Der Österreichische Gewerkschaftsbund (ÖGB) hat am 6. Oktober 2025 eine wegweisende Initiative angekündigt, die unter dem Titel „solidar Austria“ firmiert. Diese Initiative zielt darauf ab, die Bedeutung von fairen Arbeitsbedingungen für die Stabilität der Demokratie aufzuzeigen. Anlässlich des Welt
Der Österreichische Gewerkschaftsbund (ÖGB) hat am 6. Oktober 2025 eine wegweisende Initiative angekündigt, die unter dem Titel „solidar Austria“ firmiert. Diese Initiative zielt darauf ab, die Bedeutung von fairen Arbeitsbedingungen für die Stabilität der Demokratie aufzuzeigen. Anlässlich des Welttages für Menschenwürdige Arbeit, der jährlich am 7. Oktober begangen wird, blickt solidar Austria auf 30 Jahre erfolgreicher Arbeit für globale Gerechtigkeit zurück und plant, 2026 gezielt junge Arbeitnehmer und Lehrlinge für internationale Solidarität zu begeistern.
Peter Schissler, Vorsitzender von solidar Austria, betont: „Menschenwürdige Arbeit ist die Grundlage für sozialen Frieden und stabile Demokratien“. Diese Aussage unterstreicht die essentielle Verbindung zwischen Arbeitsbedingungen und gesellschaftlicher Stabilität. Wenn Menschen ausgebeutet werden, entstehen Konflikte und gesellschaftliche Spannungen. Daher ist der Kampf für faire Arbeitsbedingungen weltweit auch ein Beitrag zum Frieden.
Die Geschichte der Arbeitsrechte ist eng mit der Entwicklung moderner Demokratien verbunden. Bereits im 19. Jahrhundert begannen Arbeiterbewegungen weltweit, für bessere Arbeitsbedingungen zu kämpfen. Diese Bewegungen legten den Grundstein für viele der Arbeitsrechte, die wir heute als selbstverständlich ansehen, wie zum Beispiel den Acht-Stunden-Tag oder das Verbot von Kinderarbeit.
In vielen Ländern, insbesondere in Schwellenländern, sind die Arbeitsbedingungen nach wie vor prekär. In Brasilien etwa, einem Land, das häufig im Fokus von solidar Austria steht, sind die Arbeitsbedingungen in vielen Sektoren immer noch von Ausbeutung geprägt. Die Initiative von solidar Austria setzt hier an, indem sie die Verbindungen zwischen globalen Lieferketten und lokalen Arbeitsbedingungen aufzeigt.
In den vergangenen drei Jahrzehnten hat solidar Austria als entwicklungspolitischer Verein der österreichischen Gewerkschaftsbewegung Brücken zwischen lokaler und globaler Solidarität gebaut. Von der Unterstützung des Gewerkschaftsaufbaus in der Republik Moldau über Kampagnen gegen Kinderarbeit bis hin zu aktuellen Initiativen für ein wirksames Lieferkettengesetz – die Arbeit zeigt: Internationale Zusammenarbeit stärkt Arbeitsrechte hier wie dort.
Schissler erklärt: „Oft werde ich gefragt, warum gehen wir mit unserer Arbeit so weit weg von Österreich, etwa nach Brasilien oder Südafrika, wo wir doch hier bei uns selber genug Probleme haben“. Seine Antwort ist pragmatisch: „Greife ich nach meinem Handy, halte ich die ganze Welt in meiner Hand. Man muss den Menschen deutlich machen, dass die Produktionsteile dafür aus der ganzen Welt kommen“.
Diese Erkenntnis bildet die Grundlage für das neue Projekt „Global Heroes for Peace and Democracy“, das ab 2026 mit innovativen, comic-basierten Methoden und digitalen Formaten speziell Lehrlinge und junge Arbeitnehmer ansprechen wird. Ziel ist es, junge Menschen für globale Zusammenhänge zu sensibilisieren und sie zu aktiven Gestaltern einer fairen Arbeitswelt zu machen.
„Ohne menschenwürdige Arbeit gibt es keine stabile Demokratie“, so Schissler weiter: „Wo Menschen ums wirtschaftliche Überleben kämpfen müssen, haben autoritäre Kräfte leichtes Spiel. Deshalb ist internationale Gewerkschaftsarbeit immer auch Demokratiearbeit“.
Die aktuelle weltweite Situation ist alarmierend: 138 Millionen Kinder sind von Kinderarbeit betroffen, während gleichzeitig in vielen Ländern demokratische Strukturen unter Druck stehen. solidar Austria setzt hier auf globales Lernen und persönliche Begegnungen, um komplexe internationale Zusammenhänge verständlich zu machen.
Einen Einblick in konkrete Entwicklungszusammenarbeit gibt die Veranstaltung „Brasilien – ein etwas anderer Reisebericht“ am 13. Oktober um 19:00 Uhr in der Arbeiterkammer Vöcklabruck. Herbert Wasserbauer von der Dreikönigsaktion nimmt die Teilnehmer mit auf eine Spurensuche ins brasilianische „Eiserne Viereck“, wo Rohstoffe für Autos und Computer in Europa abgebaut werden.
Mehr Informationen unter: oegb.at/solidar-brasilien-vöcklabruck
Für den durchschnittlichen Bürger mag die Verbindung zwischen globalen Arbeitsbedingungen und der heimischen Demokratie zunächst abstrakt erscheinen. Doch die Auswirkungen sind real und spürbar. Prekäre Arbeitsbedingungen im Ausland können zu einem Preisverfall bei heimischen Produkten führen, was wiederum Druck auf lokale Arbeitsmärkte ausübt. Durch die Sensibilisierung für diese Zusammenhänge können Bürger bewusster konsumieren und so indirekt Einfluss auf die Verbesserung globaler Arbeitsbedingungen nehmen.
Ein Experte für internationale Arbeitsrechte erklärt: „Die Stabilität unserer Demokratie hängt maßgeblich davon ab, wie fair und gerecht die Arbeitsbedingungen weltweit sind. Nur durch eine gerechte Verteilung der Ressourcen und Rechte können wir langfristig Frieden und Wohlstand sichern“.
Die Initiative „Global Heroes for Peace and Democracy“ hat das Potenzial, eine neue Generation von jungen Menschen zu inspirieren und zu befähigen, aktiv an einer gerechten Welt mitzuwirken. Durch den Einsatz moderner Medienformate und interaktiver Lernmethoden werden komplexe Zusammenhänge verständlich und greifbar gemacht.
Die kommenden Jahre werden zeigen, ob diese Initiative tatsächlich den erhofften Einfluss auf die Bewusstseinsbildung und die Verbesserung der Arbeitsbedingungen weltweit haben wird. Doch bereits jetzt ist klar: Die Verbindung von Arbeitsrechten und Demokratie ist ein Thema, das uns alle betrifft und das in Zukunft noch stärker in den Fokus rücken wird.