Die österreichische Hauptstadt hat einmal mehr bewiesen, warum sie als "Stadt der Frauen" gilt: Die dritte Wiener Frauenwoche vom 2. bis 8. März 2024 lockte Zehntausende Besucher*innen zu über 200 ...
Die österreichische Hauptstadt hat einmal mehr bewiesen, warum sie als "Stadt der Frauen" gilt: Die dritte Wiener Frauenwoche vom 2. bis 8. März 2024 lockte Zehntausende Besucher*innen zu über 200 kostenlosen Veranstaltungen. Den absoluten Höhepunkt bildete das offene Rathaus am 7. März, das mit einer Rekordzahl an Gästen aufwarten konnte. Vizebürgermeisterin und Frauenstadträtin Kathrin Gaál zeigt sich über den enormen Zuspruch begeistert und sieht darin einen klaren Auftrag für die Fortsetzung der Wiener Frauenpolitik.
"Wien ist die Stadt der Frauen, in der Frauenpolitik das ganze Jahr großgeschrieben wird", betont Vizebürgermeisterin Kathrin Gaál. Diese Aussage ist nicht nur politisches Bekenntnis, sondern spiegelt sich in konkreten Maßnahmen wider. Die Wiener Frauenwoche stellt dabei nur eine von vielen Initiativen dar, die auf die Ergebnisse der größten Wiener Frauenbefragung zurückgehen. Diese hatte ergeben, dass sich Frauen in der Bundeshauptstadt mehr Zeit, mehr Raum und mehr Chancen wünschen.
Die Bedeutung dieser Forderungen wird erst im historischen Kontext vollständig verständlich. Wien war bereits in der Monarchie ein Zentrum der Frauenrechtsbewegung. Pionierinnen wie Rosa Mayreder, eine der ersten feministischen Theoretikerinnen Österreichs, oder Käthe Sasso, die erste Wiener Stadträtin, legten bereits im frühen 20. Jahrhundert den Grundstein für die heutige Frauenpolitik der Stadt. Mayreder gründete 1893 den "Allgemeinen Österreichischen Frauenverein" und kämpfte für das Frauenwahlrecht, während Sasso 1945 als erste Frau in die Wiener Stadtregierung einzog und dort die Bereiche Fürsorge und Gesundheit verantwortete.
Das Herzstück der Frauenwoche bildete das offene Rathaus am 7. März 2024, einen Tag vor dem Internationalen Frauentag. Mit einem breitgefächerten Programm bei freiem Eintritt zog die Veranstaltung so viele Besucher*innen an wie nie zuvor. Die Zahlen sprechen für sich: Allein die Messe mit 54 Aussteller*innen verzeichnete einen kontinuierlichen Strom interessierter Besucher*innen, die sich über Angebote von Beratungsstellen, Bildungseinrichtungen und Frauenorganisationen informierten.
Ein besonderes Highlight war die Vorführung der isländischen Kultdokumentation "Ein Tag ohne Frauen". Dieser Film, der die Auswirkungen des historischen Frauenstreiks von 1975 in Island dokumentiert, als 90 Prozent der isländischen Frauen ihre Arbeit niederlegten, bot den perfekten thematischen Rahmen für die Veranstaltung. Island gilt heute als Vorreiter in Sachen Geschlechtergleichstellung und führt seit Jahren internationale Rankings in diesem Bereich an.
Das Early Eve Clubbing von Frauen für Frauen in der Volkshalle des Rathauses stellte eine innovative Verbindung zwischen politischer Bewusstseinsbildung und zeitgemäßer Kultur dar. Ergänzt wurde das Programm durch Konzerte ehemaliger Teilnehmer*innen des Pink Noise Camp, einem Förderprogramm für weibliche, inter, non-binäre und trans Personen in der elektronischen Musikszene.
Die über 200 kostenlosen Veranstaltungen der Wiener Frauenwoche deckten ein beeindruckend breites Spektrum ab. Von Workshops über Stadtspaziergänge bis hin zu Tanzkursen, Filmvorführungen, Diskussionen und Vorträgen – die Bandbreite verdeutlicht, wie vielfältig die Interessen und Bedürfnisse von Frauen in Wien sind.
Diese Diversität ist kein Zufall, sondern Ergebnis einer systematischen Bedarfserhebung. Die erwähnte große Wiener Frauenbefragung hatte gezeigt, dass Frauen in der Stadt nicht nur berufliche Gleichberechtigung suchen, sondern auch Zugang zu Kultur, Bildung und Freizeitgestaltung. Besonders gefragt waren dabei niederschwellige Angebote, die ohne finanzielle Barrieren zugänglich sind – ein Prinzip, das die Stadt Wien konsequent umsetzt.
Die thematische Vielfalt reichte von klassischen frauenpolitischen Themen wie Equal Pay und Vereinbarkeit von Familie und Beruf bis hin zu zeitgenössischen Diskursen über Gender-Identität und intersektionalen Feminismus. Workshops zu digitaler Sicherheit, Selbstverteidigung und finanzieller Unabhängigkeit ergänzten kulturelle Angebote wie Literaturlesungen und Kunstführungen.
Besonders stark nachgefragt waren Bildungsformate, die praktische Fertigkeiten vermitteln. Coding-Workshops für Frauen, Gründerinnen-Seminare und Kurse zur digitalen Kompetenz verzeichneten binnen Stunden nach Veröffentlichung Wartelisten. Dies spiegelt einen gesellschaftlichen Trend wider: Frauen nutzen verstärkt Weiterbildungsangebote, um berufliche Nachteile auszugleichen und neue Karrierewege zu erschließen.
Stadtspaziergänge zu "unsichtbaren" Frauengeschichten Wiens erfreuten sich ebenfalls großer Beliebtheit. Diese Touren machen deutlich, wie stark weibliche Beiträge zur Stadtentwicklung lange Zeit übersehen wurden. Von der ersten Wiener Ärztin Gabriele Possanner von Ehrenthal bis zur Architektin Margarete Schütte-Lihotzky, die die berühmte "Frankfurter Küche" entwickelte – Wien ist voller Geschichten starker Frauen, die erst in den letzten Jahrzehnten angemessene Würdigung erfahren.
Ein dauerhaftes Element der Wiener Frauenpolitik ist die Pionierinnengalerie "Wien. Stadt der großen Töchter" im Arkadenhof des Rathauses. Zum Start der diesjährigen Frauenwoche wurden die Tafeln für Käthe Sasso und Rosa Mayreder enthüllt, womit die Galerie um zwei bedeutende Persönlichkeiten erweitert wurde.
Käthe Sasso (1926-2021) war nicht nur die erste Wiener Stadträtin, sondern auch eine Pionierin der Sozialarbeit. Als Leiterin des städtischen Fürsorgewesens baute sie nach dem Zweiten Weltkrieg ein modernes Sozialsystem auf, das bis heute nachwirkt. Ihre Arbeit legte den Grundstein für Wiens Ruf als sozial gerechte Stadt.
Rosa Mayreder (1858-1938) gilt als eine der ersten feministischen Theoretikerinnen im deutschsprachigen Raum. Ihre Schrift "Zur Kritik der Weiblichkeit" von 1905 analysierte bereits die gesellschaftlichen Konstruktionen von Geschlechterrollen und forderte individuelle Selbstverwirklichung jenseits traditioneller Rollenbilder. Mayreder war auch Mitbegründerin der Allgemeinen Österreichischen Frauenvereine und kämpfte aktiv für das Frauenwahlrecht.
Die Galerie kann bis zum 31. März 2026 besichtigt werden und bietet Besucher*innen die Möglichkeit, sich über das vielfältige Wirken außergewöhnlicher Frauen zu informieren. Jede Tafel erzählt nicht nur die individuelle Geschichte einer Pionierin, sondern ordnet deren Leistungen auch in den historischen Kontext ein.
Parallel zur Frauenwoche präsentiert der KUBUS am Lerchenfelder Gürtel eine besondere künstlerische Installation. In dem von der renommierten Künstlerin VALIE EXPORT konzipierten Ausstellungsraum zeigt Nina Maron Porträts von Aktivistinnen und Politikerinnen. Diese künstlerischen Arbeiten machen eine Vielzahl von Vorreiterinnen sichtbar, die oft im Schatten der Geschichte stehen.
VALIE EXPORT selbst ist eine Ikone der feministischen Kunstszene und hat mit ihren provokanten Performances in den 1960er und 70er Jahren die Grenzen zwischen Kunst und gesellschaftskritischer Aktion verwischt. Ihr KUBUS-Konzept schafft einen experimentellen Raum, in dem zeitgenössische Künstler*innen gesellschaftspolitische Themen reflektieren können.
Nina Marons Porträts fokussieren dabei bewusst auf Frauen, deren Beiträge zur gesellschaftlichen Entwicklung oft übersehen werden. Die Arbeiten verbinden klassische Porträtmalerei mit dokumentarischen Elementen und schaffen so eine Brücke zwischen individueller Biografie und kollektiver Geschichte. Die Ausstellung ist bis Ende März 2024 zu besichtigen und ergänzt das Angebot der Frauenwoche um eine wichtige künstlerische Dimension.
Die Stadt Wien nutzt gezielt soziale Medien, um die Reichweite ihrer frauenpolitischen Aktivitäten zu erhöhen. Der Instagram-Kanal des Frauenservice Wien dokumentierte nicht nur die Höhepunkte der Frauenwoche, sondern informiert das ganze Jahr über aktuelle Events und Angebote. Diese digitale Strategie erweist sich als besonders effektiv bei jüngeren Zielgruppen.
Die Social-Media-Präsenz des Frauenservice Wien umfasst dabei nicht nur klassische Informationsvermittlung, sondern auch Community-Building. Nutzer*innen tauschen sich über Erfahrungen aus, vernetzen sich für gemeinsame Projekte und geben Empfehlungen weiter. Diese organische Vernetzung verstärkt die Wirkung der städtischen Angebote erheblich.
Besonders erfolgreich sind dabei Formate, die persönliche Geschichten mit politischen Botschaften verbinden. Porträts von Teilnehmer*innen der Frauenwoche, die ihre Motivation und Erfahrungen teilen, erzielen regelmäßig hohe Interaktionsraten und motivieren andere Frauen zur Teilnahme an städtischen Angeboten.
Wiens frauenpolitische Aktivitäten heben sich deutlich von anderen österreichischen Städten ab. Während Graz mit dem "Referat für Frauen und Gleichstellung" und Linz mit dem "Frauenbüro" ebenfalls institutionelle Strukturen für Frauenpolitik haben, erreicht keine andere Stadt die Dimension und Systematik der Wiener Angebote.
Salzburg organisiert zwar ebenfalls regelmäßig Veranstaltungen zum Internationalen Frauentag, beschränkt sich jedoch meist auf einzelne Events. Innsbruck setzt verstärkt auf Kooperationen mit der Universität und bietet wissenschaftlich orientierte Formate, erreicht damit aber eine kleinere Zielgruppe als Wien mit seinem breiteren Ansatz.
International orientiert sich Wien an Städten wie Stockholm, Barcelona oder Amsterdam, die als Vorreiter in der kommunalen Frauenpolitik gelten. Stockholm etablierte bereits in den 1990er Jahren ein umfassendes "Gender Mainstreaming" in der Stadtverwaltung, während Barcelona mit dem Konzept der "feministischen Stadt" städtebauliche Prinzipien entwickelte, die den Bedürfnissen von Frauen besser entsprechen.
Amsterdam wiederum ist bekannt für seine innovativen Ansätze in der Vereinbarkeit von Familie und Beruf und hat bereits 2018 eine "Care-Strategie" entwickelt, die unbezahlte Sorgearbeit systematisch in die Stadtplanung einbezieht. Wien kann mit seiner Frauenwoche durchaus mithalten, setzt jedoch stärker auf kulturelle und bildungsorientierte Formate.
Die Erfolge der Wiener Frauenpolitik lassen sich an konkreten Beispielen ablesen. Maria, eine 34-jährige Alleinerziehende aus Favoriten, nutzte einen Workshop der Frauenwoche zur beruflichen Neuorientierung und fand anschließend eine Teilzeitstelle in der IT-Branche. "Ohne die kostenlosen Angebote der Stadt hätte ich mir eine solche Weiterbildung nie leisten können", berichtet sie.
Ähnlich geht es Fatima, einer 28-jährigen Migrantin, die über die Frauenwoche erstmals Kontakt zu österreichischen Frauenorganisationen fand. Die Vernetzung half ihr nicht nur bei der Jobsuche, sondern auch beim Aufbau eines sozialen Umfelds in ihrer neuen Heimat. "Die Frauenwoche hat mir gezeigt, dass Wien wirklich eine Stadt für alle Frauen ist", sagt sie.
Auch für ältere Frauen bietet die Frauenwoche wichtige Impulse. Elisabeth, eine 67-jährige Pensionistin, entdeckte über die Veranstaltungen ihr Interesse für digitale Technologien und besucht nun regelmäßig Smartphone-Kurse des Frauenservice. "Man ist nie zu alt zum Lernen", lautet ihr Fazit.
Diese Einzelschicksale spiegeln einen gesellschaftlichen Wandel wider: Frauen aller Altersgruppen und Herkünfte nutzen die städtischen Angebote, um ihre Lebenssituation aktiv zu verbessern. Die niederschwelligen, kostenlosen Formate ermöglichen dabei auch finanziell benachteiligten Frauen den Zugang zu Bildung und Vernetzung.
Die Investitionen der Stadt Wien in die Frauenförderung zahlen sich auch volkswirtschaftlich aus. Studien zeigen, dass jeder Euro, der in die berufliche Qualifizierung von Frauen investiert wird, das Drei- bis Vierfache an Steuereinnahmen und Sozialversicherungsbeiträgen generiert. Frauen, die durch städtische Programme den Wiedereinstieg ins Berufsleben schaffen, sind seltener auf Sozialleistungen angewiesen und tragen aktiv zur Finanzierung des Wohlfahrtsstaats bei.
Besonders deutlich wird dieser Effekt bei Migrantinnen, deren Qualifikationen oft nicht anerkannt werden. Programme zur beruflichen Integration können hier sowohl individuelle Lebenschancen verbessern als auch dem demografischen Wandel und Fachkräftemangel entgegenwirken.
Die Erfolge der dritten Wiener Frauenwoche zeigen deutlich: Die Nachfrage nach frauenspezifischen Angeboten ist ungebrochen hoch. Vizebürgermeisterin Kathrin Gaál kündigt bereits an, dass die Frauenpolitik weiter intensiviert werden soll. "Frauenpolitik darf nicht ruhen, solange nicht Gleichberechtigung in allen Lebensaspekten erreicht ist", betont sie.
Für die kommenden Jahre plant die Stadt Wien eine weitere Ausweitung der Angebote. Besonders im Bereich der digitalen Kompetenzen und der Gründerförderung sollen neue Programme entwickelt werden. Auch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf steht weiter im Fokus, wobei innovative Kinderbetreuungsmodelle und flexible Arbeitszeiten gefördert werden sollen.
Ein besonderer Schwerpunkt wird künftig auf der Integration von Frauen mit Migrationshintergrund liegen. Mehrsprachige Angebote und kultursensible Beratung sollen dazu beitragen, dass alle Wienerinnen unabhängig von ihrer Herkunft die Möglichkeit haben, ihre Potentiale zu entfalten.
Auch die Kooperation mit der Wirtschaft soll intensiviert werden. Unternehmen, die sich besonders für die Förderung von Frauen einsetzen, sollen künftig stärker unterstützt und als Vorbilder präsentiert werden. Mentoring-Programme zwischen erfahrenen Führungskräften und jungen Frauen können dabei helfen, Karrierebarrieren abzubauen.
Die Digitalisierung eröffnet neue Möglichkeiten für die Frauenförderung. Online-Plattformen können Beratung und Vernetzung ortsunabhängig ermöglichen, während Apps zur Sicherheit im öffentlichen Raum oder zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf praktische Hilfen im Alltag bieten.
Die Wiener Frauenwoche ist mehr als eine jährliche Veranstaltungsreihe – sie ist Ausdruck einer systematischen Gleichstellungspolitik, die Wien zu einer der familienfreundlichsten und frauenfreundlichsten Städte Europas gemacht hat. Mit über 200 kostenlosen Veranstaltungen und Zehntausenden von Teilnehmer*innen hat sie sich als wichtiger Baustein einer umfassenden Strategie etabliert.
Der Erfolg zeigt sich nicht nur in den Besucherzahlen, sondern auch in den langfristigen Auswirkungen auf die Gesellschaft. Frauen, die durch städtische Programme gestärkt werden, geben diese Erfahrungen weiter – an ihre Töchter, Freundinnen und Kolleginnen. So entsteht ein Multiplikatoreffekt, der weit über die direkten Teilnehmer*innen hinausreicht.
Die nächste Wiener Frauenwoche wird sicherlich neue Rekorde aufstellen. Doch das eigentliche Ziel liegt darüber hinaus: eine Gesellschaft zu schaffen, in der Gleichberechtigung nicht mehr erkämpft werden muss, sondern selbstverständlich ist. Wien ist auf diesem Weg bereits weit vorangekommen – die Frauenwoche zeigt jährlich, wie viel noch zu tun bleibt und wie viel bereits erreicht wurde.