreich zu verkaufen und damit den Fortbestand zu sichern." Diese Zeitspanne ist notwendig, um das Unternehmen optimal auf den Verkauf vorzubereiten und den bestmöglichen Preis zu erzielen.
Ein besonders sensibles Thema bei Unternehmensverkäufen ist die Wahrung der Vertraulichkeit. Vorzeitige Informationen über geplante Verkäufe können negative Auswirkungen auf Mitarbeiter, Kunden und Geschäftspartner haben. Professionelle Berater verfügen über die notwendigen Verfahren und Erfahrungen, um den gesamten Prozess diskret abzuwickeln.
"Wir haben die branchenübergreifende Expertise, um den Unternehmensverkauf professionell und somit auch absolut diskret abzuwickeln", erklärt der Experte. Dies umfasst sowohl die Kommunikation mit potenziellen Käufern als auch die interne Koordination im verkaufenden Unternehmen.
Ein entscheidender Erfolgsfaktor bei Unternehmensverkäufen ist der Zugang zu einem breiten Netzwerk qualifizierter Käufer. Professionelle M&A-Berater arbeiten mit Käufern und Verkäufern aus allen Branchen zusammen - von Gewerbe und Handel bis hin zu Dienstleistung und Industrie.
Die Vielfalt der potenziellen Käufer hat sich in den vergangenen Jahren deutlich erweitert. Neben traditionellen strategischen Käufern - also Unternehmen der gleichen oder verwandter Branchen - spielen zunehmend auch Finanzinvestoren, Family Offices und internationale Käufer eine wichtige Rolle am österreichischen M&A-Markt.
Der österreichische M&A-Markt zeigt sich auch im internationalen Vergleich robust. Die Kombination aus stabilen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, innovativen mittelständischen Unternehmen und der strategischen Lage in Mitteleuropa macht österreichische Unternehmen für internationale Investoren attraktiv.
Besonders gefragt sind derzeit Unternehmen aus den Bereichen Technologie, Gesundheitswesen, erneuerbare Energien und Digitalisierung. Aber auch traditionelle Branchen wie Maschinenbau, Automotive-Zulieferer und Tourismus ziehen weiterhin das Interesse von Käufern auf sich.
Trotz der günstigen Marktlage gibt es auch Herausforderungen. Gestiegene Zinsen haben die Finanzierungskosten für Übernahmen erhöht, was sich auf die Bewertungen auswirken kann. Gleichzeitig führen geopolitische Unsicherheiten zu einer vorsichtigeren Herangehensweise bei grenzüberschreitenden Transaktionen.
Für Verkäufer bedeutet dies, dass eine noch sorgfältigere Vorbereitung und professionelle Begleitung notwendig sind, um trotz dieser Herausforderungen optimale Verkaufsergebnisse zu erzielen.
Experten raten Unternehmern, die einen Verkauf erwägen, zu einer frühzeitigen und systematischen Vorbereitung. Dazu gehört die regelmäßige Aktualisierung der Unternehmensdokumentation, die Optimierung der Finanzberichterstattung und die strategische Weiterentwicklung des Geschäftsmodells.
"Unternehmerinnen und Unternehmern, die eine professionelle Nachfolgeregelung suchen, bieten spezialisierte Beratungsunternehmen in der Regel kostenlose Erstberatungen an", erklärt Artacker. "Dabei können erste Fragen geklärt und der individuelle Beratungsbedarf ermittelt werden."
Die positive Entwicklung des österreichischen M&A-Marktes zeigt, dass gut vorbereitete Unternehmensverkäufe auch in herausfordernden Zeiten erfolgreich abgewickelt werden können. Entscheidend sind dabei die richtige Timing, professionelle Vorbereitung und die Zusammenarbeit mit erfahrenen Beratern, die über das notwendige Netzwerk und die Branchenexpertise verfügen.