Ein vier Wochen dauerndes Praktikum in Belfast, Malmö oder Toulouse – kostenlos und vollständig finanziert. Was für viele Jugendliche wie ein Traum klingt, wird für 139 niederösterreichische Lehrli
Ein vier Wochen dauerndes Praktikum in Belfast, Malmö oder Toulouse – kostenlos und vollständig finanziert. Was für viele Jugendliche wie ein Traum klingt, wird für 139 niederösterreichische Lehrlinge in diesem Jahr Realität. Die gemeinsame Initiative „Let's Walz" von Wirtschaftskammer NÖ und Arbeiterkammer NÖ verzeichnet 2025 einen neuen Teilnehmerrekord und etabliert sich als Vorzeigeprojekt der internationalen Berufsausbildung.
Das Interesse an der modernen Wanderschaft steigt kontinuierlich: Während 2017 beim Start der Initiative nur wenige Dutzend Lehrlinge teilnahmen, bewerben sich mittlerweile jährlich über 130 Nachwuchskräfte für die begehrten Praktikumsplätze im Ausland. Diese Entwicklung spiegelt einen grundlegenden Wandel in der österreichischen Lehrlandschaft wider, der internationale Erfahrungen zunehmend als unverzichtbaren Baustein der Berufsausbildung betrachtet.
Der Begriff „Wanderschaft" ist tief in der österreichischen Handwerkstradition verwurzelt. Bereits im Mittelalter zogen Gesellen von Stadt zu Stadt, um ihr Können zu perfektionieren und neue Techniken zu erlernen. Die historische Walz war oft eine mehrjährige Reise, bei der Handwerker ihre „Wanderjahre" absolvierten, bevor sie als Meister anerkannt wurden. Diese jahrhundertealte Tradition erlebt durch „Let's Walz" eine zeitgemäße Renaissance, angepasst an die Bedürfnisse der modernen Arbeitswelt.
Während die traditionelle Wanderschaft hauptsächlich im deutschsprachigen Raum stattfand, öffnet das niederösterreichische Programm Türen zu zehn europäischen Ländern. Die vier Wochen Auslandserfahrung sind dabei präzise kalkuliert: Lang genug, um tiefgreifende Erfahrungen zu sammeln, kurz genug, um den Ausbildungsfortschritt nicht zu gefährden.
Das Spektrum der Destinationen ist beeindruckend vielfältig: Deutschland (Leipzig), Dänemark (Aalborg), Frankreich (Toulouse), Griechenland (Heraklion), Island (Reykjavik), Italien (Pistoia), Nordirland (Belfast), Portugal (Lissabon), Schweden (Malmö) und Spanien (Córdoba). Jedes Land bietet spezifische Lernmöglichkeiten und kulturelle Erfahrungen.
In Deutschland können Lehrlinge die hochentwickelte Industrie 4.0 hautnah erleben, während Skandinavien für seine fortschrittlichen Arbeitsplatzkonzepte und Work-Life-Balance bekannt ist. Südeuropäische Länder wie Spanien und Italien bieten Einblicke in traditionelle Handwerkstechniken, die oft generationenlang weitergegeben wurden. Die Auswahl der Städte erfolgte strategisch: Alle Standorte sind wirtschaftliche Zentren mit starken Ausbildungsbetrieben und einer lebendigen Lehrkultur.
Der akute Fachkräftemangel in Österreich verleiht Programmen wie „Let's Walz" zusätzliche Bedeutung. Laut Statistik Austria sind derzeit über 200.000 Stellen unbesetzt, davon ein Großteil im Handwerk und in technischen Berufen. Internationale Erfahrungen machen Lehrlinge nicht nur attraktiver für Arbeitgeber, sondern steigern auch deren Motivation, im erlernten Beruf zu bleiben.
„Ein Aufenthalt im Ausland erweitert nicht nur den fachlichen Horizont, sondern stärkt auch zentrale Kompetenzen für das Berufsleben