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Ein Wolf stirbt alle zwei Wochen – diese schockierende Bilanz zieht der WWF Österreich für das Jahr 2025. Insgesamt 25 Wölfe wurden im Vorjahr getötet, weitere sieben bereits in den ersten beiden Monaten 2026. Bei einer geschätzten Population von nur 102 Tieren bedeutet das: Jeder vierte Wolf in Österreich überlebt das Jahr nicht. Was diese Zahlen für den Artenschutz bedeuten und warum Österreich im internationalen Vergleich eine traurige Spitzenposition einnimmt, zeigt eine detaillierte Analyse der aktuellen Entwicklungen.
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: 22 Wölfe starben 2025 durch behördlich genehmigte Abschüsse, drei weitere fielen illegaler Wildtierkriminalität zum Opfer. Im Bundesländer-Vergleich liegt Kärnten mit 13 getöteten Wölfen unangefochten an der Spitze, gefolgt von Tirol mit sieben Tötungen. Niederösterreich verzeichnete drei Abschüsse, während Salzburg und Oberösterreich je einen Wolf töteten.
Die Verordnungen, auf deren Basis diese Abschüsse erfolgten, verstoßen laut WWF-Analyse allesamt gegen EU-Recht. Christian Pichler, WWF-Experte für Artenschutz, kritisiert scharf: „Ein derart aggressiver Umgang mit einer geschützten Art ist völlig unverhältnismäßig und gefährdet die Entwicklung eines günstigen Bestandes." Der Trend setzt sich auch 2026 fort – bereits sieben weitere Wölfe wurden in Kärnten und Tirol per Verordnung getötet.
Das EU-Artenschutzrecht, verankert in der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie (FFH-Richtlinie), stellt den Wolf unter strengen Schutz. Diese 1992 verabschiedete Richtlinie verpflichtet alle Mitgliedsstaaten, den günstigen Erhaltungszustand geschützter Arten zu gewährleisten. Tötungen sind nur unter sehr restriktiven Bedingungen erlaubt: Es darf keine andere zufriedenstellende Lösung geben, die Population darf nicht gefährdet werden, und es müssen zwingende Gründe des überwiegenden öffentlichen Interesses vorliegen. Die Beweislast liegt dabei bei den Behörden, die jeden Einzelfall wissenschaftlich fundiert begründen müssen.
Besonders alarmierend wird die österreichische Abschuss-Bilanz im Vergleich mit Deutschland. Obwohl Deutschland flächenmäßig mehr als vier Mal größer ist und eine deutlich größere Wolfspopulation beherbergt, wurden dort seit 2022 nur 12 Wölfe im Rahmen von Managementmaßnahmen getötet. In Österreich waren es im selben Zeitraum 57 behördlich genehmigte Tötungen – fast fünf Mal so viele.
Diese Zahlen werden noch dramatischer, wenn man die Populationsgrößen betrachtet: Deutschland zählt 219 Wolfsfamilien (Rudel), Österreich hingegen nur neun. Während in Deutschland höchstens einzelne Problemtiere entnommen werden, wird in Österreich ein erheblicher Teil des Gesamtbestandes getötet. „Das ist aus Artenschutz-Sicht eine fatale Entwicklung, die gestoppt werden muss