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Frauen mit Behinderungen fordern ökonomische Selbstbestimmung

Zum Weltfrauentag: Kampf gegen Abhängigkeit und Armut

5. März 2026 um 14:51
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FmB-Interessensvertretung prangert prekäre Situation von Frauen mit Behinderungen am Arbeitsmarkt an und fordert politische Maßnahmen.

Zum Internationalen Frauentag am 8. März rückt die Interessensvertretung FmB (Frauen mit Behinderungen) ein oft übersehenes gesellschaftliches Problem in den Fokus: die fehlende ökonomische Selbstbestimmung von Frauen mit Behinderungen in Österreich. Die Organisation warnt vor gravierenden Auswirkungen dieser Situation auf die Betroffenen.

Doppelte Benachteiligung am Arbeitsmarkt

Frauen mit Behinderungen sehen sich einer doppelten Diskriminierung gegenüber: Neben dem bekannten Gender Pay Gap müssen sie zusätzlich einen "Disability Gap" überwinden. Diese Kombination führt zu einer besonders prekären wirtschaftlichen Situation, die weit über individuelle Nachteile hinausgeht.

Die Statistiken sprechen eine deutliche Sprache: Frauen mit Behinderungen sind überproportional von Arbeitslosigkeit betroffen. Vollzeitbeschäftigung ist für viele aufgrund ihrer gesundheitlichen Einschränkungen oder Care-Verpflichtungen oft nicht möglich. Gleichzeitig fehlt es an gleichberechtigtem Zugang zum regulären Arbeitsmarkt.

Abhängigkeit durch strukturelle Barrieren

"Mit den Behinderungen durch unsere Gesellschaft zu leben, ist schon ein Teilzeit-Job für sich - Therapien, Anträge und die alltäglichen Barrieren kosten Zeit und Kraft", erklärt Julia Moser, Co-Vorsitzende von FmB. Sie kritisiert, dass anstatt unterstützender Maßnahmen die Politik die prekären Lebensrealitäten ignoriere und diese sogar noch verschärfe.

Besonders problematisch gestaltet sich die Situation bei Unterstützungsleistungen. Viele Frauen mit Behinderungen können nicht selbstbestimmt über diese verfügen, da Erwachsenenvertreter, Partner oder Familienmitglieder mehr mitentscheiden, als notwendig oder gewünscht wäre. Diese Fremdbestimmung verstärkt die Abhängigkeitsverhältnisse zusätzlich.

Partnerschaft als Armutsfalle

Ein weiteres strukturelles Problem zeigt sich bei der Berechnung von Sozialleistungen: Frauen mit Behinderungen erhalten oft weniger Unterstützung, wenn sie in einer Partnerschaft leben. Das Partnereinkommen wird angerechnet, was paradoxerweise zu noch größerer finanzieller Abhängigkeit führt.

Gefahr von Gewalt und Armut

Die fehlende ökonomische Selbstbestimmung hat gravierende Folgen, die über finanzielle Nachteile hinausgehen. Abhängigkeitsverhältnisse erhöhen das Risiko von Gewalt und Missbrauch erheblich. "Die ökonomische Selbstbestimmung von Frauen mit Behinderungen zu fördern ist unerlässlich, um Abhängigkeitsverhältnisse zu verhindern, die für uns Frauen mit Behinderungen besonders gefährlich sind", warnt Heidemarie Egger, Co-Vorsitzende von FmB.

Ohne ausreichende finanzielle Mittel fehlt Betroffenen oft die Möglichkeit, sich aus schädlichen Beziehungen oder problematischen Wohnsituationen zu befreien. Diese Situation macht sie besonders verletzlich für verschiedene Formen der Ausbeutung.

Pensionsarmut als langfristige Folge

Die Auswirkungen der erschwerten Arbeitsmarktsituation zeigen sich besonders deutlich im Alter. Durch geringere Erwerbseinkommen und häufige Teilzeitbeschäftigung entstehen niedrigere Pensionsansprüche. Dies führt zu einer systematischen Altersarmut von Frauen mit Behinderungen.

Die Kombination aus Gender Gap und Disability Gap verstärkt sich über die gesamte Erwerbsbiografie hinweg und kulminiert in einer besonders prekären finanziellen Situation im Alter. Viele sind dann auf zusätzliche Sozialleistungen angewiesen, was die Abhängigkeit von staatlichen Transferleistungen perpetuiert.

Politische Forderungen der FmB

Die Interessensvertretung FmB fordert konkrete politische Maßnahmen zur Verbesserung der Situation. Dazu gehören:

  • Besserer Zugang zum regulären Arbeitsmarkt durch Abbau von Barrieren
  • Faire Entlohnung für Frauen mit Behinderungen
  • Flexible Arbeitsmodelle, die gesundheitliche Einschränkungen berücksichtigen
  • Reform der Anrechnung von Partnereinkommen bei Sozialleistungen
  • Stärkung der Selbstbestimmung bei Unterstützungsleistungen

Intersektionale Perspektive notwendig

Die Situation von Frauen mit Behinderungen erfordert eine intersektionale Betrachtungsweise, die sowohl geschlechtsspezifische als auch behinderungsbedingte Diskriminierung berücksichtigt. Bisherige Gleichstellungsmaßnahmen greifen oft zu kurz, da sie diese Mehrfachdiskriminierung nicht ausreichend beachten.

Gesellschaftliche Verantwortung

"Wir fordern Maßnahmen, auch in schwierigen Zeiten, die die Situation der Frauen mit Behinderungen im Blick haben", betont Heidemarie Egger. Die Forderung macht deutlich, dass auch in wirtschaftlich angespannten Zeiten die Rechte und Bedürfnisse dieser vulnerable Gruppe nicht vernachlässigt werden dürfen.

Die gesellschaftliche Verantwortung erstreckt sich dabei über politische Maßnahmen hinaus. Arbeitgeber, Bildungseinrichtungen und soziale Dienste sind gleichermaßen gefordert, Barrieren abzubauen und Chancengleichheit zu schaffen.

Ausblick und Handlungsbedarf

Die Forderungen der FmB zum Weltfrauentag machen deutlich, dass ökonomische Selbstbestimmung ein Grundrecht ist, das allen Frauen - unabhängig von eventuellen Behinderungen - zusteht. Die aktuelle Situation zeigt jedoch, dass von echter Gleichberechtigung noch weit entfernt sind.

Der Kampf für ökonomische Selbstbestimmung ist dabei nicht nur eine Frage der Gerechtigkeit, sondern auch der gesellschaftlichen Stabilität. Eine Gesellschaft, die einen beträchtlichen Teil ihrer Mitglieder in Abhängigkeit und Armut belässt, verschwendet wertvolles Potenzial und verstößt gegen grundlegende Menschenrechte.

Die Botschaft zum Weltfrauentag ist klar: Es braucht dringend konkrete Maßnahmen, um Frauen mit Behinderungen echte Teilhabe am Erwerbsleben und damit ökonomische Selbstbestimmung zu ermöglichen. Nur so kann die Spirale aus Abhängigkeit, Armut und erhöhtem Gewaltrisiko durchbrochen werden.

Schlagworte

#Frauen mit Behinderungen#Weltfrauentag#Ökonomische Selbstbestimmung#Arbeitsmarkt#Diskriminierung

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