Österreich revolutioniert Fahndungstechnik mit "BioCapture"-Technologie
Österreichische Polizei kann künftig Fingerabdrücke direkt vor Ort mit dem Smartphone scannen und Straftäter sofort identifizieren.
Das Bundesministerium für Inneres hat die "BioCapture"-Technologie vorgestellt, die es Polizistinnen und Polizisten ermöglicht, Fingerabdrücke von Personen direkt vor Ort kontaktlos mit dem dienstlichen Smartphone zu scannen und mit verschiedenen Datenbanken abzugleichen.
Die "BioCapture"-Technologie wurde von Innenminister Gerhard Karner, dem Direktor des Bundeskriminalamts Andreas Holzer und Helmut Leopold vom AIT Austrian Institute of Technology präsentiert. Karner sagte: "Die Fahndung nach Kriminellen wird noch moderner, schneller und effizienter".
Das System ermöglicht es den Einsatzkräften, Fingerabdrücke von Personen, die sich nicht ausweisen können oder deren Identität unklar ist, kontaktlos zu erfassen. Innerhalb weniger Minuten erfolgt der Abgleich mit bestehenden Datenbanken, wodurch gesuchte Straftäter und Personen, deren Aufenthalt geklärt werden muss, identifiziert werden können.
Die Technologie wurde über mehrere Jahre hinweg entwickelt, getestet und rechtlich in die polizeilichen Anwendungen implementiert. Ein zentraler Aspekt war die Einhaltung datenschutzrechtlicher und gesetzlicher Vorgaben. Laut OTS werden die erfassten Fingerabdrücke ausschließlich für den unmittelbaren Abgleich verwendet, nicht gespeichert und nach Abschluss des Vorgangs gelöscht.
"BioCapture" ist eine gemeinsame Entwicklung des Bundeskriminalamtes mit dem Austrian Institute of Technology (AIT) und weiteren Forschungspartnern. Die Technologie stößt international auf Interesse; sie wird von Österreich auch bei einer UNO-Veranstaltung in New York vorgestellt.
Der Einsatz der neuen Technologie bringt Vorteile: Für die Polizei ist eine Zeitersparnis im operativen Einsatz und eine Reduktion des administrativen Aufwands angegeben. Zusätzliche Geräte oder der Transport von Angehaltenen zu Dienststellen entfallen laut OTS in einzelnen Fällen.
Auch für kontrollierte Personen ergibt sich laut OTS der Vorteil, dass eine Abklärung vor Ort möglich ist und sie für den Datenabgleich nicht mehr auf eine Polizeidienststelle mitfahren müssen.
Polizistinnen und Polizisten können laut OTS vor Ort feststellen, ob nach einer Person gefahndet wird und ob sie sich rechtmäßig in Österreich aufhält. Entscheidungen über weitere polizeiliche Maßnahmen können unmittelbar vor Ort getroffen werden.
Seit August 2025 befindet sich die Technologie bei ausgewählten Polizeieinheiten wie der Fremdenpolizei im Einsatz; seit Anfang März 2026 ist auch die Bereitschaftseinheit Wien im Testbetrieb. Andreas Holzer, Direktor des Bundeskriminalamts, zog eine positive Bilanz: "Bei 643 Kontrollen wurden 170 Treffer im AFIS-System erzielt und mehrere gesuchte Personen trotz falscher Angaben identifiziert. Es konnte auch ein mutmaßlicher Drogendealer ausgeforscht und festgenommen werden."
Die Rückmeldungen aus dem Außendienst heben laut OTS insbesondere die einfache Handhabung, die Geschwindigkeit und die hohe Trefferqualität hervor.
Laut OTS ist die österreichweite Ausrollung geplant, damit die Anwendung von allen Polizistinnen und Polizisten auf ihren Diensthandys bis Ende des Jahres genutzt werden kann.
Ein weiterer Entwicklungsschritt ist laut OTS die Anbindung an europäische biometrische Systeme ab 2027. Dadurch wird nach OTS-Angaben der Zugriff auf einen Datenbestand von bis zu 400 Millionen Personen möglich.
Bei der Entwicklung der "BioCapture"-Technologie war die Einhaltung datenschutzrechtlicher und gesetzlicher Vorgaben ein zentraler Aspekt. Die erfassten Fingerabdrücke werden laut OTS nur für den unmittelbaren Abgleich verwendet und nach Abschluss des Vorgangs gelöscht.