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Nahost-Krieg belastet österreichische Wirtschaftsprognose

OeNB rechnet für 2026 mit gedämpftem Wachstum von nur 0,5 Prozent

24. März 2026 um 11:22
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Die Nationalbank senkt ihre Wachstumsprognose für Österreich aufgrund des Nahost-Kriegs. Die Inflation steigt auf 2,7 Prozent.

Die Österreichische Nationalbank (OeNB) hat ihre Konjunkturprognose für die kommenden Jahre deutlich nach unten korrigiert. Der seit Februar andauernde Krieg im Nahen und Mittleren Osten und die damit verbundenen Energiepreissteigerungen trüben die wirtschaftlichen Aussichten erheblich. Für 2026 erwartet die Notenbank nur noch ein schwaches Wirtschaftswachstum von 0,5 Prozent - eine Revision um 0,3 Prozentpunkte nach unten gegenüber der Dezember-Prognose.

Geopolitische Spannungen belasten Konjunkturerholung

"Nach einer zweijährigen Rezession verzeichnete Österreich im vergangenen Jahr wieder ein moderates Wirtschaftswachstum von 0,7 Prozent. Auch der Start in das Jahr 2026 verlief positiv", erklärte OeNB-Gouverneur Martin Kocher bei der Präsentation der neuen Prognose. "Der am 28. Februar ausgebrochene Krieg im Nahen und Mittleren Osten und die in der Folge deutlich gestiegenen Energiepreise bringen jedoch erneut große Unsicherheit mit sich."

Die positive Entwicklung der ersten beiden Monate 2026 wird durch den Konflikt überschattet. Bereits verfügbare Monatsdaten zeigten eine robuste Entwicklung im Jänner und Februar, doch die geopolitischen Spannungen haben die Energiemärkte in Aufruhr versetzt und die Rohstoffpreise deutlich ansteigen lassen.

Graduelle Erholung ab 2027 erwartet

Trotz der aktuellen Herausforderungen sieht die OeNB die Abschwächung als temporäres Phänomen. Für die Jahre 2027 und 2028 prognostiziert die Notenbank bereits wieder eine Beschleunigung des Wachstums auf 1,0 beziehungsweise 1,1 Prozent. Diese Einschätzung basiert auf der Annahme, dass die Energiepreise gemäß den aktuellen Markterwartungen in der zweiten Jahreshälfte 2026 wieder vom hohen Niveau sinken werden.

"Die positive Konjunkturdynamik zu Jahresbeginn wird daher nach aktuellem Stand nur temporär gedämpft", betonte Kocher. Die Prognose stützt sich auf die aktuellen Markterwartungen für die globalen Energierohstoffpreise, die eine relativ rasche Entspannung der Situation voraussetzen.

Inflation steigt auf 2,7 Prozent

Die gestiegenen Rohstoffpreise schlagen sich direkt in der Inflationsprognose nieder. Für 2026 erwartet die OeNB eine Teuerungsrate von 2,7 Prozent - ein Anstieg von 0,6 Prozentpunkten aufgrund des Nahost-Kriegs. Die Inflation soll bis Mai 2026 auf knapp über 3,0 Prozent ansteigen, bevor sie bis Ende des Jahres auf rund 2,5 Prozent zurückgeht.

In den Folgejahren soll sich die Inflationsentwicklung wieder normalisieren: Für 2027 prognostiziert die OeNB eine Rate von 2,3 Prozent, für 2028 von 2,1 Prozent. Diese Entwicklung ist eng mit den erwarteten Rohstoffpreisverläufen verknüpft, weshalb die Unsicherheit der Prognose deutlich gestiegen ist.

Arbeitsmarkt bleibt unter Druck

Die schwächere Konjunkturentwicklung wirkt sich auch auf den Arbeitsmarkt aus. Die Arbeitslosenquote wird im laufenden Jahr bei 7,5 Prozent verharren. Dies spiegelt die gedämpfte Wirtschaftsaktivität wider und zeigt, dass sich die Entspannung am Arbeitsmarkt verzögern wird.

Budgetkonsolidierung bleibt Herausforderung

Für die Staatsfinanzen ergeben sich laut OeNB aktuell keine substanziellen Änderungen gegenüber der letzten Prognose. Das Budgetdefizit wird weiterhin auf einem hohen Niveau verharren. Während die Zahlen für 2025 etwas besser ausfallen könnten, was auch die Ausgangslage für 2026 verbessert, haben sich gleichzeitig die Wachstumsaussichten verschlechtert.

Zusätzlich belasten neue Maßnahmen wie die Absenkung der Elektrizitätsabgabe und der Mehrwertsteuer auf Grundnahrungsmittel den Staatshaushalt. "Zusätzliche Maßnahmen zur Budgetkonsolidierung sind notwendig", betont die OeNB in ihrer Analyse.

Hohe Prognoseunsicherheit durch Kriegsrisiken

Die Nationalbank warnt vor einer "ungewöhnlich hohen" Prognoseunsicherheit. "Die weitere Entwicklung des Kriegs im Nahen und Mittleren Osten und seine Auswirkungen auf die Energiepreise, die Finanzmärkte und das Vertrauen der Wirtschaftsakteure sind aktuell höchst unsicher", so Gouverneur Kocher.

Risikoszenarien zeigen dramatischere Entwicklungen

Um der Unsicherheit Rechnung zu tragen, hat die OeNB alternative Szenarien berechnet. In einem Szenario mit einem Ölpreis von 100 US-Dollar pro Barrel und einem Erdgaspreis von 70 Euro pro Megawattstunde im Jahresschnitt würde das Wirtschaftswachstum 2026 nur mehr 0,2 Prozent betragen. Die Inflation würde auf 3,8 Prozent ansteigen.

Sollte sich die Lage besonders ungünstig entwickeln - etwa durch zusätzlich hohe Risikoprämien, anhaltend hohe geopolitische Unsicherheit und steigende Düngemittelpreise - könnte Österreich 2026 sogar in eine leichte Rezession rutschen. In diesem Negativszenario würde die Wirtschaftsleistung um 0,2 Prozent zurückgehen und die Inflation auf 4,2 Prozent ansteigen.

EZB in guter Position für geldpolitische Reaktion

Auf europäischer Ebene hat der EZB-Rat in seiner Sitzung am 19. März 2026 betont, weiterhin entschlossen dafür zu sorgen, dass sich die Inflation mittelfristig beim Zielwert von 2 Prozent stabilisiert. Mit einer aktuellen Inflationsrate von knapp 2 Prozent und einem nominellen kurzfristigen Zinsniveau von 2 Prozent sieht sich das Eurosystem in einer guten Position, um auf Herausforderungen zu reagieren.

Bei der Festlegung des geldpolitischen Kurses wird der EZB-Rat weiterhin seinen datengestützten Ansatz verfolgen und von Sitzung zu Sitzung entscheiden. Besonders wichtig werden dabei die sogenannten Zweitrundeneffekte der Energiepreisanstiege sein.

OeNB-Jahresabschluss: Aufwärtstrend bei Verlusten

Parallel zur Konjunkturprognose präsentierte die OeNB auch ihren Jahresabschluss für 2025. Das Geschäftsergebnis zeigt erstmals wieder einen Aufwärtstrend, auch wenn weiterhin Verluste zu verzeichnen sind. "Im Jahr 2025 sehen wir erstmals wieder einen Aufwärtstrend", erklärte Vize-Gouverneurin Edeltraud Stiftinger.

Der Jahresfehlbetrag für 2025 beträgt 1.023 Millionen Euro - nur halb so viel wie im Vorjahr. Unter Berücksichtigung des Verlustvortrags aus den Vorjahren resultiert ein Bilanzverlust von insgesamt 5.207 Millionen Euro, der zur Gänze in das Geschäftsjahr 2026 vorgetragen wird.

Folgen der expansiven Geldpolitik

Die negativen Ergebnisse sind eine direkte Folge der geldpolitischen Maßnahmen zur Krisenbekämpfung. Die OeNB hatte während der vergangenen Krisen bis 2022 zahlreiche Wertpapiere und Staatsanleihen mit niedrigen oder negativen Zinsen erworben. Gleichzeitig stiegen durch den zur Inflationsbekämpfung angehobenen Leitzins die Zinsen, die an Banken gezahlt werden müssen.

"Die geldpolitischen Belastungen aus der expansiven Geldpolitik bis 2022 werden sich für die OeNB auch in Zukunft weiter verringern", versicherte Stiftinger. "Danach sind wieder Gewinne zu erwarten, mit denen die entstandenen Verluste kompensiert werden."

Bilanzsumme steigt wieder an

Die Bilanzsumme der OeNB betrug zum 31. Dezember 2025 256 Milliarden Euro - ein Anstieg um 19 Milliarden Euro oder 8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der erneute Anstieg nach kontinuierlichen Rückgängen bis 2024 ist zu einem wesentlichen Teil auf den hohen Goldpreis zurückzuführen, der Auswirkungen auf die Bewertung des 280 Tonnen schweren Goldbestands der OeNB hat.

Über 60 Millionen Euro für österreichische Forschung

Trotz der angespannten Geschäftslage kann die OeNB ihre Forschungsförderung fortsetzen. Insgesamt förderte die Nationalbank 2025 die Forschung in Österreich mit über 60 Millionen Euro. Dies umfasst eine Ausschüttung von 50 Millionen Euro an die Nationalstiftung Forschung, Technologie und Entwicklung sowie Unterstützungen für heimische Wirtschaftsforschungsinstitute und den Jubiläumsfonds für Forschungsprojekte.

Besonderer Fokus liegt dabei auf der wissenschaftlichen Nachwuchsentwicklung und Grundlagenforschung. Die positive Performance der Eigenveranlagung sowie der für die Forschung gewidmeten Veranlagung im Jahr 2025 ermöglicht diese kontinuierliche Förderung trotz der schwierigen Geschäftslage.

Ausblick: Vorsichtiger Optimismus trotz Risiken

Die OeNB-Prognose spiegelt die komplexe wirtschaftliche Lage Österreichs wider. Während die geopolitischen Spannungen kurzfristig für Unsicherheit sorgen, bleibt die mittelfristige Perspektive grundsätzlich positiv. Die Erwartung einer graduellen Erholung ab 2027 basiert allerdings auf der Annahme, dass sich die internationalen Konflikte nicht weiter verschärfen und die Energiemärkte wieder zur Ruhe kommen.

Für Unternehmen und Verbraucher bedeutet dies eine Phase der Unsicherheit mit steigenden Preisen und gedämpftem Wachstum. Die hohe Arbeitslosigkeit und die angespannten Staatsfinanzen bleiben zusätzliche Herausforderungen für die österreichische Wirtschaftspolitik.

Schlagworte

#OeNB#Konjunktur#Inflation#Nahost-Krieg#Wirtschaftsprognose

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