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Wien schließt wichtige Radweg-Lücke in Wiedner Hauptstraße

9. März 2026 um 11:17
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Ein bedeutender Meilenstein für Wiens Radverkehr ist erreicht: Die Stadt Wien startet mit dem Bau eines 250 Meter langen Zwei-Richtungs-Radwegs in der Wiedner Hauptstraße und schließt damit eine ze...

Ein bedeutender Meilenstein für Wiens Radverkehr ist erreicht: Die Stadt Wien startet mit dem Bau eines 250 Meter langen Zwei-Richtungs-Radwegs in der Wiedner Hauptstraße und schließt damit eine zentrale Lücke im Radnetz. Bis Juli 2026 entsteht so eine über zwei Kilometer lange, durchgängige Radverbindung vom Karlsplatz bis zum Matzleinsdorfer Platz, die vier Wiener Bezirke miteinander verbindet und täglich tausenden Radfahrern eine sichere Alternative zum Autoverkehr bietet.

Mobilitätsstadträtin Ulli Sima gab heute gemeinsam mit den Bezirksvorsteher*innen Lea Halbwidl (4. Bezirk) und Michael Luxenberger (5. Bezirk) sowie NEOS-Mobilitätssprecherin Angelika Pipal-Leixner den offiziellen Startschuss für die Bauarbeiten. Das Projekt ist Teil der großangelegten Wiener Radwegoffensive, die seit 2021 bereits über 250 Projekte und knapp 100 Kilometer neue Radwege realisiert hat.

Lückenschluss mit weitreichenden Auswirkungen

Der neue Radweg zwischen Johann-Strauß-Gasse und Hartmanngasse ersetzt den bisherigen Mehrzweckstreifen – eine markierte Fahrbahn, die sowohl von Radfahrern als auch von Autos genutzt werden kann und oft als unsicher empfunden wird. Ein baulich getrennter Radweg hingegen ist durch physische Barrieren wie Bordsteine oder Poller vom Autoverkehr getrennt und bietet deutlich mehr Sicherheit für Radfahrer.

Die strategische Bedeutung dieses Lückenschlusses wird bei genauerer Betrachtung der Wiener Verkehrsströme deutlich. Die Wiedner Hauptstraße verbindet den zentralen Karlsplatz mit dem verkehrsreichen Matzleinsdorfer Platz am Gürtel und durchquert dabei die Bezirke Innere Stadt, Wieden, Margareten und Favoriten. Täglich nutzen tausende Pendler diese Route, bisher jedoch oft mit dem Auto oder öffentlichen Verkehrsmitteln, da eine sichere Radverbindung fehlte.

"Bereits 2024 haben wir den ersten Teil der Wiedner Hauptstraße unter dem Motto 'Raus aus dem Asphalt' auf über einem Kilometer klimafit umgestaltet", erklärt Stadträtin Sima. "Der dortige komfortable Zwei-Richtungsradweg wird bereits gut angenommen. Nun schließen wir die zentrale Lücke auf dieser wichtigen Radroute."

Technische Details und Sicherheitsaspekte

Das Besondere an der neuen Lösung: Der bisherige Mehrzweckstreifen auf der stadteinwärts führenden Seite wird durch den baulich getrennten Zwei-Richtungs-Radweg ersetzt, während der stadtauswärts führende Mehrzweckstreifen erhalten bleibt. Diese Lösung erspart Radfahrern das zweimalige Queren der stark befahrenen Wiedner Hauptstraße – ein entscheidender Sicherheitsvorteil.

Zusätzlich werden Schutzwege (Zebrastreifen) und Radfahrerüberfahrten angepasst. Radfahrerüberfahrten sind spezielle Querungen für Radfahrer, die durch rote Markierungen und besondere Verkehrszeichen gekennzeichnet sind und Radfahrern Vorrang gegenüber abbiegenden Fahrzeugen einräumen.

Klimaschutz durch Stadtbegrünung

Neben der Verkehrssicherheit steht auch der Klimaschutz im Fokus des Projekts. Neun neue Bäume und sieben Hochstammsträucher werden gepflanzt, dazu kommen acht neue Beete. Diese Begrünungsmaßnahmen folgen dem stadtweiten Konzept der Schwammstadt – einem innovativen Ansatz zur Regenwasserbewirtschaftung und Klimaanpassung.

Das Schwammstadt-Prinzip funktioniert wie ein natürlicher Schwamm: Versiegelte Flächen werden durch wasserdurchlässige Materialien und Grünflächen ersetzt, die Regenwasser aufnehmen, speichern und langsam wieder abgeben. Dies reduziert nicht nur die Belastung der Kanalisation bei Starkregen, sondern schafft auch ein kühleres Mikroklima durch Verdunstung.

Die Auswirkungen sind messbar: Bereits im ersten Bauabschnitt entstanden 1.300 Quadratmeter neue Grünflächen, 700 Quadratmeter wurden entsiegelt und mit sickerfähigem Pflaster ausgestattet. Bei Temperaturen über 30 Grad Celsius können solche Maßnahmen die gefühlte Temperatur um bis zu fünf Grad reduzieren – ein entscheidender Faktor für die Lebensqualität in der dicht verbauten Innenstadt.

Vergleich mit anderen Städten

Wiens Radwegoffensive steht im europäischen Vergleich gut da, zeigt aber auch noch Potenzial nach oben. Während Amsterdam mit über 400 Kilometern Radwegen pro 100.000 Einwohner europaweit führend ist, kommt Wien derzeit auf etwa 200 Kilometer. Kopenhagen, oft als Fahrradhauptstadt bezeichnet, investiert jährlich rund 20 Euro pro Einwohner in die Radinfrastruktur – Wien liegt mit seinen geplanten Investitionen in ähnlichen Dimensionen.

In Deutschland setzt Berlin auf ähnliche Konzepte: Dort entstehen ebenfalls baulich getrennte Radwege auf Hauptverkehrsstraßen, allerdings oft mit größeren politischen Widerständen. München hingegen fokussiert verstärkt auf Radschnellwege für Pendler aus dem Umland. Die Schweizer Städte Zürich und Basel setzen auf ein dichtes Netz von Velorouten, die auch kleinere Straßen einbeziehen.

Wirtschaftliche Auswirkungen und Bürgerbeteiligung

Für die Anrainer und Geschäfte entlang der Wiedner Hauptstraße bringen die Bauarbeiten zunächst Herausforderungen mit sich. Erfahrungen aus anderen Radwegprojekten zeigen jedoch, dass sich der anfängliche Aufwand langfristig auszahlt. Studien aus Kopenhagen belegen, dass Radfahrer im Durchschnitt häufiger in lokalen Geschäften einkaufen als Autofahrer, auch wenn der Einzeleinkauf meist kleiner ist.

Die Wiener Wirtschaftskammer sieht Radwegprojekte mittlerweile überwiegend positiv, nachdem anfängliche Befürchtungen über Umsatzeinbußen durch wegfallende Parkplätze nicht eingetreten sind. "Radfahrer sind gute Kunden für den lokalen Handel", bestätigt eine aktuelle Studie der Wirtschaftsagentur Wien.

Bezirksvorsteherin Lea Halbwidl betont die Bedeutung für die Lebensqualität: "Gleichzeitig steigern die Begrünungsmaßnahmen, zusätzliche Sitzgelegenheiten und ein Wasserspender die Aufenthaltsqualität und tragen zu einer lebenswerten Wieden bei."

Innovative Verkehrslösungen und Synergien

Besonders durchdacht ist die Lösung für die Anschlussverbindung beim Rudolf-Sallinger-Park in Margareten. Künftig wird die Durchfahrt in beide Richtungen nutzbar sein, was eine komfortablere Verbindung aus den Wohngegenden zum Hauptradweg ermöglicht. Diese 65 Meter mögen klein erscheinen, haben aber große Auswirkungen auf die Netzwirkung des gesamten Radwegsystems.

"Zahlreiche Margaretner*innen sind bereits mit dem Fahrrad unterwegs", erklärt Bezirksvorsteher Michael Luxenberger. "In diesen 65 Metern steckt ein wichtiger Lückenschluss im Radnetz, der es allen ermöglicht, aus dem Wohngrätzl über den Rudolf-Sallinger-Park und die Hartmanngasse zum baulich getrennten Radweg zu gelangen."

Die Stadt Wien nutzt dabei geschickt Synergien: Die MA 31 (Wiener Wasser) hat bereits im Vorfeld die Wasserleitungen zwischen Blechturmgasse und Johann-Strauß-Gasse erneuert. Solche koordinierten Infrastrukturmaßnahmen reduzieren nicht nur die Gesamtkosten, sondern minimieren auch die Belästigung für Anrainer durch wiederholte Baustellen.

Zahlen, Daten und Investitionen

Die Dimensionen der Wiener Radwegoffensive sind beeindruckend: Seit 2021 wurden bereits knapp 190 Millionen Euro in den Ausbau des Radwegenetzes investiert. Über 250 Projekte und knapp 100 Kilometer im Hauptradwegenetz wurden umgesetzt, dazu kommen 50 Kilometer im Bezirksnetz. Für 2024 stehen 33 weitere Projekte und 12,5 Kilometer neue Radwege am Programm.

Diese Investitionen rechnen sich volkswirtschaftlich: Jeder in Radinfrastruktur investierte Euro bringt laut EU-Studien eine gesellschaftliche Rendite von drei bis vier Euro durch eingesparte Gesundheitskosten, reduzierte Umweltbelastung und geringere Infrastrukturkosten für den Autoverkehr.

Aktuelle Verkehrszählungen zeigen bereits positive Trends: Der Radverkehr in Wien ist in den letzten drei Jahren um durchschnittlich 15 Prozent pro Jahr gestiegen. An der bereits fertiggestellten ersten Etappe der Wiedner Hauptstraße wurden täglich bis zu 2.800 Radfahrer gezählt – deutlich mehr als ursprünglich prognostiziert.

Herausforderungen und Lösungsansätze

Nicht alle Wiener sehen die Radwegoffensive positiv. Kritik kommt vor allem von Autofahrern, die weniger Parkplätze und längere Fahrzeiten befürchten. Die Stadt Wien begegnet diesen Einwänden mit einer multimodalen Verkehrsstrategie – einem Ansatz, der verschiedene Verkehrsmittel intelligent miteinander vernetzt.

Multimodal bedeutet, dass Bürger je nach Situation das optimale Verkehrsmittel wählen können: Das Fahrrad für kurze Strecken in der Stadt, öffentliche Verkehrsmittel für längere Distanzen und das Auto nur bei Bedarf. Park-and-Ride-Anlagen am Stadtrand, verbesserte Öffi-Verbindungen und Bike-Sharing-Systeme ergänzen sich dabei zu einem Gesamtsystem.

Zukunftsperspektiven und weitere Projekte

Der Lückenschluss in der Wiedner Hauptstraße ist nur ein Baustein in Wiens ambitionierter Verkehrswende. Bis 2030 soll der Radverkehrsanteil von derzeit 9 Prozent auf 15 Prozent der täglich zurückgelegten Wege steigen. Dafür sind weitere 200 Kilometer neue Radwege geplant, davon 80 Kilometer im Hauptnetz.

Besonders spannend sind die geplanten Radschnellwege nach dem Vorbild holländischer Fietssnelwegen. Diese sollen Pendlern aus dem Umland eine attraktive Alternative zum Auto bieten und Distanzen von 10 bis 20 Kilometern mit dem Rad attraktiv machen. Der erste Radschnellweg von Klosterneuburg ins Wiener Zentrum befindet sich bereits in Planung.

NEOS-Mobilitätssprecherin Angelika Pipal-Leixner sieht in solchen Projekten den Schlüssel für eine nachhaltige Verkehrswende: "Solch attraktive und begrünte Verbindungen sind der Schlüssel, damit noch mehr Wienerinnen und Wiener das Fahrrad als ideales, gesundes Verkehrsmittel für ihren Alltag entdecken können."

Technologische Innovationen und Smart City

Wien setzt auch auf digitale Innovationen im Radverkehr. Intelligente Ampelschaltungen erkennen Radfahrer und schalten bei Bedarf schneller auf Grün. LED-Beleuchtung macht Radwege sicherer und energieeffizienter. Über die App "FahrradWien" können Bürger alle aktuellen Radwegprojekte verfolgen und Feedback geben.

Geplant sind auch Bike-Highways mit minimalen Steigungen und wenigen Kreuzungen, die Durchschnittsgeschwindigkeiten von 25 km/h ermöglichen. Sensoren im Asphalt sollen künftig Verkehrsströme messen und Ampelschaltungen optimieren. Solar-Ladestationen für E-Bikes ergänzen das Angebot für elektrische Zweiräder.

Die Bauarbeiten in der Wiedner Hauptstraße sollen bis Juli 2026 abgeschlossen sein. Dann können täglich tausende Radfahrer sicher und komfortabel vom Karlsplatz bis zum Matzleinsdorfer Platz radeln – ein wichtiger Schritt hin zu einer klimafreundlicheren und lebenswerteren Stadt. Weitere Informationen zu allen Radwegprojekten finden sich auf fahrradwien.at, wo eine interaktive Karte den aktuellen Planungsstand aller Vorhaben zeigt.

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