Gewerkschaft vida fordert faire Löhne trotz Rekordzahlen
Trotz Rekord-Nächtigungen verdienen Tourismus-Mitarbeiter deutlich weniger als andere Branchen. Gewerkschaft warnt vor Überlastung.
Österreichs Tourismusbranche verzeichnet erneut Rekordzahlen: Die Statistik Austria meldete für die laufende Wintersaison von November 2025 bis Februar 2026 bereits 54,25 Millionen Nächtigungen. Das entspricht einem Plus von 5,5 Prozent und stellt den höchsten Wert seit Beginn der Aufzeichnungen 1974 dar. Doch hinter dem wirtschaftlichen Erfolg verbergen sich massive Probleme für die Beschäftigten.
"Rekordzahlen im Tourismus bedeuten für viele Beschäftigte vor allem eines: Rekordbelastung", erklärt Eva Eberhart, Fachbereichsvorsitzende Tourismus in der Gewerkschaft vida. Die Realität für tausende Angestellte in Hotels und Restaurants sieht oft so aus: 48 Stunden pro Woche, sechs Tage am Stück, inklusive Nacht-, Wochenend- und Feiertagsdiensten.
Mit steigenden Gästezahlen wächst auch der Arbeitsaufwand proportional. In den Küchen wird mehr gekocht, im Service mehr serviert, an den Rezeptionen mehr organisiert und im Housekeeping mehr gereinigt. "Die Frage ist: Kommt bei den Beschäftigten auch mehr an? Die Antwort ist leider zu oft nein", so Eberhart, die auch als Chefverhandlerin in den laufenden Kollektivvertragsverhandlungen für Hotellerie und Gastronomie fungiert.
Ein Blick auf die Einstiegslöhne verschiedener Branchen verdeutlicht das Problem: Während Beschäftigte im öffentlichen Dienst ab 2.262,30 Euro brutto verdienen und in der Reinigungsbranche ab 2.184,99 Euro, müssen sich Hilfskräfte in Hotellerie und Gastronomie mit lediglich 2.026,00 Euro brutto zufriedengeben.
Diese Diskrepanz ist besonders bemerkenswert, wenn man die zentrale Rolle des Tourismus für die österreichische Wirtschaft betrachtet. "Ist die Arbeit der Kolleginnen und Kollegen in Hotels und Restaurants etwa weniger wert? Sicher nicht. Ohne sie würde der Tourismus stillstehen", betont Eberhart die Bedeutung der Branche für den Wirtschaftsstandort Österreich.
Der Tourismussektor ist einer der wichtigsten Wirtschaftszweige Österreichs und trägt erheblich zum Bruttoinlandsprodukt bei. Die kontinuierlich steigenden Nächtigungszahlen belegen die internationale Attraktivität des Landes als Reisedestination. Gleichzeitig schafft die Branche hunderttausende Arbeitsplätze - von der Hotellerie über die Gastronomie bis hin zu zahlreichen Zulieferbetrieben.
Die Gewerkschaft vida sieht in der aktuellen Situation eine ernste Bedrohung für die Zukunft der Branche. Die Kombination aus hoher Arbeitsbelastung, langen Arbeitszeiten, unsicheren Dienstplänen und niedrigen Löhnen führt zu wachsender Unzufriedenheit und Abwanderung aus dem Sektor.
"Ein Tourismussektor, der auf Dauer nur auf Kosten seiner Beschäftigten funktioniert, sägt am eigenen Ast", warnt Eberhart. Sie betont, dass gute Arbeitsbedingungen die Voraussetzung für Qualität, Fachkräfte und nachhaltigen Erfolg sind. Bereits jetzt kämpft die Branche mit einem erheblichen Fachkräftemangel, der sich durch die unattraktiven Arbeitsbedingungen weiter verschärfen könnte.
Vor der nächsten Verhandlungsrunde des Kollektivvertrags für Hotellerie und Gastronomie am 7. April hat die Gewerkschaft vida ihre zentralen Forderungen präzisiert:
Diese Forderungen zielen darauf ab, die Attraktivität der Arbeitsplätze in der Tourismusbranche zu steigern und langfristig qualifizierte Fachkräfte zu halten.
Besonders die Forderung nach garantiert freien Sonntagen adressiert ein zentrales Problem der Branche: Die oft unvorhersehbaren und familienunfreundlichen Arbeitszeiten. Viele Beschäftigte haben aufgrund der Natur des Geschäfts selten die Möglichkeit, freie Tage zu planen oder Zeit mit Familie und Freunden zu verbringen.
"Die Beschäftigten halten den Tourismus am Laufen - sie haben sich Respekt, faire Bezahlung und echte Entlastung verdient. Jetzt sind die Arbeitgeber am Zug", stellt Eberhart unmissverständlich klar. Die Gewerkschafterin appelliert an die Verantwortung der Unternehmer, faire Lösungen zu finden.
Die bevorstehenden Kollektivvertragsverhandlungen werden zeigen, ob die Arbeitgeberseite bereit ist, den wirtschaftlichen Erfolg der Branche auch mit den Beschäftigten zu teilen. Angesichts der Rekordzahlen und der enormen Leistung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sieht die Gewerkschaft durchaus Spielraum für Verbesserungen.
Die Kollektivvertragsverhandlungen für die Hotellerie und Gastronomie stehen traditionell im Fokus der Öffentlichkeit, da sie eine der größten Beschäftigtengruppen in Österreich betreffen. Die Gewerkschaft vida geht mit klaren Vorstellungen in die Gespräche und hofft auf konstruktive Verhandlungen.
Sollten sich die Sozialpartner nicht einigen können, sind weitere Maßnahmen nicht ausgeschlossen. Die Beschäftigten haben in der Vergangenheit bereits gezeigt, dass sie bereit sind, für bessere Arbeitsbedingungen zu kämpfen.
Die kommenden Wochen werden entscheidend dafür sein, ob es gelingt, die berechtigten Anliegen der Beschäftigten mit den wirtschaftlichen Interessen der Unternehmen in Einklang zu bringen und damit die Grundlage für eine nachhaltige Entwicklung des österreichischen Tourismus zu schaffen.