Eine Kategorie, die ursprünglich nur für seltene medizinische Fälle entwickelt wurde, prägt heute gesellschaftliche Debatten und politische Entscheidungen: die Geschlechtsidentität. Der renommierte US-Soziologe Rogers Brubaker von der University of California in Los Angeles hat nun die Karriere dieses Begriffs in einem neuen Buch aufgearbeitet.
Eine Kategorie, die ursprünglich nur für seltene medizinische Fälle entwickelt wurde, prägt heute gesellschaftliche Debatten und politische Entscheidungen: die Geschlechtsidentität. Der renommierte US-Soziologe Rogers Brubaker von der University of California in Los Angeles hat nun die Karriere dieses Begriffs wissenschaftlich aufgearbeitet. Sein neues Buch "Geschlechtsidentität: Die Karriere einer Kategorie" ist im Mandelbaum Verlag erschienen und ist eine deutsche, überarbeitete und erweiterte Fassung der IWM‑Vorlesungen, die der Autor im Oktober 2025 in Wien gehalten hat.
Brubaker zeichnet in dem Buch die Entwicklung der Kategorie „Geschlechtsidentität“ (eng. gender identity) nach, die innerhalb weniger Jahrzehnte zu einem grundlegenden Prinzip gesellschaftlicher Klassifikation avanciert ist. Er rekonstruiert die Entstehungs- und Wirkungsgeschichte der Kategorie sowie die Umstände, unter denen sie umstritten wurde.
Brubaker stellt Fragen wie: Wie konnte eine Kategorie, die ursprünglich auf seltene, ausdrücklich als pathologisch verstandene Fälle angewandt wurde, auf alle Menschen übertragen und für die Strukturierung sozialer Erfahrungen zentral werden? Wie kam es dazu, dass eine Kategorie, die als Ergänzung zum biologischen Geschlecht eingeführt wurde, in immer mehr Zusammenhängen als grundlegender als das biologische Geschlecht verstanden wird? Und weshalb wurde aus einem zunächst unkontroversen Konzept ab Mitte der 2010er‑Jahre ein Gegenstand zahlloser hitziger Debatten?
Das Buch ist als nüchterner Beitrag zur Versachlichung einer Debatte angelegt. Anstatt Partei zu ergreifen, rekonstruiert Brubaker die Entstehungs- und Wirkungsgeschichte der Kategorie sowie die Umstände, unter denen sie so umstritten wurde. Das Ergebnis ist ein Beitrag, der analytische Klarheit, begriffliche Präzision und empirische Fundierung in eine Debatte einbringt, die gewöhnlich eher von Polarisierung als von Nuancen geprägt ist.
Das Werk kann über die Webseite des Mandelbaum Verlags erworben werden.
Rogers Brubaker ist Professor für Soziologie an der University of California in Los Angeles, wo er den UCLA Foundation Chair innehat. Brubaker hat zahlreiche Werke zu Sozialtheorie, Migration, Staatsbürgerschaft, Nationalismus, Ethnizität, Race, Gender und Populismus verfasst. 2009 wurde er in die American Academy of Arts and Sciences gewählt. Ihm wurden zahlreiche Preise und Fellowships verliehen. 2024 und 2025 war er Distinguished Fellow des IWM.