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WK Wien: Mehr KI-Kompetenz in Schulen gegen Fachkräftemangel

Digitale Bildung als Kulturtechnik im Fokus der Wirtschaft

16. März 2026 um 12:30
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Die Wirtschaftskammer Wien fordert verstärkte Vermittlung von KI- und Digitalkompetenzen in Schulen, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken.

Die Digitalisierung verändert die Arbeitswelt fundamental – und die österreichischen Schulen hinken dieser Entwicklung hinterher. Diese Einschätzung teilt die Wirtschaftskammer Wien mit und fordert nun eine stärkere Verankerung von Künstlicher Intelligenz und digitalen Kompetenzen im Bildungssystem. Die Begründung ist klar: Ohne diese Fähigkeiten wird es für junge Menschen zunehmend schwieriger, im Berufsleben erfolgreich zu sein.

Digitale Kompetenzen als neue Kulturtechnik

"Digitale Kompetenzen sind heute eine grundlegende Kulturtechnik. Ohne sie wird es zunehmend schwieriger, im Berufsleben erfolgreich zu sein", erklärt Martin Heimhilcher, Obmann der Sparte Information und Consulting der Wirtschaftskammer Wien. Diese Aussage basiert auf den aktuellen Erkenntnissen des "Vienna Digital Skills Insights", dessen Co-Herausgeber die WK Wien ist.

Die Studie offenbart eine beunruhigende Diskrepanz: Während Künstliche Intelligenz im Alltag immer häufiger genutzt wird, verstehen die wenigsten Menschen die zugrundeliegenden Mechanismen und Grundlagen. Diese oberflächliche Nutzung reicht jedoch für die moderne Arbeitswelt nicht mehr aus.

Verstehen statt nur nutzen

"Schulen müssen junge Menschen befähigen, digitale Technologien nicht nur zu nutzen, sondern auch zu verstehen", betont Heimhilcher. Diese Forderung geht über die reine Anwendung von Software oder Apps hinaus. Es geht um ein fundamentales Verständnis dafür, wie digitale Systeme funktionieren, welche Möglichkeiten sie bieten und wo ihre Grenzen liegen.

Aus Sicht der Wiener Wirtschaft ist diese tiefgreifende digitale Bildung ein entscheidender Standortfaktor. Unternehmen suchen zunehmend nach Fachkräften, die nicht nur digitale Tools bedienen können, sondern auch über IT-Grundverständnis, analytisches Denken und digitale Problemlösungskompetenz verfügen.

Informatik und KI in allen Lehrplänen

Die Wirtschaftskammer Wien plädiert deshalb für eine stärkere Verankerung von Informatik und Künstlicher Intelligenz in den Lehrplänen. Dabei geht es nicht um ein "Entweder-oder" zwischen traditionellen und digitalen Inhalten, sondern um zeitgemäße Prioritätensetzung im Bildungssystem.

"Digitale Bildung darf kein Randthema sein. Sie muss ins Zentrum des Bildungssystems rücken", fordert Heimhilcher unmissverständlich. Diese Zentrierung digitaler Kompetenzen soll nicht nur einzelne Fächer betreffen, sondern fächerübergreifend implementiert werden.

Antwort auf den Fachkräftemangel

Die gezielte Vermittlung von KI- und Digitalkompetenzen sieht die Wiener Wirtschaft als zentralen Hebel gegen den zunehmenden Fachkräftemangel. Die Begründung ist einleuchtend: "IT-Grundverständnis, analytisches Denken und digitale Problemlösungskompetenz – diese Fähigkeiten sind heute in nahezu allen Branchen gefragt", erläutert Heimhilcher.

Der Fachkräftemangel beschränkt sich längst nicht mehr auf reine IT-Unternehmen. Von der Produktion über den Handel bis hin zu Dienstleistungsbetrieben – überall werden Mitarbeiter benötigt, die mit digitalen Systemen umgehen können und diese auch verstehen.

Warnung vor Verschärfung des Problems

"Wenn wir hier nicht gegensteuern, verschärft sich der Mangel an qualifizierten Arbeitskräften weiter", warnt Heimhilcher. Diese Warnung ist nicht unbegründet: Während die Digitalisierung in allen Wirtschaftsbereichen voranschreitet, bleibt die Qualifikation der Arbeitskräfte oft hinter den Anforderungen zurück.

Die Folgen dieses Missverhältnisses sind bereits spürbar. Unternehmen haben Schwierigkeiten, passende Mitarbeiter zu finden, und müssen teilweise aufwendige Nachschulungen anbieten. Dies führt zu höheren Kosten und verzögert Innovationsprozesse.

Notwendige Investitionen in die Infrastruktur

Neben der curricularen Reform fordert die Wirtschaftskammer Wien auch entsprechende Investitionen in die digitale Infrastruktur. Um die Chancen der Künstlichen Intelligenz für den Wirtschaftsstandort Wien optimal zu nutzen, braucht es leistungsfähige Internetverbindungen, moderne Rechenzentren und eine zeitgemäße technische Ausstattung der Bildungseinrichtungen.

Diese Infrastruktur-Investitionen sind die Grundvoraussetzung dafür, dass digitale Bildung überhaupt qualitativ hochwertig vermittelt werden kann. Ohne entsprechende technische Ausstattung bleiben auch die besten Lehrpläne wirkungslos.

Zusammenarbeit zwischen Bildung und Wirtschaft

Eine engere Zusammenarbeit von Universitäten, Forschungseinrichtungen und Wirtschaft soll die KI-Bildungsoffensive zusätzlich stärken. Diese Kooperation kann dazu beitragen, dass die vermittelten Inhalte praxisnah und bedarfsgerecht sind.

Durch den direkten Austausch zwischen Bildungseinrichtungen und Unternehmen können Lehrpläne schneller an die sich wandelnden Anforderungen des Arbeitsmarktes angepasst werden. Gleichzeitig profitieren die Unternehmen von gut ausgebildeten Absolventen.

Herausforderungen und Chancen

Die Umsetzung dieser ambitionierten Pläne bringt sowohl Herausforderungen als auch Chancen mit sich. Eine der größten Herausforderungen liegt in der Lehrerausbildung: Pädagogen müssen selbst erst die notwendigen digitalen Kompetenzen erwerben, bevor sie diese an ihre Schüler weitergeben können.

Gleichzeitig bietet die verstärkte Digitalisierung der Bildung die Chance, Österreich als innovativen Bildungsstandort zu positionieren und die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Wirtschaft nachhaltig zu stärken.

Internationale Vorbilder

Andere Länder sind bereits weiter: In Estland lernen Kinder schon in der Grundschule programmieren, Singapur hat KI-Kompetenz als Pflichtfach eingeführt. Diese Beispiele zeigen, dass eine umfassende digitale Bildung durchaus realisierbar ist.

Österreich steht vor der Entscheidung, entweder den Anschluss zu schaffen oder international weiter zurückzufallen. Die Forderungen der Wirtschaftskammer Wien zeigen einen Weg auf, wie das Land diese Herausforderung meistern könnte.

Ausblick: Wien als digitaler Bildungsstandort

Die Initiative der Wirtschaftskammer Wien ist ein wichtiger Impuls für eine längst überfällige Bildungsreform. Wenn die geforderten Maßnahmen umgesetzt werden, könnte Wien zu einem Vorreiter in der digitalen Bildung werden.

Die Voraussetzungen sind günstig: Wien verfügt über renommierte Universitäten, eine starke Forschungslandschaft und innovative Unternehmen. Was fehlt, ist die konsequente Vernetzung dieser Akteure und die systematische Vermittlung digitaler Kompetenzen bereits in jungen Jahren.

Die Zeit drängt: Während andere Regionen bereits heute die Fachkräfte von morgen ausbilden, diskutiert Österreich noch über die Notwendigkeit digitaler Bildung. Die Wirtschaftskammer Wien hat mit ihrem Vorstoß eine wichtige Debatte angestoßen – nun liegt es an der Politik, die entsprechenden Weichen zu stellen.

Schlagworte

#Wirtschaftskammer Wien#Digitalisierung#Künstliche Intelligenz#Bildung#Fachkräftemangel

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