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Proteste für Bleiberecht: Geschwister droht Abschiebung

Bündnis mobilisiert für Joseph und Victoria Oshakuade

9. April 2026 um 10:02
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Nach über acht Jahren in Österreich soll das Innsbrucker Geschwisterpaar nach Nigeria abgeschoben werden. Breites Bündnis kündigt Proteste an.

Ein breites gesellschaftliches Bündnis mobilisiert für das Wochenende zu Protesten gegen die geplante Abschiebung der Geschwister Joseph und Victoria Oshakuade. Das Geschwisterpaar lebt seit über acht Jahren in Österreich und ist nach eigenen Angaben gut integriert – dennoch droht ihnen die Ausweisung nach Nigeria.

Gut integriert, aber ohne Aufenthaltsberechtigung

Joseph Oshakuade studiert am Management Center Innsbruck (MCI), während seine Schwester Victoria eine IT-Ausbildung absolviert. Beide haben sich in Tirol ein Leben aufgebaut, Freundschaften geschlossen und ihre Ausbildungswege verfolgt. Dennoch steht ihre Zukunft in Österreich auf dem Spiel.

"Dass Innenminister Karner an dieser unmenschlichen Entscheidung festhält, ist eine moralische Bankrotterklärung", kritisiert Selina Wienerroither aus dem Vorsitzteam der Österreichischen Hochschüler_innenschaft (ÖH). Die Entscheidung würde die beiden aus ihrem sozialen Umfeld und ihren Bildungswegen herausreißen.

Zum Herkunftsland Nigeria haben die Geschwister nach eigenen Angaben keinen Bezug mehr. "Joseph und Victoria sind Teil unserer Gemeinschaft und müssen bleiben", stellt Viktoria Kudrna aus dem ÖH-Vorsitz klar.

Breites Bündnis formiert sich

Für die Proteste hat sich ein Bündnis aus verschiedenen Organisationen zusammengeschlossen. Neben der ÖH beteiligen sich SOS Balkanroute, die Plattform #aufstehn und die Asylkoordination Österreich an den Demonstrationen. Auch lokale Hochschüler_innenschaften wie die ÖH MCI, ÖH BOKU und ÖH Uni Wien haben sich der Initiative angeschlossen.

"Der Zuspruch ist enorm und fast 33.000 Unterschriften für Joseph und Victoria sprechen eine klare Sprache", berichtet Petar Rosandić von SOS Balkanroute. Die Online-Petition kann weiterhin auf der Plattform mein.aufstehn.at unterstützt werden.

Proteste in Wien und Innsbruck geplant

Die Proteste finden an zwei Standorten statt: Am Freitag um 18:00 Uhr ist eine Kundgebung vor dem Innenministerium in der Wiener Herrengasse 7 geplant. Am Samstag folgt um 14:00 Uhr eine Demonstration in Innsbruck vor der Annasäule.

Joseph und Victoria Oshakuade werden bei beiden Veranstaltungen anwesend sein und eine Rede halten. In Wien sorgt das Geschwisterduo EsRap aus Ottakring für die musikalische Begleitung der Kundgebung.

Kritik am österreichischen Asylsystem

Die Organisatoren sehen in dem Fall ein grundsätzliches Problem des österreichischen Asylsystems. Selbst bei erfolgreicher Integration könne am Ende die Abschiebung stehen, was völlig falsche Signale sende.

"An diesem Fall wird sich zeigen, wie viel Menschlichkeit in der österreichischen Politik noch vorhanden ist", kommentiert Umut Ovat aus dem ÖH-Vorsitz die Situation. Der Fall werfe Fragen zur Praxis der Asylbehörden auf, wenn selbst langjährige Aufenthalte und nachweisliche Integration nicht vor Abschiebungen schützten.

Hintergrund zur Asylpolitik

Der Fall der Geschwister Oshakuade reiht sich in eine Serie ähnlicher Fälle ein, die in den vergangenen Jahren öffentliche Aufmerksamkeit erhalten haben. Immer wieder sorgen Abschiebungen gut integrierter Personen für gesellschaftliche Debatten über die Härte des österreichischen Asylsystems.

Besonders betroffen sind oft junge Menschen, die einen Großteil ihres Lebens in Österreich verbracht haben und deren Lebensmittelpunkt hier liegt. Critics bemängeln, dass das System zu wenig Flexibilität für Härtefälle vorsehe.

Unterstützung aus der Zivilgesellschaft

Die hohe Zahl der Petition-Unterschriften zeigt das gesellschaftliche Interesse an dem Fall. Neben den organisierten Protesten haben sich auch Privatpersonen, Vereine und andere Bildungseinrichtungen solidarisch erklärt.

Die Demonstrationen sollen nicht nur auf den konkreten Fall aufmerksam machen, sondern auch grundsätzliche Reformen in der Asyl- und Integrationspolitik einfordern. Die Veranstalter hoffen auf eine breite Beteiligung aus verschiedenen gesellschaftlichen Schichten.

Medienbegleitung erwünscht

Die Organisatoren haben ausdrücklich Medienvertreter zu den Veranstaltungen eingeladen. Vor Ort soll es die Möglichkeit geben, Interviews zu führen und die Proteste zu dokumentieren.

Die öffentliche Aufmerksamkeit ist ein wichtiger Baustein der Kampagne, um politischen Druck für eine Änderung der Entscheidung aufzubauen. Ob die Proteste und die Petition tatsächlich eine Wende bewirken können, bleibt abzuwarten.

Der Fall Joseph und Victoria Oshakuade steht exemplarisch für die Herausforderungen der österreichischen Asylpolitik zwischen rechtlichen Bestimmungen und menschlichen Härtefällen. Das Wochenende wird zeigen, wie groß der gesellschaftliche Rückhalt für das Geschwisterpaar tatsächlich ist.

Schlagworte

#Asyl#Abschiebung#ÖH#Proteste#Integration

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