BioCapture-Technologie ermöglicht kontaktlosen Fingerabdruckscan
Österreich wird zum Vorreiter: Polizisten können künftig Fingerabdrücke direkt mit dem Smartphone scannen und Verdächtige vor Ort identifizieren.
Österreich macht einen großen Sprung in die Zukunft der Polizeiarbeit: Mit der innovativen "BioCapture"-Technologie können Polizisten künftig Fingerabdrücke von Verdächtigen kontaktlos mit ihrem Diensthandy scannen und binnen Minuten mit nationalen und internationalen Datenbanken abgleichen. Diese revolutionäre Neuerung wurde kürzlich von Innenminister Gerhard Karner im Bundeskriminalamt präsentiert.
"Die Fahndung nach Kriminellen wird noch moderner, schneller und effizienter", betonte Innenminister Gerhard Karner bei der Vorstellung der neuen Technologie. Er sprach von einer "kleinen internationalen Sensation", die Österreich gelungen sei. Die BioCapture-Technologie ermöglicht es Polizisten, Personen zu identifizieren, die sich nicht ausweisen können oder falsche Angaben machen.
Die Entwicklung erfolgte in Zusammenarbeit zwischen dem Bundeskriminalamt und dem Austrian Institute of Technology (AIT). "Ein starker Technologie- und Innovationsstandort lebt davon, dass Zukunftslösungen nicht erst im Bedarfsfall entstehen, sondern frühzeitig entwickelt werden", erklärte Innovations- und Technologieminister Peter Hanke.
Das System arbeitet kontaktlos und ist denkbar einfach zu bedienen. Polizisten können mit ihrem Diensthandy Fingerabdrücke scannen und diese innerhalb weniger Minuten mit verschiedenen Datenbanken abgleichen. Dadurch lässt sich sofort feststellen, ob nach einer Person gefahndet wird oder ob sie sich rechtmäßig in Österreich aufhält.
Ein entscheidender Vorteil: Die Identitätsfeststellung erfolgt direkt vor Ort. Verdächtige müssen nicht mehr zur Polizeidienststelle transportiert werden, was sowohl für die Beamten als auch für die kontrollierten Personen Zeit spart. "Entscheidungen über die weiteren polizeilichen Maßnahmen können unmittelbar vor Ort getroffen werden – schnell, effizient und rechtssicher", betont das Innenministerium.
Bei der Entwicklung wurde besonderer Wert auf den Datenschutz gelegt. Die erfassten Fingerabdrücke werden ausschließlich für den unmittelbaren Abgleich verwendet und nicht dauerhaft gespeichert. Nach Abschluss des Vorgangs werden alle biometrischen Daten automatisch gelöst. Dies entspricht den strengen österreichischen und europäischen Datenschutzbestimmungen.
Seit August 2025 läuft die Technologie bei ausgewählten Polizeieinheiten wie der Fremdenpolizei im Testbetrieb. Seit März 2026 ist auch die Bereitschaftseinheit Wien eingebunden. Die Ergebnisse können sich sehen lassen: Bei 643 Kontrollen wurden 170 Treffer im AFIS-System (Automatisiertes Fingerabdruck-Identifikationssystem) erzielt.
"Mehrere gesuchte Personen konnten trotz falscher Angaben identifiziert werden. Es konnte auch ein mutmaßlicher Drogendealer ausgeforscht und festgenommen werden", berichtet Andreas Holzer, Direktor des Bundeskriminalamts, über die ersten Fahndungserfolge.
Besonders positiv fallen die Rückmeldungen aus dem Außendienst aus. Die Polizisten loben vor allem die einfache Handhabung, die Geschwindigkeit und die hohe Trefferqualität des Systems. Diese Faktoren erleichtern die polizeiliche Arbeit und Abläufe erheblich.
Nach den erfolgreichen Tests soll BioCapture nun österreichweit ausgerollt werden. Bis Ende 2026 soll die Anwendung auf allen Diensthandys der österreichischen Polizei verfügbar sein. Damit können künftig alle Polizisten im Land von dieser modernen Technologie profitieren.
Die Vorteile sind vielfältig: Für die Polizei bedeutet die neue Technologie eine deutliche Zeitersparnis im operativen Einsatz und eine spürbare Reduktion des administrativen Aufwands. Auch für kontrollierte Personen ergeben sich Vorteile, da eine Abklärung vor Ort möglich ist und der Transport zur Polizeidienststelle entfällt.
Die BioCapture-Technologie stößt auch international auf großes Interesse. Polizei- und Sicherheitsbehörden aus anderen Ländern zeigen sich beeindruckt von der österreichischen Entwicklung. Österreich wird die Technologie sogar bei einer UNO-Veranstaltung in New York präsentieren.
"Wir dürfen Technologie nicht einfach einkaufen und damit Abhängigkeiten schaffen, sondern müssen selbst konsequent an ihrer Weiterentwicklung arbeiten, um digitale Souveränität zu schaffen und zu erhalten", betonte Helmut Leopold, Head of Center for Digital Safety & Security im Austrian Institute of Technology.
Ein weiterer Entwicklungsschritt ist bereits in Planung: Ab 2027 soll BioCapture an europäische biometrische Systeme angebunden werden. Dadurch wird der Zugriff auf einen Datenbestand von bis zu 400 Millionen Personen möglich – ein bedeutender Fortschritt für die internationale Polizeizusammenarbeit.
Diese Erweiterung würde die Fahndungsmöglichkeiten erheblich verbessern und Österreich zu einem noch wichtigeren Partner in der europäischen Sicherheitsarchitektur machen.
Die Entwicklung von BioCapture unterstreicht Österreichs Position als innovativer Technologiestandort. Die Zusammenarbeit zwischen staatlichen Institutionen und Forschungseinrichtungen wie dem AIT zeigt, wie erfolgreiche Innovationen entstehen können.
Mit der Industriestrategie hat Österreich neun Schlüsseltechnologien und Stärkefelder definiert, die für den Standort die höchste Bedeutung haben. Dazu zählen auch die Bereiche Künstliche Intelligenz und Sensorik, die die Basis für das digitale Identitätsmanagement darstellen.
Das Austrian Institute of Technology spielt dabei eine entscheidende Rolle, indem es frühzeitig Innovationen entwickelt und damit die technologische Vorreiterrolle und technologische Souveränität Österreichs stärkt.
Die Einführung der BioCapture-Technologie markiert einen Wendepunkt in der österreichischen Polizeiarbeit. Sie zeigt, wie moderne Technologie die Sicherheit erhöhen und gleichzeitig die Arbeit der Beamten erleichtern kann.
Die schnelle, effiziente und sichere Kontrolle vor Ort wird nicht nur die Fahndung nach Kriminellen verbessern, sondern auch dazu beitragen, illegal aufhältige Personen schneller zu identifizieren. Dies stärkt sowohl die innere Sicherheit als auch die Effizienz der Polizeiarbeit.
Mit dieser Innovation positioniert sich Österreich als Vorreiter in der modernen Sicherheitstechnologie und könnte anderen Ländern als Vorbild dienen. Die internationale Aufmerksamkeit zeigt bereits, dass Österreich mit BioCapture einen wichtigen Beitrag zur Weiterentwicklung der Polizeiarbeit weltweit leistet.