World Wildlife Day macht deutlich: Moderne Zoos werden zu unverzichtbaren Partnern im Kampf gegen das Artensterben
Am World Wildlife Day zeigt sich: Zoos retten Arten vor dem Aussterben und bringen Naturerfahrung in die Stadt. 42 Millionen Besucher jährlich.
Der Vietnam Sika Hirsch, die Mendesantilope, der Spix-Ara – diese Namen stehen für eine bedrohliche Realität: Von diesen Tierarten leben heute in menschlicher Obhut ebenso viele oder sogar mehr Tiere als in freier Wildbahn. Was wie ein Versagen des Naturschutzes klingen mag, erweist sich bei genauerem Hinsehen als letzter Hoffnungsschimmer für das Überleben ganzer Arten.
Am 3. März, dem World Wildlife Day, richtet sich der internationale Blick auf den dramatischen Zustand der biologischen Vielfalt weltweit. Die Zahlen sind alarmierend: Arten verschwinden in einem noch nie dagewesenen Tempo, Ökosysteme kollabieren, und mit ihnen geraten die natürlichen Grundlagen unseres Lebens unter enormen Druck – von der Ernährungssicherheit über den Wasserhaushalt bis hin zur Klimabalance.
Doch inmitten dieser düsteren Entwicklungen gibt es auch Erfolgsgeschichten zu erzählen. Die Arabische Oryx galoppiert wieder durch die Wüsten des Nahen Ostens, die majestätische Säbelantilope durchstreift erneut die Savannen Afrikas, und die Soccorotaube flattert wieder über ihre Heimatinsel. Alle drei Arten haben eines gemeinsam: Sie existieren heute nur noch, weil Zoos sie vor dem endgültigen Verschwinden bewahrt haben.
"Diese Erfolge zeigen, wozu wissenschaftlich geführte Zoos in der Lage sind, wenn Schutz, Zucht und Forschung konsequent zusammenwirken", erklärt der Verband der Zoologischen Gärten (VdZ). Tatsächlich sind über 200 Tierarten durch internationale Schutzmaßnahmen, an denen auch Zoos beteiligt sind, heute weniger gefährdet als noch vor wenigen Jahrzehnten.
Doch die Arbeit der Zoos beschränkt sich längst nicht mehr nur auf die reine Arterhaltung. Volker Homes, Geschäftsführer des VdZ, macht auf ein gesellschaftliches Phänomen aufmerksam, das die Naturschutzarbeit zusätzlich erschwert: "Forschende belegen seit Jahren eine zunehmende Entfremdung von Natur in städtischen Gesellschaften. Wo unmittelbare Naturerfahrung fehlt, wächst Distanz – und aus Distanz wird Gleichgültigkeit."
Dieses Phänomen hat bereits einen Namen: Biophobie – die Angst vor der Natur. In einer Zeit, in der immer mehr Menschen in städtischen Umgebungen aufwachsen und ihr Wissen über Tiere hauptsächlich aus digitalen Medien beziehen, droht die emotionale Verbindung zur natürlichen Welt verloren zu gehen. Ohne diese Verbindung aber wird es schwer, Menschen für den Schutz der Artenvielfalt zu begeistern.
Hier kommen die Zoos ins Spiel – nicht als reine Unterhaltungseinrichtungen, sondern als wichtige Bildungsstätten und Botschafter für den Naturschutz. "Zoos können diesen Kreislauf durchbrechen. Sie sind für Millionen Menschen direkt erreichbar und machen biologische Vielfalt konkret erfahrbar", betont Homes.
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Die 71 Mitgliedszoos des VdZ erreichen jährlich mehr als 42 Millionen Besucherinnen und Besucher. Das sind mehr Menschen, als in ganz Österreich und der Schweiz zusammen leben. Rund 1,2 Millionen von ihnen nehmen jährlich an mehr als 170.000 speziellen Bildungsangeboten teil.
Für viele Kinder ist der Zoo der erste Ort, an dem sie Artenvielfalt nicht digital vermittelt, sondern unmittelbar erleben können. Ein Tier, ein Blick, ein Moment des Staunens – das schafft Wissen und emotionale Bindung zugleich. Diese frühen Naturerfahrungen prägen oft ein Leben lang und können den Grundstein für späteres Umweltbewusstsein legen.
Die moderne Zooarbeit geht weit über den Besucherbetrieb hinaus. Die Mitgliedszoos des VdZ sind zu wichtigen Akteuren im internationalen Artenschutz geworden. Sie leiten 140 internationale Zuchtprogramme zum Erhalt bedrohter Arten – ein komplexes Netzwerk aus genetischem Management, wissenschaftlicher Forschung und internationaler Zusammenarbeit.
Besonders beeindruckend sind die Auswilderungserfolge: Jährlich werden rund 500 Wirbeltiere aus mehr als 20 Arten in Europa ausgewildert. Diese Tiere, die in Zoos geboren und aufgezogen wurden, können in ihren natürlichen Lebensräumen neue Populationen gründen oder bestehende verstärken.
Das Engagement der VdZ-Zoos beschränkt sich nicht auf Europa. Mit Personal, Expertenwissen und Sachspenden unterstützen sie mindestens 155 Natur- und Artenschutzprojekte in 55 Ländern weltweit. In den vergangenen fünf Jahren haben sie mehr als 50 Millionen Euro in solche Projekte investiert.
Diese Projekte reichen von der Erforschung bedrohter Arten in entlegenen Regenwäldern über die Ausbildung lokaler Naturschützer bis hin zur Unterstützung von Gemeinden, die sich für den Schutz ihrer natürlichen Umgebung einsetzen. Oft arbeiten die Zoos dabei mit lokalen Partnern zusammen und bringen ihre wissenschaftliche Expertise in Regionen ein, wo sie besonders dringend benötigt wird.
Die Arbeit der Zoos findet auch in der Gesellschaft breite Unterstützung. Eine repräsentative Forsa-Umfrage zeigt: 93 Prozent der Deutschen finden es wichtig, dass Zoos bedrohte Tierarten erhalten. Diese hohe Akzeptanz ist nicht selbstverständlich, denn die Zoohaltung stand in der Vergangenheit auch in der Kritik.
Moderne Zoos haben auf diese Kritik reagiert und sich grundlegend gewandelt. Heute stehen nicht mehr die Zurschaustellung exotischer Tiere im Vordergrund, sondern Bildung, Forschung und Artenschutz. Die Gehege wurden artgerechter gestaltet, die Haltungsbedingungen verbessert und die Bildungsangebote ausgeweitet.
"Artenschutz ist Daseinsvorsorge", betont der VdZ. Tatsächlich ist der Erhalt der biologischen Vielfalt nicht nur eine ethische Verpflichtung, sondern auch Grundlage von Lebensqualität, wirtschaftlicher Resilienz und der langfristigen Handlungsfähigkeit von Gesellschaften.
Intakte Ökosysteme liefern uns saubere Luft und sauberes Wasser, bestäuben unsere Nutzpflanzen, regulieren das Klima und bieten Rohstoffe für Medikamente und andere Produkte. Wenn diese Systeme zusammenbrechen, hat das direkte Auswirkungen auf unser tägliches Leben.
Zoos tragen dazu bei, dieses Bewusstsein in die Breite der Gesellschaft zu tragen. Sie machen abstrakte Konzepte wie "biologische Vielfalt" und "Ökosystem" für jedermann verständlich und erlebbar.
Die Herausforderungen für den Artenschutz werden in den kommenden Jahren nicht kleiner werden. Klimawandel, Lebensraumzerstörung und Umweltverschmutzung setzen der natürlichen Welt weiter zu. Umso wichtiger wird die Rolle der Zoos als Partner im Kampf gegen das Artensterben.
Auch am World Wildlife Day 2024 und darüber hinaus öffnen die 71 Mitgliedszoos des VdZ in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Spanien ihre Türen für alle, die verstehen wollen, was auf dem Spiel steht. Sie bieten nicht nur unterhaltsame Stunden für Familien, sondern auch wichtige Lernmöglichkeiten für Schulklassen und alle anderen Besucher.
Der Titel der VdZ-Kampagne bringt es auf den Punkt: "Der Regenwald ist weit. Der Zoo um die Ecke." In einer Zeit, in der Fernreisen nicht für jeden möglich sind und auch aus Klimaschutzgründen kritisch betrachtet werden, bieten Zoos die Möglichkeit, die Wunder der Natur direkt vor der Haustür zu entdecken.
So werden moderne Zoos zu unverzichtbaren Partnern im Kampf um den Erhalt der biologischen Vielfalt – als Forschungszentren, Zuchteinrichtungen, Bildungsplattformen und nicht zuletzt als Orte, wo Menschen wieder eine emotionale Verbindung zur Natur aufbauen können. In einer Welt, die zunehmend urbanisiert wird, ist diese Rolle wichtiger denn je.