Wettbewerbsbericht zeigt dringenden Handlungsbedarf im Online-Handel
Österreichs Handelsobmann Trefelik fordert gleiche Regeln für alle nach kritischem Temu-Bericht der Wettbewerbsbehörde.
Die Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) schlägt Alarm: Ein aktueller Bericht der Bundeswettbewerbsbehörde über die chinesische E-Commerce-Plattform Temu bestätigt massive Probleme im Online-Handel. Rainer Trefelik, Obmann der Bundessparte Handel in der WKÖ, sieht dringenden Handlungsbedarf für fairere Wettbewerbsbedingungen.
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Allein im vergangenen Jahr gingen 229 Beschwerden über Temu bei der Bundeswettbewerbsbehörde ein. "Der Bericht bestätigt, wovor wir schon lange warnen", erklärt Trefelik. Die asiatische Plattform bediene sich verschiedener Methoden, die unter unlauteren Wettbewerb fallen.
Zu den kritisierten Praktiken zählen:
Das Kernproblem liegt laut Trefelik in den ungleichen Wettbewerbsbedingungen. Während österreichische und europäische Händler strenge Regelungen befolgen müssen, können asiatische Plattformen diese oft umgehen. "Wenn wir faire Bedingungen für alle haben wollen, müssen wir rasch handeln", fordert der Handelsobmann.
Die rasch wachsende Billigkonkurrenz aus Asien bringe den heimischen Handel zunehmend unter Druck. Österreichische Unternehmen kämpfen nicht nur mit höheren Kosten und strengeren Vorschriften, sondern auch mit unlauteren Praktiken ihrer Konkurrenten.
Trefelik fordert, dass europäische Regelungen ausnahmslos für alle Marktteilnehmer gelten müssen. "Es darf hier keine Schlupflöcher geben", betont er. Dies betreffe verschiedene Bereiche:
Bestimmungen zur Produktsicherheit, Verpackung und Entsorgung müssen für alle Anbieter gelten. Auch Nachweispflichten im Rahmen der EU-Entwaldungsverordnung dürfen nicht umgangen werden. "Wenn heimische Händler diese Pflichten haben, müssen sie genauso für jene gelten, die aus Drittländern an europäische Konsumenten verkaufen", so Trefelik.
Auch bei Steuern und Abgaben fordert die WKÖ Gleichbehandlung. Alle Marktteilnehmer sollten ihre steuerlichen Pflichten ordnungsgemäß erfüllen müssen.
Ein wichtiger Schritt zur Verbesserung der Situation ist die geplante Abschaffung des 150-Euro-Zollfreibetrags für Pakete aus Drittländern. Diese soll 2028 vollständig umgesetzt werden. Als Übergangslösung plant die EU ab Mitte dieses Jahres eine Paketgebühr von 3 Euro.
In Österreich könnte die nationale Paketgebühr noch höher ausfallen als die EU-Regelung. Trefelik begrüßt diese Entwicklung grundsätzlich, warnt aber vor Umsetzungsproblemen: "Diese müssen so ausgestaltet sein, dass sie praktikabel sind und tatsächlich greifen."
Die Gebühren sollten sich ausschließlich auf Geschäfte mit Endkunden konzentrieren und nicht den B2B-Bereich betreffen. "Ansonsten haben erst wieder die europäischen Händler mehr Bürokratie und höhere Kosten, während die Gebühr dort, wo sie eigentlich greifen sollte, zahnlos bleibt", warnt der Handelsobmann.
Die chinesische Plattform Temu bereitet sich bereits auf die neuen Regelungen vor. Das Unternehmen plant Lager in Europa, um die Paketgebühren zu umgehen. Dies zeigt, wie wichtig eine durchdachte und lückenlose Umsetzung der neuen Bestimmungen ist.
Der WKÖ-Bericht verdeutlicht die komplexen Herausforderungen im digitalen Binnenmarkt. Die Politik steht vor der Aufgabe, einerseits den freien Handel zu fördern, andererseits aber faire Wettbewerbsbedingungen für alle Marktteilnehmer zu schaffen.
Da es sich um grenzüberschreitende Online-Plattformen handelt, ist eine koordinierte Vorgehensweise auf EU-Ebene unerlässlich. Einzelne nationale Maßnahmen können leicht umgangen werden, wie das Beispiel der geplanten europäischen Lager von Temu zeigt.
Die unfairen Praktiken betreffen nicht nur die Händler, sondern auch die Konsumenten. Irreführende Produktbeschreibungen, manipulative Preisgestaltung und Sicherheitsmängel können zu Enttäuschungen und sogar zu Gesundheitsrisiken führen.
Gleichzeitig profitieren Verbraucher oft von den günstigen Preisen asiatischer Plattformen. Die Herausforderung besteht darin, faire Wettbewerbsbedingungen zu schaffen, ohne die Vorteile des internationalen Online-Handels zu verlieren.
Die WKÖ drängt auf schnelle Umsetzung der geplanten Maßnahmen. Der Bericht der Wettbewerbsbehörde liefert wichtige Grundlagen für politische Entscheidungen. Nun kommt es darauf an, dass diese Erkenntnisse in wirksame Regelungen umgesetzt werden.
"Nur so können wir den heimischen Handel stärken, anstatt ihn durch eine rasch wachsende Billigkonkurrenz aus Asien weiter unter Druck zu bringen", fasst Trefelik die Situation zusammen. Die kommenden Monate werden zeigen, ob die geplanten Maßnahmen die erhofften Verbesserungen bringen.