In der Van-der-Nüll-Gasse 22 in Wien entsteht derzeit etwas Neues: Die erste Wiener Bestandssanierung, die ganz nach den Prinzipien der Kreislaufwirtschaft durchgeführt wird.
In der Van-der-Nüll-Gasse 22 in Wien zeigt die Sedlak Unternehmensgruppe, wie alte Gebäude als Materialquelle für ihre eigene Sanierung genutzt werden können. Das Projekt setzt die Prinzipien der Kreislaufwirtschaft praktisch um und dokumentiert Erfahrungen des rückbau- und wiederverwendungsorientierten Arbeitens.
Die Kreislaufwirtschaft verfolgt das Ziel, Materialien so lange wie möglich im Wirtschaftskreislauf zu halten. Im Bauwesen bedeutet das, Bestandsmaterialien als wertvolle Ressourcen zu betrachten und Wiederverwendung anstelle von Entsorgung zu prüfen.
Seit Februar 2026 läuft die Sanierung des Gebäudes in der Van-der-Nüll-Gasse 22. Projektleiterin DI Margarete Berl und ihr Team bei Sedlak analysierten, welche Materialien im Bestand vorhanden sind und wie sie wiederverwendet werden können.
„Wenn man den Bestand konsequent als Materialquelle versteht, verändert sich der gesamte Umgang mit dem Gebäude. Vieles, was bisher als Abfall galt, kann direkt weiterverwendet werden“, fasst Projektleiterin DI Margarete Berl die Erkenntnisse des Pionierprojekts zusammen.
Bestehende Fenster wurden ausgebaut, einzeln geprüft und selektiert. Gemeinsam mit dem Partner Urban Matter werden geeignete Glasscheiben zwischengelagert, aufbereitet und als Mittelscheibe in neue dreifache Isolierverglasungen wieder eingesetzt.
Die Gipskartonplatten werden rückgebaut und für einen späteren Wiedereinbau aufbereitet. Anschließend werden sie auf der Baustelle zwischengelagert und sollen zu einem späteren Zeitpunkt in neuen Trennwänden wiederverwendet werden.
Ziegel aus rückgebauten Wandbereichen werden händisch gesäubert, sortiert und direkt wieder vermauert. Statt einer Entsorgung werden bestehende Baustoffe unmittelbar erneut eingesetzt.
Ergänzend kommen neue Systeme zum Einsatz, die später vollständig demontierbar sind: Abgehängte Decken und Installationslösungen lassen sich rückbauen und erneut verwenden, ohne die umliegende Bausubstanz zu beschädigen.