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22 Millionen Euro für Forschungszentren: Österreich startet COMET-Offensive

26. März 2026 um 10:25
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Eine neue Ära der österreichischen Forschungsförderung hat begonnen: Mit dem Start des COMET-Calls 2026 investiert die Regierung gezielt 22 Millionen Euro Bundesmittel in kooperative Spitzenforschu...

Eine neue Ära der österreichischen Forschungsförderung hat begonnen: Mit dem Start des COMET-Calls 2026 investiert die Regierung gezielt 22 Millionen Euro Bundesmittel in kooperative Spitzenforschung. Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer und Innovationsminister Peter Hanke setzen damit einen zentralen Baustein der Industriestrategie 2035 um. Das Ziel ist ambitioniert: Österreichs Position als Forschungsstandort stärken und gleichzeitig die oft kritisierte Lücke zwischen wissenschaftlicher Exzellenz und wirtschaftlicher Verwertung schließen.

Was ist COMET und warum ist es so wichtig?

Das COMET-Programm (Competence Centers for Excellent Technologies) ist Österreichs Flaggschiff im Bereich des Technologietransfers. Seit seiner Einführung vor über einem Jahrzehnt hat sich das Programm zu einem der wichtigsten Instrumente entwickelt, um die Brücke zwischen Universitäten, Forschungseinrichtungen und der Wirtschaft zu schlagen. Der Name COMET steht dabei symbolisch für die Geschwindigkeit und Leuchtkraft, mit der Innovationen vom Labor in die Praxis gelangen sollen.

Das Besondere an COMET ist die strukturierte Herangehensweise: Wissenschaftliche Forschungseinrichtungen und Unternehmen bilden langfristige Partnerschaften, um gemeinsam an zukunftsweisenden Technologien zu arbeiten. Diese Kooperationen entstehen nicht zufällig, sondern werden strategisch geplant und über mehrere Jahre gefördert. Dabei entstehen sogenannte Kompetenzzentren – spezialisierte Forschungseinrichtungen, die sich auf bestimmte Technologiefelder konzentrieren und dabei sowohl Grundlagenforschung als auch anwendungsorientierte Entwicklung betreiben.

Österreichs Forschungsparadox: Spitze bei Ausgaben, schwach bei Umsetzung

Österreich investiert gemessen am Bruttoinlandsprodukt überdurchschnittlich viel in Forschung und Entwicklung. Mit einer F&E-Quote von über 3 Prozent des BIP liegt das Land europaweit in den Top 5 – noch vor Deutschland (3,1 Prozent) und deutlich über dem EU-Durchschnitt von 2,3 Prozent. Die Schweiz führt mit 3,4 Prozent, gefolgt von Schweden und Belgien.

Dennoch hinkt Österreich bei einem entscheidenden Punkt hinterher: der Verwertung von Forschungsergebnissen. Während deutsche Unternehmen jährlich tausende Patente anmelden und innovative Produkte zur Marktreife bringen, bleiben in Österreich zu viele brillante Forschungsideen in den Universitätslaboren stecken. Diese Diskrepanz zwischen Forschungsinvestition und wirtschaftlicher Verwertung wird in Fachkreisen als "Austrian Innovation Paradox" bezeichnet.

Wirtschaftsminister Hattmannsdorfer bringt das Problem auf den Punkt: "Österreich gehört bei den Forschungsausgaben zur europäischen Spitze – aber wir müssen besser werden, wenn es um die Umsetzung geht." Genau hier setzt der neue COMET-Call an und verspricht eine Abkehr vom bisherigen "Gießkannenprinzip" hin zu gezielten Investitionen in Schlüsseltechnologien.

Schlüsseltechnologien der Zukunft: Wo Österreich punkten will

Der COMET-Call 2026 ist nicht mehr thematisch offen wie frühere Ausschreibungen, sondern fokussiert sich gezielt auf die Schlüsseltechnologien der österreichischen Industriestrategie 2035. Diese strategische Ausrichtung markiert einen Paradigmenwechsel in der österreichischen Forschungsförderung.

Im Zentrum stehen vier Hauptbereiche: Künstliche Intelligenz (KI) soll österreichischen Unternehmen helfen, in der Digitalisierung nicht den Anschluss zu verlieren. Während Konzerne wie Google, Microsoft oder chinesische Tech-Giganten Milliarden in KI-Forschung investieren, setzt Österreich auf spezialisierte Nischenbereiche wie KI in der Produktion oder im Gesundheitswesen.

Life Sciences – der Bereich der Biotechnologie und Medizintechnik – gilt als besonders zukunftsträchtig. Österreich hat hier bereits starke Player wie die Wiener Biotechnologie-Unternehmen oder die oberösterreichische Medizintechnik-Branche. Mit der Corona-Pandemie hat sich gezeigt, wie wichtig eine starke heimische Life-Sciences-Industrie für die Versorgungssicherheit ist.

Energie- und Umwelttechnologien sind angesichts des Klimawandels und der Energiewende von zentraler Bedeutung. Österreich will hier seine traditionellen Stärken – etwa in der Wasserkraft oder bei Umwelttechnologien – ausbauen und neue Bereiche wie Wasserstoff-Technologie oder innovative Batteriesysteme erschließen.

Advanced Materials – innovative Materialien mit besonderen Eigenschaften – gelten als Grundlage für viele andere Technologien. Von superleichten Kohlefaser-Verbundwerkstoffen für die Luftfahrt bis hin zu selbstheilenden Materialien für die Bauindustrie reicht das Spektrum.

Konkrete Auswirkungen für Unternehmen und Bürger

Was bedeuten diese Investitionen konkret für österreichische Unternehmen und Bürger? Die Antwort liegt in der Wertschöpfungskette: Wenn ein österreichisches COMET-Zentrum eine innovative Produktionstechnologie entwickelt, profitieren zunächst die beteiligten Unternehmen durch Effizienzsteigerungen und neue Geschäftsmöglichkeiten. Diese Wettbewerbsvorteile führen zu höheren Gewinnen, mehr Investitionen und letztendlich zu neuen, gut bezahlten Arbeitsplätzen.

Ein konkretes Beispiel: Das COMET-Zentrum "Materials Center Leoben" hat in den vergangenen Jahren Technologien für die Stahlveredelung entwickelt, die heimischen Stahlproduzenten wie der voestalpine entscheidende Vorteile im internationalen Wettbewerb verschafft haben. Dadurch konnten Produktionsstandorte in Österreich gehalten und neue Arbeitsplätze geschaffen werden, anstatt die Produktion in Billiglohnländer zu verlagern.

Für die Bürger bedeuten erfolgreiche COMET-Projekte nicht nur sichere Arbeitsplätze, sondern auch innovative Produkte und Dienstleistungen. Von energieeffizienteren Gebäudetechnologien über neue medizinische Behandlungsmethoden bis hin zu umweltfreundlicheren Transportlösungen – die Forschungsergebnisse fließen direkt in den Alltag ein.

Zwei Programmlinien für unterschiedliche Bedürfnisse

Der COMET-Call 2026 unterteilt sich in zwei komplementäre Programmlinien, die verschiedene Phasen des Innovationszyklus abdecken. Diese Struktur spiegelt die Erkenntnis wider, dass Innovation ein komplexer Prozess ist, der unterschiedliche Förderinstrumente benötigt.

Die COMET-Projekte fungieren als Einstieg in das Programm und richten sich an Konsortien aus mindestens einer Forschungseinrichtung und drei Unternehmen. Mit einer Laufzeit von drei bis vier Jahren und einer Förderquote von rund 45 Prozent zielen sie auf die Entwicklung marktnaher Produkte, Prozesse und Dienstleistungen ab. Diese Projekte sind besonders für kleinere und mittlere Unternehmen interessant, die erstmals in kooperative Forschung einsteigen möchten.

Die COMET-Module hingegen setzen auf bestehenden Zentren auf und fördern besonders risikoreiche Forschung "beyond state of the art". Mit einer Förderquote von bis zu 80 Prozent über vier Jahre ermöglichen sie es etablierten Forschungszentren, in völlig neue technologische Felder vorzustoßen. Diese hohe Förderquote reflektiert das hohe Risiko solcher Grundlagenforschung, die möglicherweise erst nach vielen Jahren zu verwertbaren Ergebnissen führt.

Österreich im internationalen Vergleich

Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern nimmt Österreich mit dem COMET-Programm eine Sonderstellung ein. Deutschland setzt mit seinen Fraunhofer-Instituten auf ein ähnliches, aber dezentraleres Modell der angewandten Forschung. Die Schweiz konzentriert sich stärker auf die Exzellenz ihrer ETH-Hochschulen und deren Spin-offs.

Frankreich verfolgt mit seinen "Instituts Carnot" einen ähnlichen Ansatz wie Österreich, allerdings mit stärkerer staatlicher Lenkung. Die skandinavischen Länder setzen hingegen mehr auf privatwirtschaftliche Forschung und staatliche Anreize für Unternehmen.

Was Österreich von vielen anderen Ländern unterscheidet, ist die strukturierte Langfristigkeit des COMET-Programms. Während andere Länder oft kurzfristige Förderprogramme auflegen, baut COMET bewusst langfristige Partnerschaften auf, die über mehrere Förderperioden bestehen können. Dies ermöglicht es den Zentren, kontinuierlich Know-how aufzubauen und nachhaltige Innovationen zu entwickeln.

Das bestehende COMET-Netzwerk: Erfolgsgeschichten aus ganz Österreich

Das aktuelle COMET-Netzwerk umfasst bereits 23 Zentren, 17 Module und 15 Projekte, die über ganz Österreich verteilt sind. Diese Zentren haben in den vergangenen Jahren beeindruckende Erfolge erzielt und demonstrieren das Potenzial des Programms.

Das "Wood K plus" in Tulln beispielsweise hat Technologien entwickelt, die es ermöglichen, Holz als nachhaltigen Rohstoff für innovative Anwendungen zu nutzen – von Holz-Beton-Verbundwerkstoffen bis hin zu neuen Verfahren der Zellstoffproduktion. Diese Innovationen stärken nicht nur die traditionelle österreichische Forstwirtschaft, sondern erschließen auch völlig neue Märkte.

Das "VIRTUAL VEHICLE Research Center" in Graz hat sich als europäischer Spitzenreiter in der virtuellen Fahrzeugentwicklung etabliert. Die dort entwickelten Simulationstechnologien werden von internationalen Automobilkonzernen genutzt und haben dazu beigetragen, dass Graz sich als wichtiger Automotive-Standort behaupten konnte.

In Oberösterreich arbeitet das "COMET-Zentrum PROFACTOR" an Automatisierungslösungen für die Industrie 4.0. Die dort entwickelten Technologien helfen österreichischen Industrieunternehmen dabei, ihre Produktivität zu steigern und gleichzeitig flexibler auf Kundenwünsche eingehen zu können.

Herausforderungen und Risiken

Trotz der positiven Aussichten ist der neue COMET-Call nicht ohne Risiken. Die Fokussierung auf Schlüsseltechnologien kann dazu führen, dass innovative Ideen in anderen Bereichen vernachlässigt werden. Kritiker warnen vor einer zu starken staatlichen Lenkung, die möglicherweise Marktmechanismen außer Kraft setzt.

Ein weiteres Risiko liegt in der internationalen Konkurrenz. Während Österreich 22 Millionen Euro für den COMET-Call bereitstellt, investieren andere Länder deutlich höhere Summen in ähnliche Programme. Deutschland beispielsweise stellt allein für die Fraunhofer-Gesellschaft jährlich über 600 Millionen Euro bereit. China investiert Milliarden in staatlich gelenkte Forschungsprogramme.

Auch die Frage der Nachhaltigkeit stellt sich: Was passiert mit den COMET-Zentren nach Ablauf der Förderperiode? Können sie sich selbst tragen oder sind sie dauerhaft auf staatliche Unterstützung angewiesen? Die Erfahrungen der vergangenen Jahre zeigen ein gemischtes Bild: Während einige Zentren erfolgreich Drittmittel einwerben und sich teilweise selbst finanzieren können, bleiben andere dauerhaft förderabhängig.

Zeitplan und Ausblick

Die Ausschreibungen für den COMET-Call 2026 laufen ab sofort bis zum 13. Oktober 2026. Erste Projektstarts sind ab 2027 vorgesehen – ein Zeitplan, der durchaus ambitioniert ist, angesichts der komplexen Evaluierungsverfahren und der notwendigen Konsortiumsbildung.

Innovationsminister Peter Hanke betont die Bedeutung dieser Partnerschaften: "Exzellente Forschung entsteht im Zusammenspiel von Wissenschaft und Wirtschaft. COMET schafft genau diese Partnerschaften und ermöglicht es, innovative Ideen rasch in konkrete Anwendungen zu überführen."

Die langfristige Vision geht über den aktuellen Call hinaus: Bis 2035 soll Österreich zu den führenden Innovationsstandorten Europas gehören. Die COMET-Zentren sollen dabei als "Leuchttürme" fungieren, die nicht nur selbst innovative Lösungen entwickeln, sondern auch als Magneten für internationale Talente und Investitionen wirken.

Besonders wichtig ist dabei die Ausbildungsfunktion der Zentren: Junge Wissenschaftler und Ingenieure sollen dort nicht nur theoretisches Wissen erwerben, sondern auch lernen, wie Forschung praktisch umgesetzt wird. Diese "Translationskompetenz" – die Fähigkeit, zwischen Wissenschaft und Wirtschaft zu vermitteln – gilt als Schlüsselqualifikation für die Innovationsgesellschaft der Zukunft.

Was bedeutet das für die österreichische Wirtschaft?

Der neue COMET-Call ist mehr als nur ein weiteres Förderprogramm – er ist ein Signal für die strategische Neuausrichtung der österreichischen Wirtschaftspolitik. Weg von der traditionellen Rolle als "verlängerte Werkbank" ausländischer Konzerne, hin zu einem Standort für hochwertige, technologieintensive Produktion und Dienstleistungen.

Für österreichische Unternehmen eröffnen sich durch die verstärkte Kooperation mit Forschungseinrichtungen neue Möglichkeiten: Zugang zu hochqualifizierten Fachkräften, modernste Forschungsinfrastruktur und die Möglichkeit, Entwicklungsrisiken zu teilen. Gleichzeitig entstehen durch die Vernetzung der COMET-Zentren untereinander Synergieeffekte, die einzelne Unternehmen allein nicht erreichen könnten.

Die Fokussierung auf Schlüsseltechnologien soll dabei helfen, kritische Abhängigkeiten zu reduzieren. Die Corona-Pandemie und die geopolitischen Spannungen der vergangenen Jahre haben gezeigt, wie verwundbar globale Lieferketten sind. Mit eigenen Kompetenzen in strategisch wichtigen Bereichen kann Österreich seine Versorgungssicherheit stärken und gleichzeitig neue Exportmöglichkeiten erschließen.

Die Rolle der Bundesländer

Der COMET-Call wird nicht nur vom Bund finanziert, sondern ergänzt durch Mittel der Länder. Diese Ko-Finanzierung spiegelt die föderale Struktur Österreichs wider und stellt sicher, dass die Zentren auch regional verankert sind. Jedes Bundesland kann dabei seine spezifischen Stärken einbringen: Wien mit seinem starken Dienstleistungssektor und den Universitäten, Oberösterreich mit seiner Industrietradition, Tirol mit dem Fokus auf Tourismus und Alpine Technologien.

Diese regionale Verankerung ist wichtig, um sicherzustellen, dass die COMET-Zentren nicht nur in den Ballungsräumen entstehen, sondern auch strukturschwächere Regionen stärken. Ein erfolgreiches COMET-Zentrum kann für eine Region zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor werden und hochqualifizierte Arbeitsplätze auch abseits der großen Städte schaffen.

Der neue COMET-Call 2026 markiert damit einen wichtigen Meilenstein in der österreichischen Innovationsstrategie. Mit 22 Millionen Euro Bundesmitteln und der strategischen Fokussierung auf Schlüsseltechnologien setzt die Regierung ein klares Signal: Österreich will nicht nur Forschungsweltmeister bleiben, sondern auch bei der wirtschaftlichen Verwertung von Innovationen zur Spitze aufschließen. Ob dieser ambitionierte Plan aufgeht, wird sich in den kommenden Jahren zeigen – die Weichen sind jedenfalls gestellt.

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