Kulturbehörde ehrt international renommierten Grafikdesigner
Der aus Vorarlberg stammende Designer Stefan Sagmeister wurde für sein Lebenswerk und seinen prägenden Einfluss auf das internationale Grafikdesign ausgezeichnet.
Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler verlieh am Donnerstag dem international gefeierten Grafikdesigner, Typografen und Künstler Stefan Sagmeister das Goldene Verdienstzeichen des Landes Wien. Die feierliche Zeremonie fand im Stadtsenatssitzungssaal des Wiener Rathauses statt, wo zahlreiche Persönlichkeiten aus Politik, Kunst und Kultur dem 61-jährigen gebürtigen Bregenzer huldigten.
In ihrer Laudation hob Stadträtin Kaup-Hasler Sagmeisters besondere Rolle als ästhetisch denkender Mensch hervor, der sich tiefgreifend mit den Begriffen Freude, Schönheit und Design auseinandersetzt. "Stefan Sagmeisters Werk ist unglaublich vielfältig. Von kommerziellen Aufträgen über Ausstellungen bis hin zu seiner Auseinandersetzung mit den Begriffen 'Schönheit' und 'Freude' prägt er den Kunst- und Designbetrieb und wirkt international", betonte die Kulturstadträtin.
Die Ehrung unterstreicht Sagmeisters nachhaltigen Einfluss auf die internationale Designbranche. Mit seiner innovativen Herangehensweise hat er sowohl formal als auch inhaltlich das Grafikdesign revolutioniert und wird heute von jungen Designerinnen und Designern weltweit zitiert.
Stefan Sagmeister wurde 1962 in Bregenz geboren und studierte an der Universität für angewandte Kunst Wien Grafik und Design in der Klasse von Kurt Schwarz. Ein Fulbright-Stipendium ermöglichte ihm später ein Studium am renommierten Pratt Institute in New York. Nach einem Zwischenstopp bei der Werbeagentur Leo Burnett in Hongkong lebt und arbeitet Sagmeister seit 1993 in New York.
Gemeinsam mit Designerin Jessica Walsh führt er seit 2012 die erfolgreiche Agentur "Sagmeister & Walsh". Sein Kundenkreis ist beeindruckend vielfältig und reicht vom Brauereikonzern Carlsberg bis zum weltberühmten Guggenheim Museum.
Besondere Bekanntheit erlangte Sagmeister durch seine CD-Cover-Designs für namhafte Musikerinnen und Musiker. Lou Reed, die Rolling Stones, David Byrne, Aerosmith und Pat Metheny vertrauten dem österreichischen Designer ihre Albumgestaltungen an. Diese Arbeiten brachten ihm nicht nur internationale Aufmerksamkeit, sondern auch höchste Auszeichnungen ein.
Sechsmal war Sagmeister für einen Grammy nominiert, zweimal wurde er tatsächlich ausgezeichnet: für "Once in a Lifetime" der Talking Heads und für "Everything That Happens Will Happen Today" von David Byrne und Brian Eno. Diese Erfolge festigten seinen Ruf als einer der innovativsten Grafikdesigner seiner Generation.
Sagmeisters Werk war bereits in zahlreichen renommierten Ausstellungen zu sehen. In Wien präsentierte er 2001 "Stealing Eyeballs" im Künstlerhaus und 2002 "Handarbeit" im Museum für angewandte Kunst (MAK). Die DDD Gallery in Tokio zeigte 2003 "Sagmeister Inc. On a Binge", und 2015 kehrte er mit "The Happy Show" ins Wiener MAK zurück.
Mit der Ausstellung "Beauty" widmeten sich Sagmeister und Walsh 2018 dem zeitlosen Thema der Schönheit. Diese Projekte zeigen, wie der Designer die Grenzen zwischen kommerzieller Gestaltung und Kunstausstellung aufhebt und gesellschaftlich relevante Diskurse anregt.
Kulturstadträtin Kaup-Hasler würdigte besonders Sagmeisters Fähigkeit, mit den Mitteln des Designs zu zeigen, "dass Objekte und Gebäude im öffentlichen Raum Freude bereiten und das städtische Bild verändern können". Gerade in der aktuellen Zeit seien "Allianzen jener wichtig, die positive Signale senden und handlungsfähig bleiben, um Angriffen auf unsere Demokratie standzuhalten".
Diese Philosophie spiegelt sich auch in Sagmeisters Engagement für Ken Garlands Manifest "First Things First 2000" wider, das Designerinnen und Designer dazu aufruft, ihre Arbeitskraft Projekten zu widmen, "die die Welt braucht" – Informationsdesign statt reine Markenwerbung.
Die Laudatio hielt Dr. Helmut Lederer, Professor für Allgemeine und Kognitive Psychologie an der Universität Wien. Er hob hervor: "Freude und Schönheit sind zentrale Elemente in Stefan Sagmeisters Werk. Seine radikalen, schonungslos neuen Ideen, die sinnlichen Einschlüsse und sein handwerklich-menschliches Tun formen eine Bildsprache, die Erwartungen erschüttert, im Gedächtnis bleibt und lange nachhallt."
In seiner Dankesrede betonte Sagmeister: "Seit jeher nutze ich die Sprache des Designs nicht nur, um zu werben, sondern um den Blick auf das Gelungene in unserer Welt zu weiten. Ich danke der Stadt Wien für die Ehrung meines Lebenswerks – damit zeigt sie, wie wichtig Design und der Fokus auf das Positive gesellschaftlich ist und was damit bewirkt werden kann."
An der feierlichen Verleihung nahmen neben Familienmitgliedern und Freunden auch prominente Persönlichkeiten aus Politik und Kultur teil. Unter den Gästen waren Franz Mrkvicka, amtsführender Stadtrat a.D., der ehemalige Bundesminister Josef Ostermayer, Nationalratsabgeordneter Christian Oxonitsch sowie Thomas Reindl, Erster Vorsitzender des Wiener Gemeinderates.
Musikalisch wurde der Festakt von den Art4Strings begleitet, die dem feierlichen Rahmen einen angemessenen kulturellen Rahmen verliehen.
Die Wiener Ehrung reiht sich in eine beeindruckende Liste von Auszeichnungen ein. Bereits 2023 erhielt Sagmeister das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich – die höchste Auszeichnung, die das Land an Zivilpersonen verleihen kann.
Mit der Verleihung des Goldenen Verdienstzeichens des Landes Wien würdigt die Bundeshauptstadt nicht nur Sagmeisters künstlerisches Schaffen, sondern auch seinen Beitrag zur internationalen Ausstrahlung österreichischer Kreativität und Designkompetenz. Der gebürtige Vorarlberger hat gezeigt, wie österreichisches Design auf der Weltbühne erfolgreich sein kann, ohne dabei seine humanistischen Werte zu verlieren.