Zurück
OTS-MeldungGreenpeace/Asbest/Umwelt/Gesundheit/Politik/Bundesregierung

Asbestskandal weitet sich aus: Greenpeace fordert Eingreifen

Behördenversagen über Jahrzehnte - Bundesweite Koordination nötig

25. März 2026 um 07:21
Teilen:

Falter-Recherche und Greenpeace-Untersuchungen decken jahrzehntelanges Versagen im Umgang mit Asbest auf. Mehrere Bundesländer betroffen.

Ein Asbestskandal von beträchtlichem Ausmaß erschüttert derzeit Österreich. Neue Recherchen des Falter-Magazins und aktuelle Untersuchungen von Greenpeace offenbaren ein jahrzehntelanges Behördenversagen im Umgang mit der hochgefährlichen Mineralfaser. Was zunächst als lokales Problem im Burgenland begann, hat sich mittlerweile auf mehrere Bundesländer ausgeweitet.

Asbestbelastung betrifft mehrere Bundesländer

Die neuesten Enthüllungen zeigen ein erschreckendes Bild: Nicht nur das Burgenland ist von der Asbestproblematik betroffen, sondern auch Niederösterreich, die Steiermark und sogar das benachbarte Ungarn. Diese grenzüberschreitende Kontamination verdeutlicht das wahre Ausmaß des Problems und macht deutlich, dass eine koordinierte, länderübergreifende Lösung dringend erforderlich ist.

Besonders besorgniserregend ist dabei die unterschiedliche Herangehensweise der betroffenen Bundesländer. Während Niederösterreich präventiv handelt, betroffene Plätze sperrt und kontaminiertes Material abtransportieren lässt, wird die Asbestgefahr im Burgenland und in der Steiermark nach wie vor kleingeredet. Diese uneinheitliche Vorgehensweise gefährdet die Gesundheit der Bevölkerung und ist aus Sicht von Umweltschützern völlig inakzeptabel.

Jahrzehntelanges Behördenversagen aufgedeckt

Die Falter-Recherche bringt erschütternde Details ans Licht: Die Asbestproblematik im Burgenland wurde über Jahre, möglicherweise sogar über Jahrzehnte hinweg, bewusst ignoriert oder verharmlost. Im Zentrum der Kritik steht dabei das Arbeitsinspektorat, dem Vertuschungsvorwürfe gemacht werden.

Herwig Schuster, Umweltchemiker bei Greenpeace Österreich, bringt die Situation auf den Punkt: "Wir können nicht zulassen, dass der Schutz vor Asbest davon abhängt, in welchem Bundesland man lebt. Die Bundesregierung muss dringend einschreiten, für einen umfassenden Schutz in allen Bundesländern und eine vollständige Aufklärung sorgen."

Die Vorwürfe wiegen schwer, denn Asbest gilt als einer der gefährlichsten krebserregenden Stoffe überhaupt. Bereits geringe Mengen eingeatmeter Asbestfasern können Jahre oder Jahrzehnte später zu tödlichen Krebserkrankungen wie Mesotheliom oder Lungenkrebs führen.

Greenpeace stellt umfassenden Forderungskatalog auf

Angesichts der dramatischen Entwicklungen hat Greenpeace einen detaillierten Forderungskatalog an die österreichische Bundesregierung gerichtet. Die Organisation verlangt sofortiges und entschlossenes Handeln auf mehreren Ebenen.

Bundesweite Koordination und finanzielle Hilfe

An erster Stelle steht die Forderung nach einer bundesweiten Koordination der Maßnahmen. Greenpeace verlangt eine lückenlose Erhebung aller belasteten Standorte in ganz Österreich sowie gesicherte und wirtschaftlich verträgliche Entsorgungsmöglichkeiten für kontaminiertes Material.

Besonders wichtig ist dabei die Einrichtung eines Katastrophenfonds für betroffene Privatpersonen sowie Klein- und Mittelbetriebe. Dieser soll analog zu den COVID-Hilfen funktionieren und sicherstellen, dass die enormen Kosten für Sanierung und Entsorgung nicht allein von den Betroffenen getragen werden müssen.

Gesetzliche Klarstellungen notwendig

Ein weiterer zentraler Punkt ist die gesetzliche Klarstellung im Umgang mit asbesthaltigen Materialien. Das Inverkehrbringen solcher Materialien aus Steinbrüchen muss im Chemikalienrecht eindeutig und unmissverständlich verboten werden. Landwirtschaftsminister Totschnig wird aufgefordert, sich für ein entsprechendes EU-weites Verbot einzusetzen.

Diese Maßnahme ist von besonderer Bedeutung, da viele der aktuellen Kontaminationen auf asbesthaltige Materialien aus Steinbrüchen zurückzuführen sind, die über Jahre hinweg unwissentlich verwendet wurden.

Luftgrenzwerte für Asbest einführen

Österreich benötigt dringend einen gesetzlichen Richtwert von maximal 500 Fasern pro Kubikmeter in der Außenluft. Für besonders sensible Bereiche wie Schulen, Krankenhäuser und Sportanlagen sollten noch strengere Werte gelten.

Wird dieser Grenzwert überschritten, müssen die Asbestquellen umgehend gesucht und fachgerecht saniert werden. Diese präventive Herangehensweise könnte künftige Gesundheitsschäden verhindern und der Bevölkerung die notwendige Sicherheit geben.

Gesundheitsmonitoring für Betroffene

Für Menschen, die bereits einer Asbestbelastung ausgesetzt waren, fordert Greenpeace ein freiwilliges Gesundheitsmonitoring. Dieses betrifft insbesondere Anrainer der vier bekannten betroffenen Steinbrüche, Bauarbeiter sowie Landwirte, die möglicherweise mit kontaminiertem Material in Kontakt gekommen sind.

Ein solches Monitoring würde nicht nur den Betroffenen Sicherheit geben, sondern auch wichtige Daten für die Bewertung der Gesundheitsrisiken liefern und bei der Entwicklung weiterer Schutzmaßnahmen helfen.

Ministerium Schumann unter Druck

Besonders im Fokus steht dabei Arbeitsministerin Christine Aschbacher, deren Ministerium für das Arbeitsinspektorat zuständig ist. Die Vorwürfe der bewussten Ignorierung oder sogar Vertuschung der Asbestproblematik sind schwerwiegend und verlangen nach einer transparenten und vollständigen Aufklärung.

Die Opposition und Umweltorganisationen fordern bereits parlamentarische Anfragen und möglicherweise einen Untersuchungsausschuss, um das volle Ausmaß des Behördenversagens zu klären.

Gesundheitsrisiken nicht von der Hand zu weisen

Die gesundheitlichen Risiken durch Asbest sind seit Jahrzehnten wissenschaftlich belegt. Selbst geringe Mengen eingeatmeter Asbestfasern können zu schwerwiegenden Erkrankungen führen. Besonders tückisch dabei: Die Symptome treten oft erst nach 20 bis 40 Jahren auf, was eine frühzeitige Diagnose und Behandlung erschwert.

Umso wichtiger ist es, dass alle Beteiligten – von der Bundesregierung über die Landesregierungen bis hin zu den Gemeinden – ihrer Verantwortung gerecht werden und den Schutz der Bevölkerung an erste Stelle setzen.

Internationale Dimension des Problems

Dass auch Ungarn von der Asbestbelastung betroffen ist, zeigt die internationale Dimension des Problems. Hier wird deutlich, dass nationale Alleingänge zu kurz greifen und eine europäische Lösung erforderlich ist.

Die österreichische Bundesregierung ist daher nicht nur national, sondern auch auf EU-Ebene gefordert, für schärfere Regelungen und bessere Kontrollen zu sorgen. Nur so kann verhindert werden, dass sich ähnliche Skandale in anderen Mitgliedsstaaten wiederholen.

Zeitdruck für Regierung wächst

Der öffentliche Druck auf die Bundesregierung wächst täglich. Neben Greenpeace fordern auch andere Umweltorganisationen, Bürgerinitiativen und Oppositionsparteien schnelles und entschlossenes Handeln.

Die betroffene Bevölkerung wartet bereits seit Monaten auf klare Antworten und konkrete Schutzmaßnahmen. Weitere Verzögerungen sind angesichts der Gesundheitsrisiken nicht vertretbar.

Die kommenden Wochen werden zeigen, ob die Bundesregierung bereit ist, die Herausforderung anzunehmen und eine umfassende Lösung für den Asbestskandal zu entwickeln. Die Gesundheit tausender Menschen steht auf dem Spiel – ein Versagen wäre unverzeihlich.

Schlagworte

#Asbest#Greenpeace#Bundesregierung#Gesundheit#Umwelt

Weitere Meldungen

OTS
Greenpeace

Asbestskandal weitet sich aus: Vier Bundesländer betroffen

25. März 2026
Lesen
OTS
Greenpeace

Asbest-Skandal erreicht Niederösterreich: Gefährliche Fasern in Krumbach und Kirchschlag entdeckt

24. März 2026
Lesen
OTS
Greenpeace

Greenpeace deckt auf: Supermarkt-Backboxen versagen bei Bio-Snacks

23. März 2026
Lesen
Alle Meldungen anzeigen