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Spritpreise explodieren: 70 Cent mehr in einem Monat

ÖAMTC kritisiert Spritpreisbremse als unzureichend

1. April 2026 um 09:51
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Diesel kostete zuletzt fast 2,25 Euro pro Liter - ein neuer Rekordwert. Die neue Spritpreisbremse bringt nur zehn Cent Entlastung.

Österreichs Autofahrer erleben derzeit eine beispiellose Kostenspirale an den Zapfsäulen. Seit Anfang März sind die Spritpreise dramatisch gestiegen: Diesel verteuerte sich um rund 70 Cent pro Liter, Benzin um 40 Cent. Im Monatsdurchschnitt kostete Diesel um 46,3 Cent mehr als im Februar, Super um 28,2 Cent. Diese Entwicklung stellt Millionen von Autofahrern vor erhebliche finanzielle Belastungen.

Neue Rekordpreise bei Diesel

Besonders dramatisch zeigt sich die Situation bei Diesel: In den vergangenen Tagen erreichte der Literpreis knapp unter 2,25 Euro - ein neuer Tageshöchstwert in der österreichischen Geschichte. Diese Preise liegen mittlerweile sogar höher als zu Beginn des Ukraine-Krieges, wobei auch die zwischenzeitlich eingeführte CO2-Bepreisung zu dieser Entwicklung beiträgt.

Die rasante Preissteigerung trifft besonders Pendler und Unternehmen hart, die auf Dieselfahrzeuge angewiesen sind. Viele Betriebe müssen ihre Kalkulationen überdenken, da die Transportkosten explodieren und die Gewinnmargen unter Druck geraten.

Spritpreisbremse: Zu wenig, zu spät?

Die österreichische Regierung hat als Reaktion auf die steigenden Preise eine Spritpreisbremse eingeführt, die seit Donnerstag in Kraft ist. Diese soll eine durchschnittliche Entlastung von etwa zehn Cent pro Liter bringen. Doch der ÖAMTC zeigt sich skeptisch über die Wirksamkeit dieser Maßnahme.

"Es ist positiv, dass die Regierung versucht, die Preise zu reduzieren. Im Sinne der Konsumenten hätten wir uns aber eine größere Entlastung erhofft", kritisiert Martin Grasslober, Leiter der ÖAMTC-Verkehrswirtschaft. Der Mobilitätsclub hatte eine stärkere Senkung der Abgaben auf Sprit gefordert und wäre auch einer funktionierenden Margenregulierung nicht abgeneigt gewesen.

"Eine Preisreduktion um durchschnittlich zehn Cent pro Liter ist angesichts der beobachteten Preissteigerungen letztlich jedoch kein großer Wurf", stellt Grasslober unmissverständlich klar. Sollten die Preise weiter derart rasch steigen, könnte die Spritpreisbremse diese Entwicklung bestenfalls verlangsamen, aber nicht stoppen.

Verzögerte Wirkung erwartet

Ein weiteres Problem der Spritpreisbremse liegt in ihrer teilweise verzögerten Wirkung. Es bleibt abzuwarten, wann die Senkung vollumfänglich bei den Konsumenten ankommt. Die Tankstellenbetreiber müssen die neuen Regelungen erst implementieren, und die Preisanpassungen erfolgen nicht schlagartig.

Experten warnen zudem, dass die Spritpreisbremse nur dann wirksam sein kann, wenn sich die zugrundeliegenden internationalen Preisnotierungen stabilisieren. Sollten diese weiter steigen, könnte die staatliche Intervention schnell an ihre Grenzen stoßen.

Europäische Lösungen gefordert

Der ÖAMTC sieht auch dringenden Handlungsbedarf auf europäischer Ebene. Der Club fordert die Politik auf, die internationalen Notierungen für Diesel und Super genau zu untersuchen und im Sinne der Konsumenten stärker zu reglementieren.

"Nur durch verlässliche Notierungen, die auch für die nationale Spritpreisbremse herangezogen werden, sind faire Preise an den Zapfsäulen möglich", betont Grasslober. Diese Forderung zielt auf die Transparenz der Preisbildung ab, die für Verbraucher oft schwer nachvollziehbar ist.

Die internationalen Märkte für Kraftstoffe sind komplex und werden von verschiedenen Faktoren beeinflusst - von geopolitischen Spannungen über Raffinerie-Kapazitäten bis hin zu spekulativen Geschäften. Eine stärkere Regulierung könnte helfen, extreme Preisschwankungen zu dämpfen.

Strategien für das Osterwochenende

Für Autofahrer, die über die Osterfeiertage verreisen möchten, gibt der ÖAMTC konkrete Empfehlungen. "Wer am Osterwochenende verreist, sollte frühestens am Donnerstag-Nachmittag tanken, ab dann ist mit ersten Senkungen aufgrund der Spritpreisbremse zu rechnen", erklärt Dominik Graf, Verkehrswirtschaftsexperte des Mobilitäts-clubs.

Allerdings bleibt ungewiss, wie sich die Preise am Freitag um 12 Uhr entwickeln werden. "Ob es zu Preissteigerungen kommt und in welchem Ausmaß, hängt von der Entwicklung der zugrundeliegenden Preisnotierungen ab", so Graf weiter.

Tanken im Ausland: Chancen und Risiken

Bei Reisen ins Ausland sollten Autofahrer genau prüfen, wo sie am günstigsten tanken können. Die Situation in den Nachbarländern ist dabei sehr unterschiedlich:

  • In Ungarn und der Slowakei gelten staatlich subventionierte günstigere Preise meist nur für die jeweiligen Staatsbürger. Mit österreichischem Kennzeichen zahlt man deutlich höhere Preise - eine Diskriminierung, die bereits von der EU-Kommission beanstandet wurde.
  • Deutschland bleibt wie üblich teurer als Österreich, weshalb ein Tankstopp dort selten lohnt.
  • Italien könnte überraschenderweise günstiger sein als Österreich, da dort deutliche Steuersenkungen eingeführt wurden.
  • Slowenien und Kroatien haben abseits von Autobahnen staatlich regulierte Höchstpreise, die meist unter den österreichischen Durchschnittspreisen liegen.
  • In Nachbarländern mit niedrigen Kraftstoffpreisen muss an grenznahen Tankstellen mit längeren Wartezeiten gerechnet werden.

Der ÖAMTC empfiehlt generell, nicht mit letzter Reserve zu verreisen, da vereinzelt mit leergekauften Kraftstofftanks zu rechnen ist. In Slowenien gilt deshalb auch eine maximale Abgabemenge von 50 Litern je PKW.

Spritspar-Tipps für die Geldbörse

Angesichts der hohen Preise wird spritsparendes Fahren immer wichtiger. Bereits kleine Änderungen der Fahrweise können den Verbrauch erheblich reduzieren. Dazu gehören vorausschauendes Fahren, das Vermeiden von häufigem Beschleunigen und Bremsen, sowie die Nutzung der Motorbremse.

Auch die richtige Bereifung und regelmäßige Wartung können den Verbrauch senken. Ein zu niedriger Reifendruck oder ein verschmutzter Luftfilter lassen den Motor mehr arbeiten als nötig.

Ausblick und Prognosen

Die weitere Entwicklung der Spritpreise bleibt ungewiss. Experten warnen, dass die geopolitische Lage, Produktionskapazitäten der Raffinerien und saisonale Schwankungen weiterhin für Volatilität sorgen könnten. Die Spritpreisbremse kann zwar kurzfristig Entlastung bringen, löst aber nicht die strukturellen Probleme des Kraftstoffmarktes.

Langfristig dürfte der Umstieg auf alternative Antriebe an Bedeutung gewinnen. Elektrofahrzeuge und Plug-in-Hybride werden für viele Verbraucher zunehmend attraktiver, auch wenn die Anschaffungskosten noch höher sind als bei herkömmlichen Fahrzeugen.

Für die kommenden Wochen bleibt abzuwarten, wie sich die Spritpreisbremse in der Praxis bewährt und ob weitere Maßnahmen der Regierung folgen werden. Die Autofahrer jedenfalls hoffen auf eine nachhaltige Entspannung der Preissituation an den Zapfsäulen.

Schlagworte

#Spritpreise#ÖAMTC#Diesel#Benzin#Spritpreisbremse#Tanken#Österreich

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