In Wien-Landstraße entsteht gerade ein Paradebeispiel für nachhaltiges Bauen: Das ehemalige ÖBB-Bürogebäude an der Erdberger Lände wird nicht abgerissen, sondern bekommt ein zweites Leben. Unter de...
In Wien-Landstraße entsteht gerade ein Paradebeispiel für nachhaltiges Bauen: Das ehemalige ÖBB-Bürogebäude an der Erdberger Lände wird nicht abgerissen, sondern modernisiert. Unter dem Namen "enna" zeigt die Revitalisierung des 1980er-Jahre-Betonbaus, wie Ressourcenschonung und Klimaschutz Hand in Hand gehen können. Durch den Erhalt des Gebäudes konnten im Vergleich zu einem Neubau nahezu 10.000 Tonnen CO₂-Äquivalent eingespart werden, das sind rund 40 Prozent der Emissionen im Vergleich zu einem Neubau.
Das Gebäude wurde 1984 von Architekt Heinz Neumann geplant und bis 2023 von den ÖBB als Bürogebäude genutzt. Der neue Eigentümer, Art-Invest Real Estate, entschied sich, das Objekt 2024 umzubauen und zu modernisieren, statt abzureißen. Die Revitalisierung erfolgte nach Plänen des Architekturbüros Hohensinn Architektur. Kurz vor Fertigstellung des Gebäudes sind bereits 85 Prozent der Büroflächen vermietet.
Der Begriff Betonskelettbau beschreibt eine Konstruktionsweise, bei der das tragende Gerüst des Gebäudes aus Stahlbeton besteht und Wände nicht primär tragend sind. Im Fall des "enna"-Gebäudes bestätigten Gutachten, dass die Betontragstruktur weiter genutzt werden kann; lediglich einzelne Bereiche mussten im Zuge des Umbaus angepasst werden.
Die Bauweise und die Wahl der Baustoffe entscheiden darüber, wie lange Gebäude genutzt werden können. Bei der Revitalisierung von "enna" wurden rund 60 Prozent der bestehenden Materialien wiederverwendet. Die Fassadenplatten aus Aluminium wurden neu beschichtet und mit zusätzlicher Dämmung wieder montiert. Neu sind Deckenpaneele zur Heizung und Kühlung, die mit Fernwärme betrieben werden und an den sichtbaren Originalbetondecken befestigt sind. Die Dächer und Innenhöfe wurden begrünt und zu Freiflächen umgestaltet. Flexible Büroflächen, Gemeinschaftszonen sowie Gastro- und Sportflächen im Erdgeschoss öffnen das Gebäude zur Nachbarschaft.
Die Ökobilanzrechnung über den gesamten Lebenszyklus des Bauwerks erfolgte gemäß Deutscher Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB). Für das Bürogebäude wird eine ÖGNI Gold-Zertifizierung angestrebt.
Fotos zum Download unter https://beton-dialog.at/bauen-im-bestand, Abdruck honorarfrei.
Beton Dialog Österreich ist die Interessensgemeinschaft der Zement-, Betonfertigteil- und Transportbetonhersteller in Österreich. Ziel von Beton Dialog Österreich ist, die Bedeutung des kreislauffähigen Baustoffs Beton für umwelt- und klimagerechtes Bauen sowie die bisher erreichten Fortschritte der Branche bei der CO₂-Reduktion in der Öffentlichkeit zu verankern.