88 Prozent stimmen für Kollektivvertrag - Arbeitszeitverkürzung bleibt Ziel
Nach zwei Streiktagen votieren 10.000 Beschäftigte der oberösterreichischen Ordensspitäler für das Gehaltsangebot von 3,3 Prozent.
Ein monatelanger Arbeitskampf geht zu Ende: Die rund 10.000 nichtärztlichen Beschäftigten der oberösterreichischen Ordensspitäler haben mit überwältigender Mehrheit für die Annahme des Kollektivvertragsangebots gestimmt. Mit 88 Prozent Zustimmung beenden die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer die gewerkschaftlichen Kampfmaßnahmen und ebnen den Weg für einen Vertragsabschluss.
Das ausverhandelte Paket sieht eine Erhöhung der Gehälter und Zulagen um 3,3 Prozent vor, die rückwirkend ab Juli 2024 wirksam wird. Die Laufzeit des neuen Kollektivvertrags beträgt ein Jahr. Damit erhalten die Beschäftigten in den Bereichen Pflege, Therapie, Verwaltung und anderen nichtärztlichen Tätigkeiten eine spürbare finanzielle Verbesserung.
Besonders bedeutsam ist die Erhöhung des jährlichen Zeitbonus um 15 Stunden für alle Beschäftigten. Diese Maßnahme stellt einen ersten Schritt in Richtung der von der Gewerkschaft geforderten Arbeitszeitverkürzung dar und bedeutet konkret mehr Freizeit für die hart arbeitenden Gesundheitsbeschäftigten.
Der Verhandlungserfolg ist das Resultat eines monatelangen Tauziehens zwischen Gewerkschaft und Arbeitgebern. Nach gescheiterten Verhandlungsrunden griffen die Beschäftigten zu dem schärfsten Mittel des Arbeitskampfs: dem Streik. An zwei Tagen legten die Angestellten der oberösterreichischen Ordensspitäler ihre Arbeit nieder und sorgten für erhebliche Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit.
"Diese Verbesserung zeigt klar: Der Einsatz der Beschäftigten – ihre Organisation, ihre Streiks und ihre Solidarität – hat Wirkung gezeigt. Ohne diesen Druck hätte es dieses Ergebnis nicht gegeben", betont Martina Reischenböck, die als vida-Verhandlerin die Gespräche geführt hat. Die Gewerkschafterin macht deutlich, dass der Erfolg dem entschlossenen Auftreten der Belegschaft zu verdanken ist.
Trotz des Verhandlungserfolgs sieht die Gewerkschaft vida ihre Ziele noch nicht vollständig erreicht. Die Forderung nach einer echten Arbeitszeitverkürzung steht weiterhin im Raum. "Wir haben eine wichtige Grundlage geschaffen, aber wir sind noch nicht am Ziel. Die Arbeitszeit muss runter – wenn nicht jetzt, dann in den kommenden Verhandlungen", erklärt Reischenböck die Strategie für die Zukunft.
Die zusätzlichen 15 Stunden Zeitbonus werden als wichtiger erster Schritt gewertet, aber nicht als Endpunkt der Bemühungen. "Die 15 Stunden zusätzlicher Zeitbonus sind ein Schritt in der Arbeitszeitverkürzung, aber der Prozess geht weiter. Dafür braucht es einen langen Atem und weiterhin starken Zusammenhalt. Und den haben wir", so die Gewerkschaftsvertreterin.
Die Stimmung unter den Beschäftigten zeigt sich kämpferisch und selbstbewusst. Elke Hergetz, Krankenpflegerin bei den Elisabethinen in Linz, bringt die Haltung ihrer Kolleginnen und Kollegen auf den Punkt: "Was wir bisher erreicht haben, haben wir durch unseren Streik und unsere Stärke erreicht. Wir sind so stark wie nie und werden uns auch in Zukunft nicht unterkriegen lassen. Wir geben nicht auf – sondern wir nehmen Anlauf."
Diese Worte verdeutlichen, dass die Beschäftigten trotz des aktuellen Erfolgs bereit sind, auch künftig für ihre Interessen zu kämpfen. Die hohe Zustimmung zum Kollektivvertrag zeigt gleichzeitig die Geschlossenheit und Organisationsfähigkeit der Belegschaft.
Die oberösterreichischen Ordensspitäler spielen eine wichtige Rolle im Gesundheitssystem des Bundeslandes. Sie beschäftigen insgesamt rund 10.000 nichtärztliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die in verschiedenen Bereichen tätig sind:
Diese Einrichtungen sind oft traditionsreiche Häuser mit langer Geschichte in der Gesundheitsversorgung. Sie ergänzen das öffentliche Spitalswesen und sind wichtige Arbeitgeber in der Region.
Für die Umsetzung weiterreichender Reformen sieht die Gewerkschaft vida vor allem die Politik in der Pflicht. Martina Reischenböck fordert das Land Oberösterreich auf, sich stärker in die Lösungsfindung einzubringen: "Eine nachhaltige Entlastung im Gesundheitsbereich wird es nur geben, wenn die politischen, finanziellen Rahmenbedingungen dafür zur Verfügung gestellt werden. Hier gilt: besser jetzt handeln als später."
Diese Forderung zielt auf die strukturellen Probleme im Gesundheitswesen ab. Arbeitszeitverkürzungen und Personalaufstockungen sind oft nicht nur eine Frage des guten Willens der Arbeitgeber, sondern hängen eng mit der Finanzierung des Gesundheitssystems zusammen. Hier sind politische Entscheidungen auf Landes- und Bundesebene gefragt.
Die Finanzierung der Ordensspitäler erfolgt über ein komplexes System aus öffentlichen Mitteln, Sozialversicherungsbeiträgen und privaten Zuzahlungen. Verbesserungen bei Personal und Arbeitsbedingungen erfordern zusätzliche finanzielle Mittel, die letztendlich von der öffentlichen Hand bereitgestellt werden müssen.
Das Land Oberösterreich als Träger der öffentlichen Gesundheitsversorgung hat damit eine Schlüsselrolle bei der Schaffung besserer Rahmenbedingungen für alle Gesundheitseinrichtungen, nicht nur für die Ordensspitäler.
Der Erfolg der Beschäftigten in den oberösterreichischen Ordensspitälern könnte Signalwirkung für andere Bereiche des Gesundheitswesens haben. Auch in anderen Bundesländern und bei anderen Trägern stehen ähnliche Verhandlungen an oder sind bereits im Gange.
Die Themen Arbeitszeitverkürzung und bessere Entlohnung beschäftigen das gesamte Gesundheitswesen. Der Personalmangel in Pflege und anderen Gesundheitsberufen macht strukturelle Reformen dringend notwendig. Die erfolgreichen Verhandlungen in Oberösterreich zeigen, dass organisierte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer durchaus Verbesserungen durchsetzen können.
Mit der einjährigen Laufzeit des neuen Kollektivvertrags stehen bereits im nächsten Jahr neue Verhandlungen an. Die Gewerkschaft vida hat bereits angekündigt, dass die Forderung nach Arbeitszeitverkürzung dann wieder auf der Agenda stehen wird.
Die Beschäftigten haben durch ihren geschlossenen Auftritt und die erfolgreichen Streikmaßnahmen gezeigt, dass sie bereit und fähig sind, für ihre Interessen zu kämpfen. Diese Erfahrung wird in künftigen Verhandlungsrunden sicherlich eine wichtige Rolle spielen.
Der aktuelle Abschluss kann somit als wichtiger Etappensieg gesehen werden, aber nicht als Ende der Bemühungen um bessere Arbeitsbedingungen im Gesundheitswesen. Die Gewerkschaft hat klar gemacht, dass sie weiterhin Druck für strukturelle Verbesserungen machen wird.