Arbeitsklima Index zeigt große Unterschiede bei Bildungschancen
AK-Studie belegt: Zufriedene Weiterbildungsmöglichkeiten führen zu 89% Berufszufriedenheit. Doch der Zugang ist ungleich verteilt.
Eine aktuelle Auswertung des Arbeitsklima Index der Arbeiterkammer Oberösterreich bringt es auf den Punkt: Weiterbildung ist ein Schlüsselfaktor für die Zufriedenheit im Beruf. Die Studie zeigt jedoch auch deutliche Unterschiede beim Zugang zu Bildungsangeboten zwischen verschiedenen Beschäftigtengruppen auf.
Die österreichische Bildungsstruktur präsentiert sich vielfältig. Für jeden fünften Beschäftigten (20 Prozent) endet die formale Ausbildung bereits mit der Pflichtschule. Die Lehre bleibt mit einem Drittel aller Beschäftigten nach wie vor die beliebteste Ausbildungsform im Land. Zwölf Prozent verfügen über einen Abschluss einer berufsbildenden mittleren Schule, während 17 Prozent die Matura absolviert haben. Weitere 18 Prozent können einen Universitäts- oder Fachhochschulabschluss vorweisen.
Besonders auffällig sind die geschlechtsspezifischen Unterschiede: Während 40 Prozent der Männer einen Lehrabschluss haben, sind es bei den Frauen nur 24 Prozent. Frauen sind hingegen sowohl am unteren Ende der Bildungsskala (häufiger nur Pflichtschulabschluss) als auch am oberen Ende (öfter Hochschulabschluss) stärker vertreten als Männer.
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: 56 Prozent der österreichischen Beschäftigten zeigen sich mit ihren Weiterbildungsmöglichkeiten zufrieden. Diese Zufriedenheit wirkt sich unmittelbar auf das allgemeine Wohlbefinden im Beruf aus. Beeindruckende 89 Prozent jener Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die mit ihren Weiterbildungsmöglichkeiten zufrieden sind, geben gleichzeitig an, auch mit ihrer beruflichen Tätigkeit zufrieden zu sein.
Im Gegensatz dazu fällt die Berufszufriedenheit bei Beschäftigten, die mit ihren Weiterbildungsmöglichkeiten unzufrieden sind, auf nur 57 Prozent ab. "Aus- und Weiterbildung ist ein wesentlicher Faktor für die Arbeitszufriedenheit. Sie nützen den Beschäftigten, weil sie Chancen eröffnen und die Zufriedenheit steigern", erklärt AK-Präsident Andreas Stangl.
Drei Viertel der Beschäftigten vertrauen darauf, dass ihre jetzige Ausbildung ausreicht, um auch in fünf Jahren noch den beruflichen Anforderungen gerecht zu werden. Doch diese Zuversicht ist ungleich verteilt. Besonders skeptisch zeigen sich Beschäftigte im Tourismus, von denen nur 64 Prozent diese positive Einschätzung teilen.
Noch kritischer sehen Personen mit maximal Pflichtschulabschluss (58 Prozent) sowie Hilfsarbeiterinnen und Hilfsarbeiter (57 Prozent) ihre berufliche Zukunft. Diese Gruppen befürchten offenbar, dass ihre Qualifikationen den sich wandelnden Arbeitsanforderungen nicht standhalten könnten.
Die Frage nach der Übereinstimmung zwischen Qualifikation und ausgeübtem Beruf zeigt ein gemischtes Bild. Während die Mehrheit von 73 Prozent ihre Qualifikation als genau passend empfindet, sehen 15 Prozent ihre Ausbildung als zu hoch für ihren aktuellen Job an. Besonders betroffen sind hier Hochschulabsolventinnen und -absolventen mit 25 Prozent.
Umgekehrt empfinden 12 Prozent ihre Qualifikation als zu gering. Dies betrifft vor allem junge Beschäftigte zwischen 16 und 25 Jahren (20 Prozent) sowie Personen mit maximal Pflichtschulabschluss (22 Prozent). Besonders zufrieden mit der Passung ihrer Qualifikation zeigen sich Personen mit Lehrabschluss (77 Prozent), Facharbeiterinnen und Facharbeiter (79 Prozent) sowie Beschäftigte im Bauwesen (81 Prozent).
Bildung endet nicht mit dem Schulabschluss – das bestätigt auch der Arbeitsklima Index. Etwa jeder zehnte Beschäftigte unterbricht sein Berufsleben, um eine zusätzliche Ausbildung oder ein Studium zu absolvieren. Bemerkenswert ist die Entwicklung im Zeitverlauf: Während 2010 nur fünf Prozent diesen Schritt wagten, hat sich der Anteil bis heute verdoppelt.
Bei der tatsächlichen Teilnahme an Weiterbildungsmaßnahmen zeigt sich: 42 Prozent der Beschäftigten haben in jüngster Vergangenheit Kurse, Seminare oder Schulungen zur beruflichen Weiterbildung besucht. Allerdings nimmt die Teilnahme mit zunehmendem Alter und niedrigerer formaler Bildung deutlich ab – ein Trend, der bildungspolitisch bedenklich ist.
Ein kritischer Aspekt zeigt sich bei der Finanzierung von Weiterbildung. Für 45 Prozent der Beschäftigten, die länger keine Fortbildung besucht haben, ist eine solche nur dann vorstellbar, wenn die Kosten vollständig vom Betrieb übernommen werden. Diese Abhängigkeit von der Arbeitgeberfinanzierung kann zu ungleichen Bildungschancen führen, je nach Branche und Unternehmensgröße.
Angesichts der Studienergebnisse formuliert die Arbeiterkammer Oberösterreich konkrete politische Forderungen. An erster Stelle steht die Schaffung kostenloser Angebote für das Nachholen von Bildungsabschlüssen im zweiten Bildungsweg. Dies würde insbesondere jenen Personengruppen helfen, die bisher nur über einen Pflichtschulabschluss verfügen.
Zusätzlich fordert die AK eine bundesweite Anerkennung beruflich erworbener Fähigkeiten für den Erwerb des Lehrabschlusses. Viele Beschäftigte haben durch ihre Arbeitserfahrung praktische Kenntnisse erworben, die formal anerkannt werden sollten.
Ein weiterer zentraler Punkt ist die Einführung eines Rechtsanspruchs auf ein existenzsicherndes Qualifizierungsgeld für berufliche Neu- und Umorientierung. Dies würde es Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern ermöglichen, sich ohne finanzielle Existenzängste weiterzubilden oder umzuschulen.
Für das eigene Bundesland fordert die Arbeiterkammer Oberösterreich konkret die Rücknahme der Kürzungen beim Bildungskonto und den Ausbau von Bildungsförderungen. Diese Maßnahmen würden direkt den oberösterreichischen Beschäftigten zugutekommen und ihre Weiterbildungsmöglichkeiten verbessern.
Die Ergebnisse des Arbeitsklima Index machen deutlich: Weiterbildung ist nicht nur ein Nice-to-have, sondern ein entscheidender Faktor für die Arbeitszufriedenheit und berufliche Zukunftsfähigkeit. Die großen Unterschiede beim Zugang zu Bildungsangeboten zwischen verschiedenen Gruppen zeigen jedoch auch, dass noch viel getan werden muss, um allen Beschäftigten gleiche Chancen zu ermöglichen.
Besonders die Abhängigkeit von der Betriebsfinanzierung und die geringere Teilnahme bei älteren und geringer qualifizierten Beschäftigten sind Herausforderungen, die politische Lösungen erfordern. Die Forderungen der Arbeiterkammer zeigen konkrete Wege auf, wie diese Ungleichheiten abgebaut werden können.
Für Unternehmen und Beschäftigte gleichermaßen sollte die Botschaft klar sein: Investitionen in Weiterbildung zahlen sich aus – sowohl für die individuelle Zufriedenheit als auch für die langfristige Wettbewerbsfähigkeit am Arbeitsmarkt.