Geopolitische Spannungen verstärken Diskussion um heimische Stromproduktion
Steigende Gaspreise durch Nahost-Krise zeigen erneut Österreichs Abhängigkeit von Energieimporten auf. Windkraft-Branche sieht sich als Lösung.
Bei der 23. Branchenplattform Windenergie in der Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien betonten Branchenvertreter die Bedeutung des Ausbaus der heimischen Windkraft als Beitrag zur Versorgungssicherheit. In der Veranstaltung wurde darauf hingewiesen, dass 3.500 MW an heimischer Windenergie aktuell bereitstehen, um regionalen Strom zu erzeugen.
Die E-Control verzeichnet zwar noch keine akute Energiekrise, meldet jedoch steigende Gaspreise und eine teurer und kritischer werdende Einspeisung für den nächsten Winter. In diesem Zusammenhang wurde auf die Probleme fossiler Abhängigkeit und die Notwendigkeit hingewiesen, heimische Projekte voranzutreiben.
Vier Jahre nach Kriegsbeginn in der Ukraine geraten die internationalen Energiemärkte erneut unter Druck. Gastgeber Reinhard Karl, Generaldirektor-Stellvertreter der Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien, betonte, dass heimische Projekte auch heimische Wertschöpfung und Arbeitsplätze in den Bundesländern und Regionen bedeuten.
Die Windkraft hat sich zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor entwickelt. Rund 180 Unternehmen mit mehr als 8.000 Beschäftigten sind allein im Bereich Windenergie in Österreich tätig. Kleine und mittlere Unternehmen bilden dabei das Rückgrat der Branche.
Die Windbranche kann in den nächsten vier Jahren rund 6 Milliarden Euro investieren. Vertreter der Branche forderten verlässliche politische Rahmenbedingungen und langfristige Planungssicherheit, um dieses Potenzial zu heben.
Robert Lange, Senior Policy Expert bei der European Renewable Energies Federation (EREF) in Brüssel, sagte: "Gas nimmt Europa zunehmend die eigene Freiheit und hat das Potential, in diesem Abhängigkeitsverhältnis den Wirtschaftsstandort Europa – wie wohl auch Österreich – immer stärker unter Druck zu setzen." Der Verband vertritt nationale Vereinigungen erneuerbarer Energien aus verschiedenen EU-Mitgliedsstaaten.
Josef Plank, Präsident der IG Windkraft, betonte die Rolle der Windkraft als Teil der Lösung.
Die IG Windkraft ist die Interessenvertretung der österreichischen Windbranche. Heimische Windräder versorgen schon heute rund 2,6 Millionen Haushalte im Land mit Strom. Nach einer aktuellen, repräsentativen Umfrage befürworten 83 % der Österreicherinnen und Österreicher den Ausbau der Windenergie. Die IG Windkraft repräsentiert über 200 in den Regionen verankerte, meist mittelständische Unternehmen entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Die österreichische Windbranche beschäftigt etwa 8.000 Menschen und hat in den letzten zehn Jahren im Durchschnitt 1,2 Milliarden Euro pro Jahr erwirtschaftet.