Wiener Opposition sieht Verschwendung bei 3,5-Grad-Schieflage
Fast 800.000 Euro kostet die geplante Schrägstellung des Lueger-Denkmals in Wien. Die FPÖ kritisiert diese Ausgaben als Symbolpolitik.
Die geplante Neugestaltung des Lueger-Denkmals in Wien sorgt für heftige politische Diskussionen. Nach einer gemeinderätlichen Anfrage der FPÖ wurden nun die Gesamtkosten für das umstrittene Projekt bekannt: 776.167,45 Euro wird die 3,5-Grad-Neigung der Statue kosten.
Laut der Anfragebeantwortung von SPÖ-Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler gliedern sich die Kosten wie folgt auf:
Die Summe von fast 800.000 Euro für die symbolische Schrägstellung hat eine intensive Debatte über Prioritäten in der Wiener Kulturpolitik ausgelöst.
Der Wiener FPÖ-Stadtrat Stefan Berger und der Kultursprecher der Wiener FPÖ, Landtagsabgeordneter Lukas Brucker, üben harsche Kritik an der Mittelverwendung. Sie sehen in den Ausgaben eine "kulturpolitisch unverantwortliche" Entscheidung.
"Während in Wien Museen wie das Schubert-Sterbehaus oder die Haydn-Wohnung geschlossen bleiben, die Hermesvilla seit Jahren auf eine notwendige Renovierung wartet, bei den Vereinigten Bühnen Wien Mitarbeiter gekündigt werden und für das traditionsreiche Sommernachtskonzert der Wiener Philharmoniker angeblich kein Geld vorhanden ist, werden hier nahezu 800.000 Euro für eine minimale Schrägstellung eines Denkmals ausgegeben", kritisieren die beiden FPÖ-Politiker.
Die FPÖ betont, dass eine sachliche historische Einordnung des Denkmals durchaus legitim sei, aber deutlich kostengünstiger realisiert werden könnte. "Eine deutlich sichtbare Zusatztafel mit historischer Kontextualisierung wäre ausreichend gewesen – und das zu einem Bruchteil der nun veranschlagten Kosten", argumentieren Berger und Brucker.
Das Denkmal für den ehemaligen Wiener Bürgermeister Karl Lueger (1844-1910) steht seit langem im Zentrum kontroverser Diskussionen. Lueger, der von 1897 bis 1910 Bürgermeister von Wien war, wird einerseits für seine kommunalen Reformen geschätzt, andererseits für seinen Antisemitismus kritisiert.
Die geplante 3,5-Grad-Neigung der Statue soll eine "kritische Auseinandersetzung" mit der historischen Figur symbolisieren und wurde als Ergebnis eines künstlerischen Wettbewerbs ausgewählt.
Die Debatte um das Lueger-Denkmal fügt sich in eine breitere Diskussion über die Prioritätensetzung in der Wiener Kulturpolitik ein. Verschiedene kulturelle Einrichtungen kämpfen mit Budgetproblemen, während gleichzeitig hohe Summen für symbolische Projekte ausgegeben werden.
Konkret genannt werden von der Opposition:
Die FPÖ fordert als Konsequenz aus der Kostenaufstellung "volle Transparenz über sämtliche tatsächlich anfallenden Endkosten" sowie eine "grundsätzliche Neupriorisierung in der Wiener Kulturpolitik".
"Jeder Euro Steuergeld muss mit größter Sorgfalt eingesetzt werden. Die Wienerinnen und Wiener haben ein Recht darauf, dass ihre kulturelle Infrastruktur erhalten bleibt und nicht, dass 800.000 Euro für eine 3,5-Grad-Neigung ausgegeben werden", so die abschließende Forderung von Berger und Brucker.
Die Diskussion um die Kosten des Lueger-Denkmal-Projekts dürfte in den kommenden Gemeinderatssitzungen weiter geführt werden. Ob und wie die Stadtregierung auf die Kritik reagieren wird, bleibt abzuwarten.
Das Projekt steht exemplarisch für die Herausforderung, historische Aufarbeitung mit verantwortungsvollem Umgang mit Steuermitteln zu verbinden. Die öffentliche Debatte zeigt, dass bei derartigen symbolischen Maßnahmen eine breite gesellschaftliche Diskussion über Sinn und Kosten geführt werden sollte.