Demografischer Wandel erfordert umfassende Maßnahmen zur Personalgewinnung
Die Wirtschaftskammer begrüßt die Regierungspläne zur Fachkräftestrategie, mahnt aber zu schneller und praxisnaher Umsetzung.
Der demografische Wandel macht sich in der österreichischen Wirtschaft immer deutlicher bemerkbar. Trotz der schwachen Konjunktur der vergangenen Jahre haben viele Unternehmen bereits heute Schwierigkeiten, qualifizierte Arbeitskräfte zu finden. Die Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) begrüßt daher die von der Bundesregierung nach dem heutigen Ministerrat präsentierte Fachkräftestrategie, mahnt aber gleichzeitig zu rascher und praxisnaher Umsetzung.
"Es ist erfreulich, dass die Bundesregierung dieses Problem erkannt hat und an einer umfassenden Fachkräftestrategie arbeiten will", kommentiert Jochen Danninger, Generalsekretär der WKÖ, die Regierungspläne. Die vorgestellte Strategie basiert auf drei Säulen, die aus Sicht der Wirtschaftskammer wichtige Ansatzpunkte darstellen.
Die erste Säule umfasst eine Qualifizierungsoffensive, um Arbeitssuchende optimal in die moderne Arbeitswelt zu integrieren. Die zweite konzentriert sich auf die Stärkung der Lehrlingsausbildung, insbesondere auf betrieblicher Ebene. Als dritte Säule sollen Maßnahmen gesetzt werden, um internationale Fachkräfte nach Österreich zu locken.
Danninger unterstützt auch die Einschätzung von Sozialministerin Schumann, dass die Anhebung des Frauenpensionsalters zu mehr Beschäftigung bei älteren Arbeitnehmerinnen führt - "und das ganz ohne Zwang", wie der WKÖ-Generalsekretär betont. Diese demografische Entwicklung bietet Chancen, den Fachkräftemangel zumindest teilweise zu kompensieren.
Bei der geplanten Qualifizierungsoffensive setzt die WKÖ auf bewährte Instrumente. Arbeitsmarktnahe Ausbildungen sollen verstärkt zum Einsatz kommen, um Menschen rasch in den Arbeitsmarkt zu integrieren. "Wenn die Babyboomer in Pension sind, tut sich eine Lücke auf, die es bestmöglich zu schließen gilt", erklärt Danninger die Dringlichkeit der Maßnahmen.
Die demografische Entwicklung stellt österreichische Unternehmen vor erhebliche Herausforderungen. In den kommenden Jahren werden geburtenstarke Jahrgänge in Pension gehen, während gleichzeitig geburtenschwächere Jahrgänge in den Arbeitsmarkt eintreten. Diese Entwicklung verstärkt den bereits bestehenden Fachkräftemangel in vielen Branchen.
Einen besonderen Stellenwert räumt die WKÖ der Stärkung der Lehrlingsausbildung ein. Wie im Regierungsprogramm vorgesehen, muss die Lehre gestärkt werden. "Dazu braucht es auch eine ausreichende Finanzierung der betrieblichen Lehrstellenförderungen sowie deren Valorisierung", fordert Danninger konkret.
Die betriebliche Ausbildung spielt eine zentrale Rolle im österreichischen Bildungssystem. Rund 40 Prozent eines Jahrgangs absolvieren eine Lehre, womit Österreich eine der niedrigsten Jugendarbeitslosigkeitsraten in Europa aufweist. Diese Stärke gilt es zu erhalten und auszubauen.
Bei der Gewinnung internationaler Fachkräfte sieht die WKÖ in der Reform der Rot-Weiß-Rot-Karte einen wichtigen Schritt. Entscheidend sei, dass die Verfahren rasch und digital ablaufen. Wie Bundesministerin Schumann zu Recht betont, müssen Betriebe schnell und unkompliziert jene Fachkräfte gewinnen können, die sie dringend benötigen.
Positiv bewertet Danninger, dass die Rot-Weiß-Rot-Karte auch für Arbeitskräfteüberlasser geöffnet wird. Zudem startet ein Pilotprojekt für volljährige Lehrlinge aus Drittstaaten. Diese Maßnahmen könnten helfen, den Fachkräftemangel in bestimmten Bereichen zu lindern.
Österreich steht im internationalen Wettbewerb um qualifizierte Arbeitskräfte. Länder wie Deutschland, die Schweiz oder skandinavische Staaten konkurrieren ebenfalls um die besten Köpfe. Daher sind attraktive Rahmenbedingungen und schnelle Verfahren entscheidend, um im Rennen um internationale Fachkräfte zu bestehen.
Die geplanten Reformen der Rot-Weiß-Rot-Karte zielen darauf ab, Österreich als Arbeitsstandort attraktiver zu machen. Digitale Verfahren und reduzierte Bürokratie sollen sowohl für Unternehmen als auch für potenzielle Arbeitskräfte Vorteile bringen.
Trotz grundsätzlicher Zustimmung zu den Regierungsplänen mahnt die WKÖ zu raschem Handeln. "Wichtig ist, dass die Umsetzung rasch erfolgt und die Details stimmen", betont Danninger. Die demografische Entwicklung wartet nicht, und jeder Tag der Verzögerung verschärft die Situation auf dem Arbeitsmarkt.
Die Wirtschaftskammer sieht in der Fachkräftestrategie einen wichtigen Baustein für die Zukunftsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts Österreich. "Insgesamt muss sichergestellt sein, dass die Fachkräftestrategie so umgesetzt wird, dass sämtliche Instrumente praxisnah sind und die Betriebe einfacher zu den benötigten Arbeits- und Fachkräften kommen", fordert der Generalsekretär.
Aus Sicht der WKÖ ist ausreichend qualifiziertes Personal ein entscheidender Faktor für die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe. Der Mangel an Fachkräften kann Unternehmen daran hindern, Aufträge anzunehmen, zu wachsen oder neue Technologien zu implementieren. Dies gefährdet langfristig die Position Österreichs als erfolgreicher Wirtschaftsstandort.
Die vorgestellte Fachkräftestrategie der Regierung könnte einen wichtigen Beitrag zur Lösung dieser Herausforderungen leisten. Entscheidend wird jedoch die konkrete Umsetzung sein. Die Wirtschaftskammer wird die Entwicklung genau verfolgen und darauf drängen, dass die angekündigten Maßnahmen praxistauglich gestaltet und zügig umgesetzt werden.
Der demografische Wandel ist unaufhaltsam, aber mit den richtigen Maßnahmen können seine Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt abgefedert werden. Die Zeit drängt, und sowohl Regierung als auch Wirtschaft sind gefordert, gemeinsam an Lösungen zu arbeiten.