Zweiter Streik in Ordenskrankenhäusern zeigt wachsende Unzufriedenheit
Ganztägiger Streik in acht Ordenskrankenhäusern Oberösterreichs: Beschäftigte fordern 37-Stunden-Woche und bessere Arbeitsbedingungen.
Ein deutliches Zeichen der Unzufriedenheit setzten am Montag die Beschäftigten der oberösterreichischen Ordenskrankenhäuser. Mit einem ganztägigen Streik machten 1.700 nicht-ärztliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus allen acht Standorten ihrem Ärger über die festgefahrenen Kollektivvertragsverhandlungen Luft. Es war bereits der zweite Streik binnen weniger Wochen – ein klares Signal, dass die Geduld der Belegschaft erschöpft ist.
Die Situation in den oberösterreichischen Ordenskrankenhäusern spitzt sich zu. Bereits Ende Januar hatte es einen ersten Streik gegeben, doch auch die sechste Verhandlungsrunde am 24. Februar sowie eine eigens eingesetzte Arbeitsgruppe brachten keine Annäherung zwischen Gewerkschaft und Arbeitgebern. Die Beschäftigten fordern vor allem eine spürbare Entlastung durch die Verkürzung der Wochenarbeitszeit von derzeit 40 auf 37 Stunden.
"Die Kolleginnen und Kollegen stemmen Tag für Tag die Versorgung in den Ordenskrankenhäusern – unter enormem Druck, mit hoher Verantwortung und oft am Limit", betont Martina Reischenböck, Kollektivvertragsverhandlerin der Gewerkschaft vida. "Wer solche Leistungen einfordert, muss auch bereit sein, sie fair zu honorieren."
Die hohe Beteiligung am Streik überraschte selbst die Gewerkschaftsvertreter. Bereits in den frühen Morgenstunden versammelten sich die Beschäftigten an allen Standorten zu Betriebs- und Streikversammlungen. Bei der öffentlichen Streikversammlung in Linz nahmen gegen Mittag rund 800 Personen teil, darunter auch zahlreiche Unterstützer aus der Bevölkerung. Auch in Wels, Grieskirchen, Ried und Braunau fanden mobile Streikversammlungen statt.
Besonders kritisiert die Gewerkschaft das Verhalten der Arbeitgeber im Vorfeld des Streiks. Gerald Mjka, Fachbereichsvorsitzender Gesundheit bei vida, spricht von "massiven persönlichen Einschüchterungen" der Beschäftigten. "Intern wurde der Druck auf Beschäftigte immer wieder erhöht, indem verweigert wurde, planbare Operationen und Behandlungen zeitgerecht zu verschieben", so Mjka. Das hohe Pflichtbewusstsein der Belegschaften sei strategisch zur Schwächung der Streikbereitschaft missbraucht worden.
Der Streik hatte konkrete Auswirkungen auf den Spitalsbetrieb: Geplante Eingriffe und ambulante Termine mussten am 3. März verschoben werden. Trotz des Arbeitsausstandes war jedoch die Notfallversorgung jederzeit gesichert – ein Zeichen für das Verantwortungsbewusstsein der Beschäftigten, das die Gewerkschaft auch von den Arbeitgebern einfordert.
"Es ist immer die Arbeitnehmerseite, die Kompromissbereitschaft zeigt und selbst im Streik pflichtbewusst dafür sorgt, dass die Notfallversorgung jederzeit gesichert ist", erklärt Reischenböck. "Dieses Verantwortungsbewusstsein erwarten wir auch von den Arbeitgebern."
Im Zentrum der Auseinandersetzung steht die Forderung nach einer Arbeitszeitverkürzung auf 37 Wochenstunden. Diese Maßnahme soll eine spürbare und nachhaltige Entlastung für die Beschäftigten bringen, die unter enormem Druck arbeiten. Die Gewerkschaft argumentiert, dass nur durch bessere Arbeitsbedingungen langfristig qualifiziertes Personal gehalten und neue Mitarbeiter gewonnen werden können.
Die vida hat in den bisherigen Gesprächen mehrfach Bereitschaft zu konstruktiven Lösungen gezeigt und ist den Arbeitgebern entgegengekommen. Ein substanziell besseres Angebot der Arbeitgeber liegt jedoch weiterhin nicht auf dem Tisch.
Die Gewerkschaft setzt nun ein klares Ultimatum: Bis zur nächsten Verhandlungsrunde am 12. März erwarten die Beschäftigten ein ernstzunehmendes Angebot der Arbeitgeber. "Die Beschäftigten haben heute sehr deutlich gezeigt, wie groß der Handlungsbedarf ist", warnt Reischenböck. "Jetzt liegt es an den Arbeitgebern, Verantwortung zu übernehmen. Ohne substanzielle Bewegung werden wir weitere Maßnahmen setzen."
Die acht Ordenskrankenhäuser in Oberösterreich spielen eine wichtige Rolle in der regionalen Gesundheitsversorgung. Sie ergänzen das öffentliche Spitalswesen und sind für viele Patientinnen und Patienten unverzichtbar. Umso wichtiger ist es, dass in diesen Einrichtungen qualifiziertes Personal unter angemessenen Bedingungen arbeiten kann.
"Unser Ziel ist klar: Eine stabile, qualitativ hochwertige Gesundheitsversorgung in Oberösterreich", betont Reischenböck. "Aber diese gibt es nicht zum Nulltarif – sie braucht faire Bezahlung, Entlastung und Respekt für jene, die sie täglich sichern."
Bemerkenswert war die Solidarität, die die Beschäftigten aus der Bevölkerung erfuhren. Bei der Streikversammlung in Linz waren neben den 800 Spitalsbeschäftigten auch zahlreiche Unterstützer aus der Zivilgesellschaft dabei. Dies zeigt, dass das Verständnis für die Anliegen der Gesundheitsbeschäftigten in der Öffentlichkeit groß ist.
Die Beschäftigten betonten, dass sie den Streik nicht leichtfertig beschlossen hätten. Für sie und das gesamte System sei die Belastungsgrenze jedoch längst erreicht. Ohne echte Bewegung der Arbeitgeber werde es keine Ruhe geben, lautete die einhellige Botschaft aus allen Standorten.
Die Situation bleibt angespannt. Sollten die Verhandlungen am 12. März erneut erfolglos bleiben, ist mit weiteren Arbeitskampfmaßnahmen zu rechnen. Die Gewerkschaft vida bleibt zwar gesprächsbereit, macht aber deutlich, dass sie von den Arbeitgebern nun konkrete Schritte erwartet.
Die Ordenskrankenhäuser stehen somit vor einer wichtigen Weichenstellung. Die Beschäftigten haben mit ihrem zweiten Streik ein unüberhörbares Signal gesendet – nun liegt es an den Arbeitgebern, konstruktive Antworten zu finden, um die Krise zu lösen und die Zukunft der Gesundheitsversorgung in den betroffenen Einrichtungen zu sichern.