IG Windkraft lädt zur Lagebesprechung mit Energie- und Sicherheitsexperten – Gasabhängigkeit bleibt kritisches Risiko
Vier Jahre nach Kriegsbeginn steht Österreichs Energieversorgung vor massiven Herausforderungen. Experten diskutieren am 23. Februar in Wien über Versorgungssicherheit und geopolitische Risiken.
Der Krieg in der Ukraine hat die energiepolitische Landschaft Europas grundlegend verändert. Für Österreich, ein kleines und stark importabhängiges Land, stellt sich vier Jahre nach Kriegsbeginn eine zentrale Frage drängender denn je: Wie sicher ist unsere Energieversorgung wirklich? Die IG Windkraft nimmt den Jahrestag des Kriegsausbruchs zum Anlass, gemeinsam mit führenden Energie- und Sicherheitsexperten eine kritische Bestandsaufnahme vorzunehmen.
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: In den Wintermonaten werden noch immer über zwei Drittel des österreichischen Energiebedarfs durch teure Gasimporte aus dem Ausland gedeckt. Die heimischen Gasspeicher haben sich im laufenden Winter erneut verstärkt geleert – ein Szenario, das die Verwundbarkeit des Landes in aller Deutlichkeit aufzeigt.
Was lange als selbstverständlich galt, wird nun zum Risikofaktor. Die jahrzehntelange Abhängigkeit von russischem Erdgas, die Österreich einst günstige Energiepreise bescherte, erweist sich im geopolitischen Kontext als strategische Achillesferse. Der EU-Beschluss zum vollständigen Ausstieg aus russischem Erdgas bis 2027 und das Verbot von russischem LNG ab Jänner 2027 markieren einen historischen Wendepunkt – doch sie werfen auch unbequeme Fragen auf.
Der Abschied von russischem Gas bedeutet nicht automatisch mehr Unabhängigkeit. Im Gegenteil: Bei LNG-Lieferungen gerät Österreich zunehmend in neue Abhängigkeitsverhältnisse. Staaten wie die USA oder Katar treten als alternative Lieferanten auf den Plan – mit eigenen geopolitischen Interessen und Preisvorstellungen.
Diese Verschiebung der Bezugsquellen birgt neue Risiken. Während russisches Pipeline-Gas trotz aller politischen Spannungen durch langfristige Verträge und etablierte Infrastruktur eine gewisse Planbarkeit bot, ist der globale LNG-Markt volatiler und stärker von kurzfristigen Preisentwicklungen abhängig. Die Erpressbarkeit verlagert sich, verschwindet aber nicht.
Für ein Land wie Österreich, das weder über nennenswerte eigene Öl- oder Gasvorkommen verfügt noch direkten Zugang zu LNG-Terminals hat, ist die Auseinandersetzung mit dem schlimmsten anzunehmenden Fall keine theoretische Übung, sondern strategische Notwendigkeit. Was würde passieren, wenn selbstverständliche Gasimporte von einem Tag auf den anderen versiegen würden?
Diese Frage steht im Zentrum der bevorstehenden Lagebesprechung. Energiesicherheit ist längst nicht mehr nur eine wirtschaftliche Frage – sie wird zur zentralen Frage nationaler Sicherheit. Industrie, Haushalte und kritische Infrastruktur sind gleichermaßen auf eine verlässliche Energieversorgung angewiesen.
In der Diskussion um Versorgungssicherheit rückt ein Aspekt verstärkt in den Fokus: die Rolle von heimisch erzeugtem Strom, insbesondere aus erneuerbaren Quellen. Windkraftanlagen produzieren gerade in den Wintermonaten, wenn der Strombedarf am höchsten ist, besonders viel Energie. Diese saisonale Übereinstimmung macht Windenergie zu einem potenziellen Stabilitätsfaktor für das österreichische Energiesystem.
Der Ausbau erneuerbarer Energien wird damit nicht nur zur klimapolitischen, sondern auch zur sicherheitspolitischen Notwendigkeit. Jede Kilowattstunde, die im Inland produziert wird, reduziert die Abhängigkeit von ausländischen Lieferanten und deren politischen Kalkulationen.
Der Begriff der strategischen Autonomie gewinnt in der energiepolitischen Debatte zunehmend an Bedeutung. Er beschreibt die Fähigkeit eines Staates, seine wesentlichen Versorgungsbedürfnisse unabhängig von äußeren Einflüssen sicherstellen zu können. Für Österreich bedeutet dies vor allem: weniger fossile Importe, mehr heimische erneuerbare Energie.
Die Transformation des Energiesystems ist dabei nicht zum Nulltarif zu haben. Investitionen in Windparks, Photovoltaikanlagen und Speichertechnologien erfordern Kapital und politischen Willen. Doch die Alternative – fortgesetzte Abhängigkeit und Erpressbarkeit – kommt langfristig teurer, wie die Energiepreiskrisen der vergangenen Jahre eindrücklich gezeigt haben.
Die IG Windkraft lädt zum Jahrestag des Ukraine-Kriegs zu einer hochkarätig besetzten Lagebesprechung. Am Montag, dem 23. Februar 2026, treffen sich ab 9:00 Uhr Energie- und Sicherheitsexperten im "Breakout Lab" im WeXelerate in Wien, um die aktuelle Versorgungslage zu analysieren und strategische Perspektiven zu diskutieren.
Diese Zusammensetzung verspricht eine fundierte Diskussion an der Schnittstelle von Energie-, Wirtschafts- und Sicherheitspolitik. Die Kombination aus praktischer Branchenexpertise, technisch-wissenschaftlicher Analyse und geopolitischer Einordnung soll ein umfassendes Bild der aktuellen Herausforderungen zeichnen.
Der Pressetermin findet am 23. Februar 2026 um 9:00 Uhr im "Breakout Lab" im WeXelerate, 2. Stock, statt. Die Adresse lautet Praterstraße 1 in 1020 Wien, der Eingang befindet sich neben dem Restaurant "El Gaucho". Medienvertreterinnen und Medienvertreter sind herzlich eingeladen und haben die Möglichkeit zu Interviews mit den Experten. Um Akkreditierung unter [email protected] wird gebeten.
Die Veranstaltung ist auch als Signal an die Politik zu verstehen. In Zeiten, in denen Genehmigungsverfahren für Windkraftanlagen oft Jahre dauern und der Netzausbau hinter den Erfordernissen zurückbleibt, mahnt die Branche zur Beschleunigung. Die geopolitische Lage dulde keinen Aufschub, so der Tenor.
Die kommenden Jahre werden zeigen, ob Österreich die Lehren aus der Energiekrise gezogen hat. Der Ukraine-Krieg hat die Verletzlichkeit europäischer Energiesysteme offengelegt. Nun liegt es an Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, die richtigen Schlüsse zu ziehen und die Weichen für eine sichere Energiezukunft zu stellen.
Weitere Informationen zur IG Windkraft und deren Aktivitäten finden sich unter www.igwindkraft.at. Für Rückfragen steht Mag. (FH) Gerhard Maier unter der Telefonnummer +43 660 9199010 oder per E-Mail an [email protected] zur Verfügung.