Neue Prognos-Studie zeigt enormes Potenzial der deutschen Messebranche für die österreichische Wirtschaft
Deutsche Messen generieren 30 Milliarden Euro Wertschöpfung jährlich und sichern 280.000 Jobs - mit enormem Potenzial für österreichische Unternehmen.
Eine neue Studie des renommierten Wirtschaftsforschungsinstituts Prognos enthüllt das beeindruckende Ausmaß der deutschen Messewirtschaft: Mit einer jährlichen Wertschöpfung von über 30 Milliarden Euro und 280.000 gesicherten Arbeitsplätzen ist die Branche zu einem unverzichtbaren Wirtschaftsfaktor geworden. Für österreichische Unternehmen, die traditionell stark auf deutschen Messen präsent sind, eröffnen sich dadurch erhebliche Geschäftschancen.
Die vom Verband der deutschen Messewirtschaft AUMA in Auftrag gegebene Studie "Der Messe-Effekt: Wertschöpfung, Wachstum, Wettbewerbsfähigkeit" liefert erstmals seit 2018 wieder umfassende Daten zur wirtschaftlichen Bedeutung der deutschen Messebranche. Die Zahlen sind beeindruckend: Allein ausstellende Unternehmen investieren in einem durchschnittlichen Messejahr 11,8 Milliarden Euro in ihre Messeauftritte in Deutschland.
Hinzu kommen 3,9 Milliarden Euro, die Messebesucher während ihrer Aufenthalte ausgeben, sowie weitere 140 Millionen Euro, die deutsche Messegesellschaften regelmäßig in Infrastruktur und Energieeffizienz investieren. Diese direkten Ausgaben von insgesamt 15,9 Milliarden Euro lösen weitere indirekte wirtschaftliche Effekte in Höhe von 10,1 Milliarden Euro aus, hauptsächlich durch Zulieferbeziehungen.
Besonders interessant für österreichische Unternehmen ist die Kettenreaktion, die durch Messeinvestitionen ausgelöst wird. Zusätzlich zu den direkten und indirekten Effekten entstehen entlang der Lieferkette weitere 3,9 Milliarden Euro an sogenannten induzierten Effekten. Diese Multiplikatorwirkung bedeutet, dass jeder in die Messewirtschaft investierte Euro zusätzliche wirtschaftliche Aktivitäten in nachgelagerten Bereichen auslöst.
"Die deutsche Messewirtschaft ist Schlüsselindustrie für die internationale Vernetzung und eine Exportförderung ersten Ranges", betont Philip Harting, Vorsitzender des AUMA. "Deutschland ist Messeplatz Nummer 1 in der Welt. Zwei Drittel aller Leitmessen der Weltwirtschaft finden in Deutschland statt."
Die Beschäftigungseffekte der deutschen Messewirtschaft sind ebenfalls beachtlich. Mindestens 280.000 Arbeitsplätze werden durch die Branche gesichert oder geschaffen. Dabei profitieren nicht nur die Messeveranstalter und -dienstleister direkt, sondern auch angrenzende Branchen wie der Transportbereich, das Gastgewerbe und der Handel.
Für österreichische Arbeitnehmer ergeben sich dadurch ebenfalls Chancen, insbesondere in grenznahen Regionen oder bei Unternehmen, die stark im deutschen Messewesen engagiert sind. Viele österreichische Dienstleister, von Logistikunternehmen bis hin zu Standbauern, sind feste Bestandteile der deutschen Messewirtschaft.
Auch fiskalisch ist die deutsche Messewirtschaft ein bedeutender Faktor. Ein durchschnittliches Messejahr generiert 5,4 Milliarden Euro an Steuereinnahmen für den deutschen Staat. Der Bund profitiert mit 2,4 Milliarden Euro am stärksten, gefolgt von den Ländern mit 2,3 Milliarden Euro. Die deutschen Kommunen erhalten durch das Messegeschäft rund 700 Millionen Euro an Steuergeld.
Diese Steuereinnahmen fließen wiederum in öffentliche Infrastrukturprojekte und Dienstleistungen, die auch österreichischen Unternehmen und deren Mitarbeitern bei Messebesuchen zugutekommen.
Die Dominanz Deutschlands im internationalen Messewesen ist beeindruckend. Mit 70 Messeplätzen zwischen Nordsee und Bodensee verfügt das Land über ein weltweit einmaliges Messeangebot. Die 3,25 Millionen Quadratmeter Hallenfläche entsprechen einem Fünftel der europäischen und mehr als sieben Prozent der weltweiten Ausstellungsfläche.
Besonders relevant für österreichische Unternehmen: 65 Prozent der Aussteller und 35 Prozent der Fachbesucher aller deutschen Leitmessen kommen aus dem Ausland. Dies unterstreicht die internationale Bedeutung deutscher Messen als Plattformen für grenzüberschreitende Geschäfte.
Die Prognos-Studie basiert auf einer außergewöhnlich breiten Datenbasis. Mehr als 33.700 Messebesucher und über 17.700 ausstellende Unternehmen wurden zwischen September 2024 und Oktober 2025 bei 30 Messeveranstaltungen an zehn deutschen Messeplätzen befragt. Die Erhebung repräsentiert einen durchschnittlichen Messeturnus mit mehr als 1.800 Messeveranstaltungen über zwei Jahre.
Wichtig zu beachten ist, dass die wirtschaftlichen Effekte durch konkrete Vertragsabschlüsse auf Messen nicht in die Erhebung eingeflossen sind. Die tatsächliche wirtschaftliche Bedeutung der deutschen Messewirtschaft dürfte daher noch höher liegen.
Angesichts der enormen wirtschaftlichen Bedeutung fordert die deutsche Messewirtschaft mehr Unterstützung von der Politik. Philip Harting betont: "Die Wirtschaftspolitik in Bund und Ländern muss den Messeplatz Deutschland stärken: Eine moderne und digitale Visa-Vergabe für unsere ausländischen Messegäste, eine Top-Verkehrsinfrastruktur sowie Messe-Förderprogramme, die einer führenden Exportnation gerecht werden, sind die Basis für die weltweite Spitzenposition."
Für österreichische Unternehmen ergeben sich aus der Stärke der deutschen Messewirtschaft vielfältige Chancen. Als Nachbarland mit enger wirtschaftlicher Verflechtung profitiert Österreich überdurchschnittlich von der deutschen Messelandschaft. Viele österreichische Unternehmen nutzen deutsche Messen als wichtigste Plattform für ihre internationale Geschäftsentwicklung.
Die geografische Nähe und kulturelle Ähnlichkeit erleichtern österreichischen Unternehmen die Teilnahme an deutschen Messen erheblich. Gleichzeitig bietet die internationale Ausstrahlung deutscher Leitmessen österreichischen Unternehmen Zugang zu globalen Märkten, die sie von Österreich aus nur schwer erreichen könnten.
Die Prognos-Studie unterstreicht die zentrale Rolle der deutschen Messewirtschaft für die europäische und globale Wirtschaft. Mit jährlich über 235.000 ausstellenden Unternehmen und 16 Millionen Besuchern in Spitzenzeiten bleibt Deutschland der wichtigste Messeplatz der Welt.
Für die österreichische Wirtschaft bedeutet dies, dass die Investition in Messepräsenzen in Deutschland weiterhin zu den effektivsten Formen der Geschäftsentwicklung und Exportförderung gehört. Die neuen Daten der Prognos-Studie liefern eine solide Grundlage für strategische Entscheidungen österreichischer Unternehmen bezüglich ihres Messeengagements in Deutschland.