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ÖAW würdigt Spitzenforschung mit höchsten Auszeichnungen

Reinhold Mitterlehner, Martha Keil und Anton Rebhan erhalten Toppreise der Österreichischen Akademie der Wissenschaften

24. März 2026 um 12:02
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Die ÖAW verleiht ihre renommiertesten Preise an Politiker Mitterlehner, Judaistin Keil und Quantenphysiker Rebhan. Neun Nachwuchstalente werden ebenfalls geehrt.

Die Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW) setzt am 24. März 2026 ein starkes Zeichen für herausragende Forschung und wissenschaftsfördernde Initiativen. Im feierlichen Rahmen des Festsaals in Wien werden die höchsten Auszeichnungen der renommierten Institution vergeben. Neben der prestigeträchtigen Medaille Bene Merito für den ehemaligen Wissenschaftsminister Reinhold Mitterlehner erhalten auch zwei Spitzenforscher die begehrten Hauptpreise der Akademie.

Höchste Ehren für drei Persönlichkeiten

Die Preisverleihung 2026 würdigt sowohl wissenschaftliche Exzellenz als auch politische Weitsicht im Dienste der Forschung. Der Wilhelm Hartel-Preis, einer der beiden höchstdotierten Wissenschaftspreise der ÖAW, geht an die Historikerin Martha Keil für ihre bahnbrechenden Arbeiten zur jüdischen Geschichte. Den ebenfalls mit 15.000 Euro dotierten Erwin Schrödinger-Preis erhält der Quantenphysiker Anton Rebhan für seine wegweisenden Forschungen in der theoretischen Teilchenphysik.

Ergänzt wird die Ehrung durch neun weitere Auszeichnungen für Nachwuchsforschende, die das breite Spektrum der österreichischen Wissenschaftslandschaft widerspiegeln. Von den Life Sciences bis zur Grundlagenforschung werden verschiedene Disziplinen gewürdigt.

Reinhold Mitterlehner: Visionär der Wissenschaftsförderung

Die Medaille Bene Merito, die höchste Auszeichnung der ÖAW für Persönlichkeiten außerhalb der direkten Forschung, würdigt Reinhold Mitterlehner für seine entscheidende Rolle beim Sanierungsprojekt Campus Akademie. Der ehemalige Bundesminister für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft (2014-2017) setzte während seiner Amtszeit die politischen Weichen für die umfassende Renovierung der Alten Universität Wien.

"Jeder Minister ist mit einer Vielzahl an möglichen Bauprojekten konfrontiert", erklärt ÖAW-Präsident Heinz Faßmann die Auszeichnung. "Reinhold Mitterlehner hat in seiner Ministerzeit das Sanierungsprojekt Campus Akademie ausgewählt und die entscheidenden politischen Schritte zur Realisierung gesetzt." Ohne dessen Engagement, so Faßmann weiter, "hätte es keine Sanierung der Alten Universität gegeben".

Das Resultat dieser visionären Entscheidung ist heute sichtbar: Mitten in der Wiener Innenstadt entstand ein lebendiger Ort für Wissenschaft, Forschung und den direkten Austausch mit der Bevölkerung. Die Medaille Bene Merito wird seit 1961 nur in unregelmäßigen Abständen verliehen und zeichnet Persönlichkeiten aus, die sich durch institutionalisierte Kooperation, politische Entscheidungen oder großzügige Zuwendungen außergewöhnlich um die ÖAW verdient gemacht haben.

Martha Keil: Pionierin der jüdischen Geschichtsforschung

Der Wilhelm Hartel-Preis würdigt Martha Keil als führende Expertin für jüdische Geschichte im aschkenasischen Kulturraum. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in der jüdischen Geschichte des Mittelalters und der Frühen Neuzeit im deutschsprachigen Raum, die sie stets als integralen Bestandteil der allgemeinen österreichischen und zentraleuropäischen Geschichte versteht.

Besondere Anerkennung verdient Keil als Pionierin der jüdischen Frauen- und Geschlechtergeschichte des Mittelalters im deutschsprachigen Raum. Ihre bahnbrechenden Arbeiten zur wirtschaftlichen und sozialen Bedeutung jüdischer Geschäftsfrauen eröffneten völlig neue Forschungsperspektiven und inspirierten zahlreiche weitere wissenschaftliche Projekte in diesem Bereich.

Zu ihren herausragenden Leistungen zählt die Erschließung, Edition und Interpretation deutscher und hebräischer Quellen des aschkenasischen Mittelalters. Als Leiterin des internationalen Projekts "Books within Books: Hebrew Fragments in European Libraries" trug sie maßgeblich zur Erforschung mittelalterlicher Handschriftenfragmente bei. Darüber hinaus widmete sich Keil intensiv der lokalen jüdischen Geschichte St. Pöltens und dem Gedenken an die dortige jüdische Gemeinde vor und nach 1938.

Ihre interdisziplinäre Herangehensweise und die Verbindung von historischer Forschung mit gesellschaftlicher Vermittlung machen Martha Keil zu einer der profiliertesten Vertreterinnen der Judaistik im deutschsprachigen Raum.

Anton Rebhan: Quantenphysik auf höchstem Niveau

Der Erwin Schrödinger-Preis zeichnet Anton Rebhan für seine außergewöhnlichen Forschungsleistungen im Bereich der theoretischen Kern- und Teilchenphysik aus. Im Zentrum seiner Arbeit steht die Entwicklung neuer Methoden in der Quantenchromodynamik (QCD), jener Theorie, die die Wechselwirkung von Quarks und Gluonen - den fundamentalen Bausteinen der Atomkerne - beschreibt.

Rebhans wegweisende Beiträge umfassen insbesondere neue Methoden zur Beschreibung des Quark-Gluon-Plasmas. Dieser extreme Materiezustand, der kurz nach dem Urknall existierte, kann heute in modernen Teilchenbeschleunigern künstlich erzeugt werden. Durch den innovativen Einsatz der sogenannten Holographie gelang es Rebhan, stark wechselwirkende Theorien mit lösbaren höherdimensionalen Gravitationstheorien zu verknüpfen.

Diese revolutionäre Methode eröffnete seinem Forschungsteam an der Technischen Universität Wien völlig neue Erkenntnisse über Hadronen und Gluebälle - exotische Teilchenzustände, die ausschließlich aus Gluonen bestehen. Die praktische Bedeutung seiner Arbeit zeigt sich auch in seiner Rolle als Koordinator der internationalen "Muon g-2 Theory Initiative" seit 2023.

In diesem prestigeträchtigen Projekt werden theoretische Vorhersagen mit Präzisionsmessungen des magnetischen Myonmoments verglichen - ein zentraler Test des Standardmodells der Teilchenphysik. Diese Forschung könnte entscheidende Hinweise auf neue Physik jenseits der etablierten Theorien liefern.

Nachwuchsförderung im Fokus

Neben den drei Hauptauszeichnungen würdigt die ÖAW neun herausragende Nachwuchsforschende mit verschiedenen Preisen. Diese Ehrungen unterstreichen das Engagement der Akademie für die Förderung der nächsten Forschergeneration und decken ein breites Spektrum wissenschaftlicher Disziplinen ab.

Zu den Geehrten zählen Dagmar Gotthardt-Pötsch, Elisabeth Gruber, Patrick Jambura, Bogdan-Răzvan Bruƫiu, Lisa Isola, Mason A. Wirtz, Theresa Eisele, Valentina Martinis und Iepke M. Rijcken. Die Auszeichnungen reichen vom Elisabeth Lutz-Preis für Forschung in den Life Sciences bis zu verschiedenen Dissertationspreisen, die die Vielfalt und Qualität der österreichischen Nachwuchsforschung widerspiegeln.

Tradition der Exzellenz

Die jährliche Preisverleihung der ÖAW steht in einer langen Tradition der Würdigung wissenschaftlicher Leistungen und gesellschaftlicher Beiträge zur Forschung. Die Auszeichnungen sind nicht nur eine Anerkennung vergangener Erfolge, sondern auch eine Investition in die Zukunft der österreichischen Wissenschaftslandschaft.

Mit der diesjährigen Auswahl unterstreicht die ÖAW die Bedeutung interdisziplinärer Forschung, internationaler Kooperation und der Vermittlung wissenschaftlicher Erkenntnisse an die Gesellschaft. Die Preisträger repräsentieren exemplarisch die Spitzenqualität österreichischer Forschung auf internationalem Niveau.

Die Verleihung am 24. März 2026 im Festsaal der ÖAW wird somit nicht nur ein feierlicher Höhepunkt im Wissenschaftsjahr, sondern auch ein wichtiges Signal für die Wertschätzung von Forschung und Innovation in Österreich.

Schlagworte

#Wissenschaft#ÖAW#Forschungspreise#Österreich#Auszeichnungen

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