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Caritas eröffnet neues Ausbildungszentrum gegen Pflegemangel

75.000 Pflege- und Betreuungspersonen bis 2030 benötigt

25. März 2026 um 12:51
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In Wien-Alsergrund startet innovatives Ausbildungszentrum für Pflege- und Sozialberufe - Fokus auf erwachsene Quereinsteiger

Der Fachkräftemangel in der Pflege spitzt sich dramatisch zu: Bis 2030 werden in Österreich bis zu 75.000 zusätzliche Pflege- und Betreuungspersonen benötigt – allein 9.000 davon in Wien. Als Antwort auf diese Herausforderung eröffnete die Caritas Wien am Mittwoch ihr neu gestaltetes Ausbildungszentrum Seegasse im 9. Wiener Gemeindebezirk.

Innovative Antwort auf demografischen Wandel

"Dieser Ort ist eine Antwort auf den Fachkräftemangel im Pflege- und Sozialbereich", betonte Caritasdirektor Klaus Schwertner bei der Eröffnung. Das Zentrum fokussiert sich bewusst auf Menschen ab 17 Jahren und erwachsene Quereinsteiger, die in zukunftssichere Berufe wechseln möchten.

Die Zahlen verdeutlichen die Dringlichkeit: Laut aktuellen Prognosen wird sich die Zahl der pflegebedürftigen Menschen in Österreich bis 2050 mehr als verdoppeln. Schwertner sieht sowohl positive als auch besorgniserregende Entwicklungen: "Die gute Nachricht lautet: Noch nie waren so viele Menschen wie heute im Gesundheits-, Sozial- und Pflegebereich beschäftigt. Die schlechte Nachricht: Es sind noch immer zu wenige."

Tradition trifft Innovation

Der Standort in der Seegasse blickt auf eine über 75-jährige Geschichte in der Entwicklung sozialer Berufe zurück. Nach einer Generalsanierung startet er nun mit einem innovativen Konzept durch. "Zahlreiche heute etablierte Ausbildungswege in Österreich gingen aus diesem Standort hervor", erklärt Daniela Rohm, Leiterin Schulen und Ausbildung bei der Caritas Erzdiözese Wien.

Das Ausbildungsangebot reicht von einer berufsbildenden Schule bis zu praxisnahen Aus- und Weiterbildungslehrgängen für Pflege und Sozialbetreuung. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Sozialbetreuung, die pflegerische Kompetenzen mit pädagogischem Fachwissen verbindet.

Sozialbetreuung als Ergänzung zur klassischen Pflege

Absolventinnen und Absolventen der Sozialbetreuung unterstützen Menschen mit Demenz, psychischen Erkrankungen oder anderen Einschränkungen im Alltag. Diese Berufsgruppe ergänzt klassische Pflegeberufe und schafft ein breites Einsatzfeld in der Langzeitpflege – ein Bereich, der angesichts der alternden Gesellschaft immer wichtiger wird.

Starke Partnerschaft für die Ausbildung

Bei der Eröffnung waren prominente Vertreter der wichtigsten Partner anwesend: AMS-Vorstand Johannes Kopf, waff-Geschäftsführer Marko Miloradović und Arno Langmeier, stellvertretender Bildungsdirektor für Wien. Diese Kooperation zwischen öffentlichen Institutionen und der Caritas soll die Ausbildungsqualität sicherstellen und den Übergang in den Arbeitsmarkt erleichtern.

"Das neue Ausbildungszentrum Seegasse ist ein wichtiger Baustein für den Bildungs- und Arbeitsstandort Wien", zeigt sich Langmeier beeindruckt. "Die enge Verknüpfung von Ausbildung und Praxis schafft qualitätsvolle Perspektiven in einem Bereich mit hohem Fachkräftebedarf."

Umfassende Förderungen ermöglichen Neustart

Ein zentraler Erfolgsfaktor des Ausbildungszentrums sind die vielfältigen Fördermöglichkeiten. Viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind 40 Jahre und älter und nutzen Arbeitsstiftungen von AMS und waff, Pflegestipendien, das Wiener Ausbildungsgeld und weitere Unterstützungen zur Deckung von Ausbildungs- und Lebenshaltungskosten.

AMS investiert massiv in Pflegeausbildung

Die Zahlen sprechen für sich: Das AMS wendet 2025 mehr als 170 Millionen Euro für Fördermaßnahmen im Pflegebereich auf. "Die hohe Nachfrage und die Steigerung der Teilnahmen von rund 7.000 auf über 20.000 im Pflegstipendium in den letzten drei Jahren zeigen, dass unsere Maßnahmen wirken", betont AMS-Vorstand Kopf.

Auch der waff verzeichnet beeindruckende Erfolge: "2025 waren mehr als 55 Prozent der Auszubildenden Erwachsene, die mit dem waff eingestiegen sind", erklärt Geschäftsführer Miloradović. "Allein in den vergangenen fünf Jahren sind rund 11.000 Wienerinnen und Wiener mit Unterstützung des waff in die Pflege und Betreuung eingestiegen."

Politik gefordert: Langfristige Strategien nötig

Trotz der positiven Entwicklungen sieht die Caritas noch erheblichen Handlungsbedarf bei der Politik. Schwertner appelliert eindringlich: "Für die Pflege und Betreuung von morgen braucht Österreich deutlich mehr Fachkräfte. Wir bilden sie aus – hier und in Caritasschulen in ganz Österreich. Wir brauchen aber dringend auch weitere politische Schritte."

Aufwertung der Sozialbetreuungsberufe gefordert

Besonders die Sozialbetreuungsberufe müssen laut Caritas stärker aufgewertet werden: "Sie sind unverzichtbar für eine funktionierende Versorgung und müssen in Planung, Finanzierung und politischen Entscheidungen genauso berücksichtigt werden wie Pflegeberufe."

Die Caritas fordert eine verlässliche und umfassend finanzierte Gesamtstrategie für die Ausbildung im Bereich Pflege und Sozialbetreuung. Diese soll alle Bereiche abdecken – von der Finanzierung über die Ausbildung bis hin zur gesellschaftlichen Anerkennung.

Caritas als größter Schulträger für Sozialberufe

Die Bedeutung der Caritas im österreichischen Bildungswesen wird durch beeindruckende Zahlen untermauert: Sie ist der größte Schulträger für Schulen von Sozialbetreuungsberufen in Österreich. Insgesamt betreibt sie 20 Schulstandorte in sechs Bundesländern, an denen rund 5.000 Auszubildende in den Bereichen Pflege, Soziales und Sozialwirtschaft lernen.

Etwa 3.000 davon absolvieren eine Schule für Sozialbetreuungsberufe (SOB). Seit 2020 bietet die Caritas zusätzlich an Höheren Lehranstalten für Pflege und Sozialbetreuung (HLSP) fünfjährige Ausbildungen mit Matura sowie an Fachschulen Ausbildungen mit Pflegevorbereitung an.

Zukunftssichere Berufe mit Sinn

Schwertner betont einen wichtigen Aspekt, der in Zeiten von Künstlicher Intelligenz und Automatisierung besonders relevant ist: "Es ist ein Ort, an dem die Auszubildenden für Jobs mit Sinn qualifiziert werden – Jobs, bei denen der Mensch im Mittelpunkt steht und die von KI vermutlich niemals ersetzt werden können."

Diese menschenzentrierten Berufe bieten nicht nur Jobsicherheit, sondern auch die Möglichkeit, einen direkten positiven Einfluss auf das Leben anderer Menschen zu nehmen. In einer sich schnell verändernden Arbeitswelt stellen Pflege- und Sozialberufe damit eine besonders attraktive Option dar.

Praktische Informationen für Interessierte

Wer sich für eine Ausbildung im Caritas Ausbildungszentrum Seegasse interessiert, findet alle relevanten Informationen unter www.abz.caritas-schule.at. Ein Tag der offenen Tür am Mittwoch, 8. April 2026, von 15:00 bis 18:00 Uhr bietet die Möglichkeit, sich vor Ort über die verschiedenen Ausbildungsmöglichkeiten zu informieren und mit Lehrenden sowie Auszubildenden ins Gespräch zu kommen.

Das neue Ausbildungszentrum Seegasse steht symbolisch für den Wandel in der Pflegeausbildung: Von traditionellen Strukturen hin zu flexiblen, erwachsenengerechten Bildungsangeboten, die Menschen jeden Alters die Chance auf einen sinnvollen beruflichen Neustart ermöglichen. Angesichts der demografischen Entwicklung und des steigenden Pflegebedarfs könnte diese Initiative zu einem wichtigen Modell für ganz Österreich werden.

Schlagworte

#Pflege#Ausbildung#Caritas#Fachkräftemangel#Wien#Sozialbetreuung

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